Olympische Spiele

Steigen die Sommerspiele künftig in Städten wie Doha und Dubai?

Scheich Ahmad al-Fahad al-Sabah ist nicht nur Kandidat für die Nachfolge von Sepp Blatter als Fifa-Präsident. Auch im IOC ist der Kuwaiter bestens vernetzt. Sein Vater sorgte an der Fussball-WM 1982 für einen denkwürdigen Auftritt.

Raphael Biermayr
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Scheich Ahmad al Fahad al Sabah ist ein begnadeter Strippenzieher.

Scheich Ahmad al Fahad al Sabah ist ein begnadeter Strippenzieher.

HASAN SARBAKHSHIAN/Keystone

Scheich Ahmad al Fahad al Sabah trat kürzlich am Fifa-Kongress als Königsmacher in Erscheinung. Der 51-Jährige verhalf Sepp Blatter zur deutlichen Wiederwahl als Präsident, indem er gegen dessen jordanischen Kontrahenten Stimmung machte.

Es ist eine Rolle, die dem Kuwaiter liegt. Im September 2013 wurde der von ihm portierte Thomas Bach als Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) vereidigt.

Vier in doppelter Rolle

Fahad al Sabah ist einer von vier Doppelfunktionären in Fifa und IOC. Die drei weiteren sind Lydia Nsekera (48) aus Burundi, Issa Hayatou (68) aus Kamerun – und Sepp Blatter (79), als Fifa-Präsident von Amtes wegen seit dem Jahr 1999.

Für die Teilnahme am aktuellen Treffen in Lausanne liess er sich – wie auch der Scheich – entschuldigen. Blatters Stellvertreter im Weltfussballverband, Hayatou, sah sich mehrfach Korruptionsvorwürfen ausgesetzt.

Nachgewiesen werden konnte ihm die Annahme von Bestechungsgelder vom damaligen Fifa-Übertragungsrechte-Partner ISL im Jahr 1995. Vom IOC wurde er deshalb verwarnt, durfte aber seinen Sitz im Komitee behalten, den er seit 2001 innehat.

Herr über die Entwicklungs-Millionen

Von den genannten Akteuren geht nach der Rücktrittsankündigung Blatters in der Fifa von Scheich Ahmad am meisten Macht aus. Mit seinen 23 Amtsjahren gehört der mögliche Blatter-Nachfolger zwar bei weitem nicht zu den Dienstältesten unter den 101 stimmberechtigten IOC-Mitgliedern.

Doch der Kuwaiter steht unter anderem der sogenannten Solidaritätskommission vor. Die verwaltet einen mehrere hundert Millionen Franken schweren Fonds und entscheidet über die Vergabe von Entwicklungsgeldern.

Das Kontaktnetz des Scheichs ist riesig und reicht auch in die aufstrebenden Märkte nach Asien. Es dient ihm beim Stimmenfang für Wahlen sowie Vergaben von grossen Sportveranstaltungen, so auch für die umstrittene Fussball-WM 2022 in Katar. Korruptionsvorwürfe perlen an ihm ab.

Aus seinen Absichten macht der frühere Ölminister Kuwaits keinen Hehl. Nur zu gern würde er die Olympischen Sommerspiele 2024 oder 2028 in die Golfregion holen. Um Erstere hat sich Doha (Katar) bereits beworben, für Letztere hat Dubai sein Interesse bekundet.

Legendärer Auftritt des Vaters

Die Leidenschaft des Scheichs gehört gleichwohl dem Fussball. Auf diesem von Machtmenschen besonders durchsetzten Terrain hat er gelernt, dass nur Hinterzimmerdiplomatie und Gefälligkeiten zum Erfolg führen.

Sein Vater wählte hingegen noch deutlicher forschere Mittel, um seinen Willen durchzusetzen. Scheich Fahad Ahmad al-Jaber al-Sabah sorgte an der WM 1982 für eine der skurrilsten Szenen in der Fussballgeschichte.

In der 81. Minute der Vorrundenpartie gegen Kuwait erzielte Frankreich das Tor zum 4:1 gegen stillstehende Gegner: Die Abwehrspieler hatten auf einen Pfiff reagiert. Dieser war aber nicht vom sowjetischen Unparteiischen gekommen, der den Treffer folglich anerkannte – zu viel für den Scheich.

Er stürmte von der Tribüne auf den Platz und beorderte seine Spieler zum Zeichen des Protests in die Kabine. Nach einigen Minuten Unterbruch nahm der Schiedsrichter das Tor tatsächlich zurück.

Die Kuwaiter kehrten zurück, das Spiel lief weiter, Frankreich traf noch einmal und gewann 4:1. Diese Grümpelturnier-Komödie auf der Weltbühne blieb nicht ohne Folgen: Die Fifa sperrte den wankelmütigen Schiedsrichter für alle Zeiten.

Den Scheich büsste sie mit 25 000 Franken – für Mitglieder des auf Öl erbauten kuwaitischen Herrscherhauses ein Chilbibatzen.