Fussball

Schlägerei im Trainingslager: Klubpräsident soll Spieler angegriffen haben

Der FC Bellach verbrachte ein Trainingslager auf Gran Canaria. Doch dieses artete im Ausgang aus. Ein Spieler des Fussball-Zweitligisten Bellach behauptet, dass ihn der Präsident tätlich angegriffen hat. Alles nicht wahr, behauptet die Vereinsleitung

Sven Altermatt
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Wurde dieser Spieler des FC Bellach – hier trägt er für ein Spiel gar die Captainbinde – im Trainingslager verprügelt?

Wurde dieser Spieler des FC Bellach – hier trägt er für ein Spiel gar die Captainbinde – im Trainingslager verprügelt?

Hans Peter Schläfli

Zwei Wahrheiten gibt es in dieser Geschichte. Zwei Wahrheiten, die nicht zusammenpassen.

Da ist der junge Fussballspieler, nennen wir ihn Christian, der behauptet, er sei am Abend des 15. Februars im Trainingslager des FC Bellach auf Gran Canaria verprügelt worden – und zwar von einem der drei Klubpräsidenten und dessen Söhnen.

Da sind aber auch die Vereinsoffiziellen, die beteuern: Die Vorwürfe des Spielers stimmen so nicht. Der beschuldigte Präsident will nicht Stellung nehmen. Am Telefon sagt er gegenüber dieser Zeitung einzig: «Unser Trainingslager geht die Öffentlichkeit nichts an.»

Vorwürfe gegen Präsidenten

Der Reihe nach. Sonne, Spass – und klar, Sport: Viele Amateurvereine verbringen ihr Wintertrainingslager im Süden.

In Spanien etwa, so wie die erste Mannschaft des FC Bellach letzte Woche. Das Trainingslager des Zweitligisten auf Gran Canaria wird allerdings von einem unschönen Vorfall überschattet. Bereits am ersten Abend soll es im Ausgang zu einer Rauferei gekommen sein. Was passiert ist? Das lässt sich nur schwer rekonstruieren.

Fest steht: Die Stimmung war ausgelassen, auch Alkohol gab es reichlich. Fest steht auch: Der Spieler Christian hat sich am ersten Abend sein Handgelenk gebrochen.

Christian sagt, er habe sich in einer Bar mit dem Sohn des Präsidenten gestritten. Auch dieser kickt in der ersten Mannschaft. «Warum wir aneinandergeraten sind, kann ich mir auch nicht mehr so genau erklären.»

Zuerst hätten sie sich nur mit Worten gezofft. Dann habe der Sohn des Präsidenten angefangen, ihn zu würgen. Plötzlich sei der Präsident selbst aufgetaucht. «Er hat mir seine Faust ins Gesicht geschlagen», erinnert sich Christian. «Irgendwann bin ich zu Boden gefallen.»

Als er dort lag, hätten der Präsidentensohn und dessen Bruder – der auch noch dazugestossen sei – mit den Füssen auf ihn eingetreten.

«Schliesslich haben Sicherheitsleute eingegriffen», sagt Christian. Am nächsten Tag lässt er sich von einem Arzt untersuchen.

Befund: Bruch des Handgelenks. Dann fährt er mit zwei Teamkameraden an den Flughafen. Dort nimmt die Truppe den nächstbesten Flug in die Schweiz und kehrt nach Hause zurück.

«Den Präsidenten habe ich noch angerufen, er ging aber nicht ran», sagt Christian. Seine Schilderungen ähneln jenen aus einem anonymen Brief, den diese Zeitung gestern erhalten hat. Es gibt Hinweise, dass dieses Schreiben aus der Familie von Christian stammt. Das ist die eine Wahrheit.

Die Vereinsleitung widerspricht

Die andere Wahrheit schildert Tobias Gunzinger. Sie fällt ein wenig kürzer aus. Auch Gunziger ist Mitglied im dreiköpfigen Präsidium des FC Bellach.

«Ja», bestätigt er, «auf Gran Canaria gab es einen unschönen Vorfall.» Von einer Prügelei mag er nicht sprechen. Die Mannschaft sei erst am Wochenende aus Spanien zurückgekehrt, er selbst sei im Trainingslager nicht dabei gewesen.

«Wir müssen das Ganze nun aufarbeiten», sagt Gunzinger. Der FC Bellach hat eine Anwältin eingeschaltet. Gunziger erwähnt «handfeste Beweise», welche die Darstellungen von Spieler Christian widerlegen würden: «Wir haben die schriftlichen Aussagen von mehreren Spielern, die den Vorfall beobachtet haben. Dort schildern sie ihre Sicht der Dinge.»

Und diese zeige, dass die Anschuldigungen des mutmasslichen Prügelopfers nicht wahr seien. Ausserdem liege ein Schreiben des Besitzers der Bar vor, in dem der Vorfall passiert ist. «Auch damit lassen sich die Aussagen des Spielers widerlegen», erklärt Gunzinger.

Ein juristisches Nachspiel?

In der ersten Mannschaft des FC Bellach herrscht grosse Verunsicherung, wie es aus deren Umfeld heisst.

Wer hat recht? Wer lügt? Diese Frage stellen sich besonders jene Fussballer, die bei der Prügelei in der Bar nicht dabei waren.

Ein juristisches Nachspiel ist nicht ausgeschlossen: Fussballspieler Christian hat bei der Solothurner Polizei Anzeige gegen den Präsidenten und dessen Söhne eingereicht.

Weil sich der Vorfall in Spanien abgespielt hat, ist es allerdings fraglich, ob die hiesigen Behörden überhaupt Ermittlungen aufnehmen können.