Stolpert der Fifa-Chef über einen Privatflug aus Surinam?

Fussballverband gab ein Treffen in Genf als Grund für einen Charterflug an. Doch dieses gab es offenbar nicht.

Henry Habegger
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Gianni Infantino vor einer Pressekonferenz.

Gianni Infantino vor einer Pressekonferenz.

Bild: Jeffrey Arguedas / EPA

Gianni Infantino, der Präsident des Weltfussballverbands Fifa, ist berüchtigt für die Reisen, die er per Privatflugzeug zurücklegt. So flog er im April 2016 im Privatjet des Emirs von Katar zu einem der Treffen mit Bundesanwalt Michael Lauber nach Zürich. Zwar hatte die Fifa Linie gebucht, aber den Flug erwischte der Chef angeblich nicht.

Ein Jahr später griff er einmal mehr zur Luxusvariante. Wie die «Süddeutsche Zeitung» gestützt auf Fifa-internen Mailverkehr berichtet, befand sich Infantino mit drei Mitarbeitern auf einer Reise durch Länder in Nord- und Mittelamerika. Für den 11. April 2017 hatte die Fifa einen Rückflug von Surinam in die Schweiz gebucht.

Doch da gab es angeblich ein Problem: Die Fluggesellschaft KLM verschob den Flug um 24 Stunden. Infantinos Assistent Matthias Grafström mailte nach Zürich an den Compliance-Chef der Fifa, Tomas Vesel: «Um die Termine des Präsidenten heute in Surinam und morgen in Europa wahrnehmen zu können, haben wir alle Alternativen in Betracht gezogen, einschliesslich des Fluges in eine andere Stadt, um eine Verbindung nach Europa zu bekommen, aber es gibt keine andere Alternative, als ein Flugzeug zu chartern.» Das interne Reisebüro Fifa Travel prüfe, wie «wir heute Abend von Surinam aus fliegen können».

Kontrolleur Vesel gab sein Okay und fügte an: «Bitte seien Sie so nett und geben mir (in naher Zukunft) präzise Informationen über Ihre schon vereinbarten Termine in der Region und auch morgen zurück in Europa.»

Vesel forderte diese Erklärung ein, weil auch die Fifa mittlerweile Regeln kennt, um Spesen- und andere Exzesse zu unterbinden. Extraausgaben wie Privatflüge müssen begründet werden.

Tage später gab Infantinos Helfer Grafström die Begründung für den Flug durch, der einen sechsstelligen Betrag gekostet haben dürfte. «Die geplanten Treffen am 12. April in Genf waren folgende: 14 Uhr Treffen mit dem Uefa-Präsidenten in Nyon, gefolgt von einem weiteren Treffen in Genf.»

Also war Infantino per Privatflug von Surinam in die Schweiz geflogen, um am 12. April 2017 den Uefa-Präsidenten Aleksander Ceferin – Slowene wie Fifa-Kontrolleur Vesel – in Genf zu treffen.

Dumm nur: Ceferin war am 12. April nicht in Genf, sondern weit weg in Armeniens Hauptstadt Jerewan. Das geht aus Berichten etwa auf der Website der Uefa hervor.

Die Fifa reagierte nie auf den expliziten Vorwurf, dass das Treffen nicht stattfand und gar nie stattfinden konnte.

Eine Lüge könnte das Ende des Fifa-Chefs einläuten

Wenn der Termin bloss eine Erfindung war, könnte das Infantinos Ende als Fifa-Chef einläuten. Ex-Staatsanwalt Markus Mohler nennt ungetreue Geschäftsbesorgung oder Veruntreuung als mögliche Delikte. Strafrechtler Mark Pieth sagte der «Süddeutschen»: «Aus meiner Sicht müsste Fifa-intern die Ethikkommission ein Verfahren einleiten. Sie wird sich insbesondere auch mit der Frage beschäftigen müssen, ob die Fifa Infantino beurlauben sollte.»

Auch die Berner Staatsanwaltschaft prüft ein Strafverfahren. Weil Infantino Bundesanwalt Michael Lauber im «Schweizerhof» zu Delikten wie Amtsgeheimnisverletzung angestiftet haben könnte.