«Night to remember»
Pascal Zuberbühler: «Mein Körper spürte nichts mehr»

War das eine Sensation: Am 12. November 2002 qualifiziert sich der FC Basel dank eines 3:3 gegen Liverpool für die zweite Gruppenphase der Champions League. Pascal Zuberbühler und Antonio Esposito erzählen in Teil 5 wie sie den Abend erlebt haben.

Etienne Wuillemin, Sebastian Wendel und Markus Brütsch
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Grosser Jubel bei den Baslern nach dem 2:0 durch Giménez.

Grosser Jubel bei den Baslern nach dem 2:0 durch Giménez.

Keystone
Pascal Zuberbühler

Pascal Zuberbühler

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Pascal Zuberbühler, heute Sportdirektor bei Servette und TV-Experte

«Irgendwann schaute ich fast nur noch dem Schiri ins Gesicht. Wollte ihm zuschreien ‹jetzt pfeif endlich mal ab!›. Das Spiel hat sich für uns längst aufs Ballhalten reduziert. Es gelang immer weniger. Mein Körper spürte nichts mehr. Ich versuchte, meinen Jungs Mut zu machen, schrie ‹raus!, raus!, raus!, lasst euch nicht erdrücken.› Es war Hitchcock. Gewaltig. Einmalig.

Und dann kam endlich das Ende. Die Jubelorgie. Gefühle, als würdest du schweben. Doch stopp, eigentlich ist es ja absurd, aber als wir in die Garderobe zurückkamen, war ich erst einmal so richtig sauer! Wegen dieses Penaltys von Michael Owen zehn Minuten vor Schluss. Ich wusste: In 85 Prozent der Fälle schiesst er nach rechts von sich aus gesehen. Gegen die kleinen Schweizer geht er doch auf Nummer sicher, ich fliege also in die Ecke, halte den Ball, aber er kommt genau zurück vor seine Füsse! Gehalten? Nein, interessiert mich nicht! Drin war er, der Nachschuss zählt auch. Wenn ich jetzt wieder an den Penalty denke, rege ich mich immer noch auf! So war und bin ich eben.

Wenn ich ein einziges Spiel rauspicken und als Highlight meiner Karriere bezeichnen müsste, dann wäre es das gegen Liverpool – aber jenes auswärts an der Anfield Road. Ich hatte das Gefühl, ich könnte jeden Ball im Notfall noch mit dem Zehennagel um den Pfosten drehen. Einfach Wahnsinn. Aber auch zu Hause lief es mir gut. In den beiden Spielen zusammen lenkte ich drei Schüsse an die Latte. Drei!

Im Rückblick ist dieses 3:3 gegen Liverpool der Start in eine neue Ära des Schweizer Fussballs. Der FCB hat gezeigt, dass auch Schweizer grosse europäische Teams in die Schranken weisen können. Und davon profitieren wir noch heute.»

Antonio Esposito

Antonio Esposito

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Antonio Esposito, heute TV-Experte

«Basel gegen Liverpool, das waren zwei Spiele in einem. Und vor allem: verrückt, verrückt, verrückt! Gab es Anzeichen für unseren famosen Start? Ich hätte sie nicht gespürt. Aber eines war bald offensichtlich: Liverpool konnte nicht umgehen mit unserer Qualität im Angriff. Was Rossi, Giménez und Yakin auf den Platz zauberten – wunderbar. Ich durfte das 1:0 einleiten mit meinem Pass in die Gasse zu Yakin, der dann auf Rossi weiterleitete. Schon in Liverpool leistete ich die Vorarbeit zu Rossis Tor. Ansonsten war meine Aufgabe ja eher ein bisschen defensiver...

Klar, dieses 3:3 war eines der aufregendsten Spiele meiner Karriere. Vergleichbar mit dem 1:0 von GC in der Champions League in Amsterdam. Aber wir sollten auch die FCB-Spiele in der Champions-League-Qualifikation gegen Celtic Glasgow nicht vergessen. Schliesslich waren sie die Voraussetzung dafür, dass wir überhaupt diese Nacht gegen Liverpool erleben durften. Die Atmosphäre in Glasgow war grossartig. Wir spielten eine Stunde gut. Verloren zum Glück nur 1:3, weil Zubi am Schluss einen Penalty hielt. Das 2:0 zu Hause war eine erste Krönung.»

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