Fussball
«Hitzfeld ist eine Option, aber nicht die einzige»

Nach der Qualifikation ist vor der Weltmeisterschaft. Wie sieht die Zukunft der Schweizer Nati aus? Peter Stadelmann, der Delegierte der Nationalmannschaft, über die Vertragsverlängerung mit Nati-Trainer Ottmar Hitzfeld.

René Weber
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Teamhotel «Panorama Resort&Spa» in Feusisberg. Zwei Tage danach. Müde, aber glücklich wartet das Schweizer Nationalteam auf die Busfahrt ins Training nach Jona.

Aus sicherer Entfernung beobachtet der sichtlich zufriedene Peter Stadelmann seine diskutierenden Spieler. Er, der Delegierte und damit Vorgesetzte von Nationaltrainer Ottmar Hitzfeld, ist in Gedanken noch immer beim Spiel vom Freitag. Das 2:1 im Qemal-Stafa-Stadion in Tirana hat ihm gefallen. Er ist begeistert.

An der Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien dabei zu sein, ist für Stadelmann die Erfüllung eines Traums. Und er hofft, dass bis zum Turnier in Südamerika im eigenen Land die Begeisterung für das Nationalteam weiter ansteigt.

Zuletzt, daraus macht er kein Geheimnis, habe ihm das etwas gefehlt. Damit hat er nicht unrecht. Weder das Testspiel gegen Brasilien noch das WM-Entscheidungsspiel gegen Island waren ausverkauft.

Auch bei der letzten, sportlich allerdings unbedeutenden Ausscheidungspartie am Dienstag gegen Slowenien wird es im Stade de Suisse in Bern leere Plätze haben. «Das Team hätte aus meiner Sicht noch mehr Respekt gegenüber seiner Leistung verdient. Team, Trainer und Staff haben ausgezeichnete Arbeit geleistet», sagt Stadelmann.

Anfragen mehrerer Nationen

Im Gegensatz zu der verhaltenen Begeisterung in der Schweiz ist das Interesse für das Nationalteam im Ausland gross.

Dem Fussballverband liegen Anfragen mehrerer Nationen vor, die im Hinblick auf die WM-Endrunde in Brasilien gegen die Schweiz testen möchten.

Gegen wen das Nationalteam genau antreten wird, werde man je nach Verlauf der WM-Gruppenauslosung am 6. Dezember in Salvador de Bahia entscheiden, sagt Stadelmann.

Dann werde man auch entscheiden müssen, ob diese Vorbereitungsspiele in der Schweiz oder wie diesen November in Seoul gegen Südkorea im Ausland stattfinden werden.

Bis im Juni 2014 die Reise nach Brasilien ansteht, gibt es viel zu tun – auch für Stadelmann. Trainingsspiele und Trainingslager müssen organisiert werden.

Zudem hat man im rund 70 Kilometer südöstlich von São Paulo gelegenen Guaruja mit dem «Resort& Spa Casa Grande» ein Teamhotel in Brasilien reserviert. Je nach Gruppenauslosung muss man die Suche aber nochmals starten.

Höchste Priorität hat in naher Zukunft aber Ottmar Hitzfeld. Stadelmann wird mitentscheiden, ob der Nationalcoach bleibt oder nicht. «Für mich ist Hitzfeld eine interessante Option – falls er den Vertrag verlängern will. Im Moment wissen wir das nicht», sagt er.

Mehr nicht. Will er auch nicht. So haben es die Entscheidungsträger des Fussballverbandes vereinbart. Pflichtbewusst hält sich Stadelmann daran.

«Ich kann viel denken und eine eigene Meinung zu diesem Thema haben. Sagen werde ich dazu vorerst aber nichts. Was ich sagen kann, ist, dass Hitzfeld eine sehr gute Arbeit macht. Er hat nach der verpassten EM-Qualifikation 2012 wichtige Veränderungen eingeleitet. Jetzt sehen wir das Resultat der Arbeit.»

Erfolg spricht für Hitzfeld

Hitzfeld sei empfänglich für Vorschläge. «Obwohl er ein Mann mit grosser Erfahrung ist, hört er zu, nimmt Dinge auf», sagt Stadelmann.

Ein Bekenntnis? Der Delegierte widerspricht. Wertend sei die Einschätzung nicht. Der sportliche Erfolg spreche für Hitzfeld.

Stadelmann wird seine Meinung betreffend Nationaltrainer rechtzeitig kundtun. Es sei aber Hitzfelds Wunsch, dass man erst nach Abschluss der WM-Qualifikation zusammensitze. Frühester Verhandlungstermin ist am Mittwoch, am Tag nach dem letzten WM-Qualifikationsspiel. So lange müssen sich alle noch gedulden.

Obwohl Stadelmann Hitzfeld nahe steht, hat er in den letzten Tagen keinerlei Tendenzen ausgemacht, wie sich dieser entscheiden werde.

«Man wird und muss über alles reden.» Auch über Geld. Ein heikles Thema – selbst verbandsintern. Hitzfeld ist kein Billigtrainer. Die Finanzen seien aber zweitrangig, sagt Stadelmann.

«Was ist ein teurer Trainer? Aus Hitzfelds Optik sieht das anders aus. Es gäbe für ihn lukrativere Jobs. Er beklagt sich aber nicht. Also beklagen wir uns auch nicht», sagt Stadelmann.

Was aber, wenn Hitzfeld dem Fussball-Verband eine Absage erteilt? Dann wäre das so, sagt Stadelmann. «Wir müssten es akzeptieren. Für mich ist Ottmar Hitzfeld eine gute Option, aber nicht die einzige.»

Dass Hitzfeld seinen Verbleib im Schweizer Fussballverband von seiner Person abhängig machen könnte, glaubt Stadelmann nicht. «Wenn das so wäre, dann finden wir eine Lösung.»

Obwohl Stadelmann einen Zusammenhang mit Hitzfelds Zukunft verneint, hat er sich selbst ebenfalls noch nicht entschieden, ob er sein Amt nach der WM 2014 weiterführen werde.

Seine Antwort auf die Frage, ob seine Entscheidung vor oder nach den Gesprächen mit Ottmar Hitzfeld fallen wird, überrascht nicht: «Kein Kommentar.»