Jetzt ist es offiziell: Ciriaco Sforza wird neuer Trainer – es ist ein doppelt riskanter Wechsel

Ciriaco Sforza wird Trainer beim FC Basel. Er unterschreibt einen Zweijahresvertrag. Doch schon vor seinem ersten Training sind die Bedenken gross.

Jakob Weber
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Ciriaco Sforza bei der Unterschrift.

Ciriaco Sforza bei der Unterschrift.

fcb.ch

Als wäre nichts gewesen, steht Ciriaco Sforza am Mittwoch in Wil an der Seitenlinie. Der FC Schaffhausen mit Murat Yakin ist für ein Testspiel zu Gast im Stadion Bergholz und Sforza coacht, wie er das in den letzten anderthalb Jahren in Wil immer gemacht hat. Und trotzdem liegt eine komische Stimmung in der Luft. Denn der FC Wil hatte kurz vor Anpfiff per Communiqué bestätigt, dass Sforza gerne zum FC Basel wechseln will. Dort soll der 79-fache Schweizer Nati-Spieler Nachfolger von Trainer Marcel Koller werden.

Am Nachmittag unterschreibt Sforza den Zweijahresvertrag. Der FCB soll gemäss «Blick» eine Ausstiegsklausel im eigentlich noch bis 2022 gültigem Vertrag ausgelöst haben und rund 300000 Franken Ablöse für den Aargauer zahlen. Sforzas Co-Trainer, der Liechtensteiner Daniel Hasler, soll ebenfalls von Wil nach Basel wechseln. Um 19.05 Uhr kommunizieren der FCB und Wil den Wechsel.

Sforza lässt sich mit folgenden Worten zitieren: «Der FC Basel hat über die Grenzen hinaus Geschichte geschrieben. Mein Ziel ist es, weitere erfolgreiche Kapitel hinzuzufügen, national wie international. Ich freue mich auf diese grosse Herausforderung und danke dem FCB für sein Vertrauen.» Anders als Luzern-Coach Fabio Celestini und der zurückgetretene FCB-U21-Coach Alex Frei ist Sforza gewillt, die Herkulesaufgabe beim kriselnden FC Basel anzunehmen.

Burgener hofft, dass Sforza die jungen FCB-Talente entwickelt

Auch FCB-Präsident Burgener lässt sich zitieren: «Wir freuen uns sehr, mit Ciriaco Sforza einen Cheftrainer zu engagieren, der in der Schweiz verwurzelt und gleichzeitig international top vernetzt ist. Mit seinen eigenen internationalen Erfahrungen auf höchstem Niveau und seiner Fähigkeit, mit jungen Talenten umzugehen, passt er perfekt in unser Konzept und wird unseren Klub entsprechend weiterentwickeln.»

Schon bevor er sein erstes FCB-Training leitet, sieht sich Sforza in Basel bereits harscher Abneigung ausgesetzt. In Fanforen und Kommentarspalten ist kaum ein positives Wort über den bevorstehenden Wechsel zu lesen. Seine nicht sonderlich erfolgreichen Engagements als Trainer in Thun oder Luzern, seine GC-Vergangenheit, sein ausgeprägtes Selbstvertrauen und sein Ruf aus Spielerzeiten, ein Stinkstiefel zu sein, sind Vielen ein Dorn im Auge. Auch, dass er gestern seinen Wechsel ein paar Stunden vor der offiziellen Bestätigung im Boulevard in einem Video begründet, stösst auf Kritik. Gemäss einer Onlineumfrage der Basler Fanapp Rotblau finden nur 20 Prozent, dass Sforza eine gute Wahl ist.

Sforza kann mit heiklen Situationen umgehen

Doch der 50-Jährige hat gezeigt, dass ihn solche Störfeuer nicht aus der Ruhe bringen. Und vor allem, dass sie ihn nicht am Erfolg hindern. Bereits als 14-Jähriger zog er Neid auf sich, als er als Junior bei der Herrenmannschaft des FC Wohlen spielen durfte. Doch er tat das so gut, dass er mit 16 von GC verpflichtet wurde. Als Bundesliga-Profi kehrte er 1997 zum 1. FC Kaiserslautern zurück, obwohl ihm die Fans seinen Abgang zum FC Bayern München ziemlich übel genommen hatten. Ein Jahr später wurde er als Captain völlig überraschend Deutscher Meister. Bei Bayern München – auch hier kehrte Sforza zweimal zurück – wurde er im Januar 2001 nach eigener Aussage von seinen Mitspielern gemobbt. Vier Monate später stand er im Halbfinale der Champions League gegen Real Madrid in der Startformation und holte anschliessend den Henkelpott.

Auch als Trainer hat Sforza Erfolge vorzuweisen, vor allem in der Entwicklung von jungen Spielern. Bei Luzern und GC entwickelte er unter anderem Spieler wie Fabian Lustenberger und Steven Zuber. Den FC Wohlen rettete er nach seiner Übernahme 2014 vor dem Abstieg, um ein Jahr später sogar an dem Aufstieg in die Super League zu schnuppern. Seine Stärken hat Sforza nicht in der Kommunikation nach aussen, sondern auf dem Platz. «Ich arbeite gerne mit jungen Fussballern zusammen», sagte Sforza bei seiner Vorstellung als Wil-Trainer im Frühjahr 2019. Und auch beim FCB wird er in der kommenden Saison viele junge Spieler entwickeln müssen. Denn der FCB ist gezwungen, Leistungsträger zu verkaufen. Ähnliches hat Sforza in der Saison 2011/12 bei GC erlebt. Nach Platz 3 im Jahr zuvor wurden Zarate, Lulic und Seferovic abgegeben und prompt geriet GC in Abstiegsnot. Im April musste Sforza gehen und konnte im «TagesAnzeiger» lesen, er sei gescheitert.

Gleiches droht ihm auch beim FC Basel, wo Sforza gut beraten ist, sich von den zahlreichen Störfeuern neben dem Platz nicht aus der Ruhe bringen zu lassen. Eine durchaus schwierige Aufgabe, zumal Sforza anders als in Wil beim erfolgshungrigen FCB auch sofort sportlich liefern muss.

Die Karriere von Ciriaco Sforza in Bildern