Champions League

Wie kamen die Greenpeace-Aktivisten aufs Dach des Joggelis?

17 Greenpeace-Aktivisten kletterten gestern aufs Dach des St. Jakob-Park und enthüllten kurz nach Spielbeginn ein Prostest-Transparent. Doch: Wie kamen die Umweltaktivisten überhaupt aufs Stadiondach? Die Stadionbetreiberin hat Strafklage eingereicht

Benjamin Wieland
Drucken
Teilen

Grosses Stirnrunzeln am Tag nach dem Champions-League-Spiel in Basel: Greenpeace-Aktivisten hatten sich kurz nach Spielbeginn vom Dach der Haupttribüne abgeseilt und ein 28 Meter breites Protesttransparent entfaltet um gegen Schalke- und Uefa-Sponsor Gazprom und dessen Ölbohrungen in der Arktis zu protestieren.

Deutsche Helis überwachen Fans

Die drei Helikopter der Bundespolizei waren im Grenzgebiet Schweiz-Deutschland während des Spiels Basel gegen Schalke im Einsatz, «um den grenzüberschreitenden Fussball-Fanreiseverkehr zu überwachen und zu kontrollieren», wie es auf Nachfrage der bz heisst. Beim Einsatz arbeiteten die Schweizerische Grenzwache und die Bundespolizei zusammen. Ob die Helis dabei auch über Schweizer Territorium flogen, ist nicht klar. Insgesamt waren anlässlich der Spielbegegnung auf deutschem
und auf Schweizer Hoheitsgebiet 571 Beamtinnen und Beamte
der Bundespolizei im Einsatz, darunter alleine 423 Angehörige der Bundesbereitschaftspolizei. Dazu kamen elf Hunde.

Am Mittwoch versuchen die Verantwortlichen nun Licht ins Dunkel zu bringen. Für die Sicherheit zuständig ist noch bis 2014 die Stadionbetreiberin Basel United AG, dann geht der Betrieb an den FC Basel über.

«Es gibt nichts zu sagen.»

Die Frage, die sich alle stellen: Wie konnten die Aktivisten mit dem Mega-Transparent überhaupt aufs Dach gelangen? Die Vermutung: Sie kamen via Senorensiedlung Tertianum, die im Stadionmantel integriert ist. Der Sicherheitsdienst ist fürs Heim nicht zuständig.

Die Direktorin Cornelia Braun reagiert auf die Anfrage der bz reserviert: «Es gibt nichts zu sagen. Wir wissen nicht, wie diese Leute aufs Dach gekommen sind.» Das Dach gehöre nicht zum Tertianum, dieses sei im Mantelgebäude ab dem 3. Stockwerk bis zum Dach eingemietet, so Braun. Das Sicherheitskonzept des Tertianums werde nicht überarbeitet: «Wir warten die Ergebnisse der Ermittlungen der Staatsanwaltschaft ab.»

Heute Vormittag ging bei der Staatsanwaltschaft Basel-Stadt Anzeige gegen die 17 Aktivisten von Greenpeace ein, die für die Transparent-Aktion verantwortlich sind. Laut Sprecher Peter Gill lautet die Anzeige auf Hausfriedensbruch. Eingereicht hat sie Basel United. «Wir klären nun ab, wie die Personen auf das Dach des Stadions gelangt sind», sagte Gill gegenüber der «Nordwestschweiz».

FC Basel erwartet Busse

Sicherheitsangestellte von Basel United hatten die Aktivisten gestern kurz nach der Aktion angehalten. Sie übergaben sie der Kantonspolizei Basel-Stadt in Obhut. Diese nahm die Personalien auf, danach wurden die 17 Personen wieder entlassen.

Die wegen ihrer roten Anzüge und weissen Helme gut sichtbaren Aktivisten befanden sich bereits vor Anpfiff des Spiels auf dem Dach. Laut Augenzeugen sollen sich die vier Waghalsigen, die sich vom Dach abseilten, ebenfalls schon vor Anpfiff in der Luft befunden haben.

Unklar ist auch, was den FC Basel wegen der Aktion erwartet. Straffrei wird er bei der Uefa nicht davonkommen. Es droht eine saftige Busse. Der französische Uefa-Präsident Michel Platini, der neben dem Schweizer Nationaltrainer Ottmar Hitzfeld sass, hatte die Aktion kopfschüttelnd von der Ehrentribüne verfolgt. Der Schiedsrichter hat einen Sonderbericht zu Handen der Uefa abgeliefert.

Kurzer Polizeieinsatz

Die Polizei hielt zudem vor und während des Fussballspiels weitere zehn Personen fest, weil sie an Auseinandersetzungen beteiligt waren. Gegen Mitternacht überprüfte sie zudem gegen 40 Schalke-Anhänger, die sie zuvor über längere Zeit beobachtet hatte.

Vor dem Spiel hatte die Polizei vor dem Stadion in einem kurzen Einsatz Gummischrot und Reizstoff eingesetzt, um eine sich anbahnende Auseinandersetzung von Fan-Gruppen zu verhindern. Drei Personen brachte die Sanität danach ins Spital. Dem Einsatz vorausgegangen war ein von der Polizei begleiteter Marsch von rund 700 Schalke-Fans von der Basler Innenstadt zum Stadion.

Der FC Basel hat für heute Nachmittag, 16 Uhr, eine Medienkonferenz angekündigt. Dort werden Club-Präisdent Gerold Dünki und die Sicherheitsverantwortlichen über die Störaktion informieren.