Fussball
YB-Forte: «Schiedsrichter sollen Spiele leiten und nicht Spiele entscheiden»

YB-Trainer Uli Forte gibt dem österreichischen Schiedsrichter Alexander Harkam die Schuld für das 0:1 gegen den FC Zürich. «Ich verstehe das Experiment mit dem Schiedsrichter-Austausch zwischen der Schweiz und Österreich nicht», sagt er.

François Schmid-Bechtel, Bern
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«So gehts nicht», faucht Fredy Bickel in der Mixed-Zone den vierten Offiziellen Pascal Erlachner an. Dabei hatte Erlachner gar keinen Einfluss aufs Spiel. Doch Bickel schien das nicht zu kümmern. Und bevor er im Stechschritt aus dem Blickfeld der Journalisten flieht, tritt er noch kräftig gegen die nächste Tür und schreit: «Tami nomol.»

Etwa 20 Minuten später erscheint Uli Forte zur Pressekonferenz. Die Zeit hat nicht gereicht, um das Gemüt abzukühlen. «Die gelb-rote Karte gegen Alain Rochat war aus der Luft gegriffen», monierte der YB-Trainer. «Schiedsrichter sollen Spiele leiten und nicht Spiele entscheiden. Aber dieser Schiedsrichter hat das Spiel entschieden. Ich verstehe das Experiment mit dem Schiedsrichter-Austausch zwischen der Schweiz und Österreich nicht.»

Wobei Experiment der falsche Ausdruck ist. Schliesslich existiert der Austausch schon seit dem Jahr 2000.

Zwei Mal in Bern, vier Mal Rot

Der Mann, der am Tag der österreichischen Wahlen für atmosphärische Störungen zwischen Bern und Wien sorgt, heisst Alexander Harkam. Der 31-jährige Justizwachbeamte ist kein Unbekannter in Bern. Schon vor zwei Jahren hat er die Partie YB - FCZ (2:1) geleitet. Auch damals stellte er zwei Spieler vom Platz. Aber nicht wie am Sonntag je einen beider Teams. Sondern zwei Zürcher. Wobei hinterher niemand den Schiedsrichter-Austausch infrage stellte.

Alexander Harkam war alles andere als ein souveräner Spielleiter. Von den elf Verwarnungen sind mindestens fünf fragwürdig. Und bei den beiden Platzverweisen lag er völlig daneben.

Die erste Verwarnung gegen Alain Rochat (24.) nach einem Foul an Marco Schönbächler ging in Ordnung. Bei der zweiten übersah Harkam, dass Rochat (63.) im Duell mit Schönbächler den Ball spielte. Forte war derart ausser sich, dass er eine PET-Flasche wegschleuderte. Was ihm ebenfalls einen Platzverweis eintrug.

Für Forte war dies die matchentscheidende Szene. Auch wenn der FCZ nach einem Kopfballtreffer von Amine Chermiti zu diesem Zeitpunkt 1:0 in Führung lag.

Doch Forte erinnerte sich an die beiden besten Szenen seiner Mannschaft unmittelbar vor Rochats Ausschluss; als Gerndt (57.) mit einem Volley das Tor nicht traf und Zarate (62.) eine Flanke von Nuzzolo verpasste. Aber YB war nicht das YB der ersten fünf Runden, als es eine aufsehenerregende Siegesserie hingelegt hatte.

Bittere Niederlage

Die Young Boys waren zwar besser als am Dienstag beim 0:0 in St. Gallen – was nicht schwierig war. Gleichwohl sprach Forte von einer bitteren Niederlage, auch weil Steve von Bergen in der Nachspielzeit mit einem Kopfball nur die Latte traf. «Uns fehlt die Leichtigkeit der ersten fünf Runden.» Forte sagt dies nicht zum ersten Mal. Nichts untermauert diese Aussage besser als der Fakt, dass YB seit 290 Minuten keinen Treffer mehr erzielt hat.

Auch der FCZ zeigte gegenüber der letzten Partie (1:2 gegen Aarau) eine Leistungssteigerung – aber bloss in homöopathischer Dosis. Insbesondere in der Phase der Überzahl enttäuschte der FCZ. Statt die Schnelligkeit eines Pedro, Schönbächler und später auch Etoundi auszuspielen, wurde das Team von Urs Meier fortlaufend konfuser.

Was auch auf den Schiedsrichter zutrifft. Den Platzverweis gegen Davide Chiumiento (88.) war ein schlechter Witz. Es gab zwar ein kleines Gerangel zwischen YB-Verteidiger Bürki und einem FCZ-Spieler. Doch jener FCZ-Spieler war nicht Chiumiento, sondern Schönbächler. «Unglaublich», so Schönbächler. «Bürki fügt Chiumiento mit dem Ellbogen ein blaues Auge zu. Ich schubse Bürki leicht. Und Chiumiento sieht die rote Karte.»

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