Cupfinal

Unterwegs mit Sion-Fans: «La coupe, c’est nous»

Nach dem Cupsieg gegen den FCB feiert das Wallis in Basel ein rot-weisses Volksfest. Denn für die Anhänger des FC Sion gibt es kein grösseres Ereignis als der alljährliche Cupfinal. Unterwegs mit einer verrückten Reisegruppe.

Nicola Imfeld
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Ein Klassentreffen der anderen Art: Sion-Fans vor dem Stadion.

Ein Klassentreffen der anderen Art: Sion-Fans vor dem Stadion.

Nicola Imfeld

Um 15.47 Uhr brechen im St. Jakob-Park alle Dämme. Der Sittener Cup-Mythos lebt. Tränen fliessen. Jeder wird umarmt. Der Stadionspeaker wird von den dutzenden Kuhglocken übertönt. «La coupe, c’est nous» singen die Sion-Fans.

«Der Cup gehört uns» singen die Walliser schon lange an diesem Tag. Es ist kurz vor 9 Uhr morgens. Am Bahnhof Basel treffen wir Robert. Wie immer, wenn der FC Sion im Cupfinal steht, trifft er sich mit früheren Schulkollegen aus dem Wallis für den gemeinsamen Matchbesuch. «Wir sind alle zusammen in Brig zur Schule gegangen», erzählt er. «Irgendwann hat sich der Cupfinaltag zu einer Art Klassentreffen entwickelt.»

Zehn Leute umfasst die Gruppe. Jene, die noch immer im Wallis wohnen, kommen mit dem ersten Zug um 10 Uhr an. «Wir sind um sechs Uhr aufgestanden», sagt Walter stolz, der in Sion lebt. Für seinen FC Sion mache er alles. «Der Cupfinal ist für die meisten Walliser das wichtigste Ereignis im Jahr. Ein ganzer Kanton feiert eine Party, das ist einmalig.»

Das Grüppchen zieht los in Richtung Barfüsserplatz. Auf dem Bahnhofplatz wird aber bereits wieder eine Pause eingelegt. «Wir Walliser reden halt gerne miteinander», sagt Urs, der aus Bern angereist ist. Mit reden meint er singen, das tun die Walliser viel an diesem wunderbaren Tag.

Die Walliser nehmen es gelassen

Doch das ganze grosse Volksfest auf den Strassen von Basel feiern die Sion-Fans heute nicht. «In Bern ist das jeweils anders, dort treffen sich alle am Bahnhof und gehen gemeinsam in die Innenstadt», erzählt Robert. Weil die Stadt Bern den Cupfinal in diesem Jahr nicht austragen wollte, sprang Basel ein. Und dort kommen die Extrazüge aus dem Wallis direkt beim Stadion an.

Kurz vor dem Barfüsserplatz fallen die ersten Sprüche von vorbeilaufenden FCB-Fans. Die Walliser nehmen es gelassen. «Am Ende lachen wir, das ist die Hauptsache», sagt Roman. Mittlerweile ist das Bier ausgegangen, Zeit, sich in einem der Strassenpubs vor dem Barfüsserplatz zu verpflegen. Das Promille-Messgerät stellt fest, dass die Gruppe im Durchschnitt 1,2 Promille intus hat. Es ist kurz vor zwölf.

Immer mehr Basler strömen nun an uns vorbei Richtung Barfi. Doch das stört die Truppe keineswegs. Es werden Sion-Lieder angestimmt. Die bösen Blicke der Basler Fans werden getrost ignoriert. «Ach», sagt Urs, «die schauen sich doch nur bei uns ab, wie man richtig feiert.»

Auch in der Gruppe ist der Schwager von Robert, ein Engländer: «Die Schweizer Liga interessiert mich nicht. Aber wenn Sion im Cupfinal ist, muss ich dabei sein. Das ist ein Volksfest.» Das letzte Bier wird in einem Schluck getrunken, es ist nun Zeit für den Weg zum Stadion.

Kein Schlappmachen am Finaltag

Dort treffen gerade die ersten Extrazüge aus dem Wallis ein. Ein rot-weisses Fahnen-Meer. Jetzt ist das Volksfest im Gange. Es wird gejohlt und getanzt. Guggenmusiker heizen der Menge gehörig ein. «Hol mir auch noch ein Bier», ruft Urs einem Walliser zu. Dieser kommt wenige Minuten später mit einem Gerstensaft in der Hand zurück.

Es ist kurz vor 13 Uhr. Der Alkoholpegel steigt. Die Truppe hat mittlerweile einen Mittelwert von zwei Promille erreicht. Die Sonne, Hitze und der geringe Wassergehalt müssten eigentlich schon längst ihre Spuren hinterlassen haben. Doch schlappmachen an einem Cupfinal? Nein, das komme für einen echten Walliser nicht infrage, brüllt Roman uns ins Ohr.

Während des Spiels wird weiter gesungen, gestampft und alles gemacht, was irgendwie Lärm erzeugt. Kurz vor 16 Uhr erlöst Schiedsrichter Nikolaj Hänni die Basler Fans. Von diesem Spiel, in dem sie im eigenen Stadion in Unterzahl waren. Für die Walliser Cupfinal-Gruppe beginnt der Feiermarathon. «Unglöublich, wir hei dä Titu», schluchzt Walter seinem Nachbarn ins Ohr.

Es ist der Beginn einer langen Nacht. Ob diese alle nach dem langen Tag mit viel Alkohol und wenig Wasser durchstehen? Sicher ist nur eines. Der Cup gehört ins Wallis.