Fussball

Schaffen die Grasshoppers nach der Winterpause die Wende?

Die Zürcher Grasshoppers stehen mit einem Bein in der Challange League. Doch gerade rechtzeitig zur Winterpause kommt die Mannschaft in Fahrt - auch dank Stürmer Innocent Emeghara.

Sebastian Wendel
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Für die junge Mannschaft der Grasshoppers kommt in diesem Jahr die Bescherung dank Innocent Emegharas Toren gegen den FC Basel einige Tage früher. Der Sieg gegen den Schweizer Meister veranlasste VR-Mitglied und Geldgeber Heinz Spross dazu, die Spieler und das Trainerteam zu einem dreitägigen Skiurlaub ins österreichische St.Anton einzuladen. Snowboarder Emeghara freut sich wie ein kleines Kind. «Das haben wir uns mehr als verdient.»

So erfreulich die Vorrunde für den nigerianischstämmigen Schweizer geendet hat, so hart war die Kritik, die der 21-Jährige teilweise über sich ergehen lassen musste. Als Super-League-untauglich, Leichtathlet, Chancentod oder Fehleinkauf wurde er bezeichnet. Die Einschätzungen waren begründet, vergab Emeghara doch beste Torchancen kläglich. In 16 Spielen hat er viermal getroffen. Wahrlich keine gute Bilanz für einen Stürmer.

Die bösen Kommentare in den Zeitungen habe er nie gelesen, vielmehr sei er selbst sein grösster Kritiker. «Ich habe nach schlechten Spielen oft schlecht geschlafen, mir dann aber gesagt, dass ich weiter positiv denken muss. Immerhin komme ich zu vielen Möglichkeiten, das gibt mir Mut.» Trainer Ciriaco Sforza und seine Teamkollegen haben ihn stets wieder aufgebaut. «Und hey, auch die besten Stürmer der Welt treffen das Tor nicht immer», wehrt sich Emeghara forsch.

«Ich schaue nur auf mich»

Dass die Nummer 7 der Grasshoppers heute sein Geld als Fussballprofi verdient, hat Emeghara ausgerechnet einem Schiedsrichter zu verdanken. «Am Ende eines Spiels mit den C-Junioren des FC Töss fragte er mich, ob ich nicht ein Probetraining beim FC Winterthur machen wolle. Er meinte, ich sei zu gut für den Breitenfussball.» Von diesem Zeitpunkt an, begann das Räderwerk zu drehen.

Emeghara stiess zur U15 des FC Winterthur, und schon bald folgte der Lockruf des grossen FC Zürich. Dieser bot an, ihm eine Ausbildung zum Berufssportler zu finanzieren. Den Sprung ins Kader der ersten Mannschaft schaffte er beim Stadtklub nicht. «Sie sagten, es sei besser für mich, wenn ich in der Challenge League Spielpraxis sammle.»

Dort überraschte er die Verantwortlichen und «vor allem mich selber», erzielte nach der Rückkehr zum FC Winterthur in der vergangenen Saison 17 Tore. Bereits im vergangenen Winter klopfte GC an, im Sommer hat es dann mit dem Wechsel in den Talentschuppen geklappt. «GC ist der grösste Klub der Schweiz, die Anfragen anderer Vereine interessierten mich nicht.» Eingefädelt hat den Deal die Beratungsfirma Inside AG, die auf die Vermittlung von Talenten spezialisiert ist.

Stürmer musste grosse Lücke ausfüllen

Emeghara sollte bei den Grasshoppers die Lücke stopfen, die nach den Abgängen von Nassim Ben Khalifa (Wolfsburg) und Gonzalo Zarate (Salzburg) entstanden ist. Druck verspürte der lebensfrohe Stürmer aber keinen. «Ich schaue nur auf mich. Wenn ich auf den Platz gehe, blende ich alles aus.

Dann zählen nur meine Mitspieler und der Ball.» Diese Einstellung nahm Emeghara aus Nigeria mit, als er als 13-Jähriger mit seiner Mutter und seinem Schweizer Stiefvater nach Europa umsiedelte. «Nach dem Tod meines leiblichen Vaters, den ich nie kennenlernte, verliebte sich Mama in einen Schweizer. Als dieser von seinem Arbeitgeber in die Schweiz zurückbeordert wurde, nahm er mich und meine Mutter mit.»

Trikot mit Ronaldo tauschen

Emeghara erinnert sich gerne an seine Kindheit in Afrika. «Nach der Schule gab es für mich und meine Kumpels nur Fussball, die Hausaufgaben mussten warten», erzählt er. Damals kickten sie in den Trikots von Matthäus, Ronaldo und Co. und träumten davon, ebenfalls einst in den grossen Ligen Europas zu spielen. Emeghara ist der Einzige, der es geschafft hat – zumindest bis in die Super League. Am Ziel angekommen ist er aber noch nicht. «Ich will noch ein paar Jahre in der Schweiz spie-len, um mich später für eine ausländische Liga zu empfehlen.» Und der Klassenerhalt mit GC? «Natürlich, das ist momentan alles, was zählt.»