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Die kindliche Freude des Olympiasiegers

Am Samstag startet Nevin Galmarini zum dritten Weltcuprennen der Saison. 2018 gewann der Engadiner Olympiagold und den Gesamtweltcup. Diese Saison verspürt er deswegen nicht mehr Druck – im Gegenteil.
Philipp Wolf, Davos
Der Olympiasieger will noch lange weiter fahren. (Bild: Ina Fassbender/KEY (Winterberg, 17. März 2018))

Der Olympiasieger will noch lange weiter fahren. (Bild: Ina Fassbender/KEY (Winterberg, 17. März 2018))

Im Schatten des Jakobshorns rast Nevin Galmarini den Hang hinunter. Unten angekommen flucht der 32-Jährige, wenn ihm etwas an seiner Trainingsperformance nicht passt. Die vergangenen Monate haben den Engadiner scheinbar kaum verändert. Ein Jahr nach seinen grossen Erfolgen – dem Gewinn Olympiagolds und des Gesamtweltcups – und ein halbes Jahr nach der Geburt seiner Zwillingssöhne trainiert Galmarini verbissen wie eh und je.

Für ihn habe sich nicht gross etwas geändert, sagt er diesen Mittwoch nach dem Training, auf die vergangenen zwölf Monate angesprochen. Die treibende Kraft hinter Galmarinis Trainingsefforts und Wettkampfleistungen ist nach wie vor die kindliche Freude am Sport, die er sich über all die Jahre bewahrt hat. Er schwärmt vom Snowboarden und dem Profidasein.

Wintersport schon immer omnipräsent

Snowboarden fand für Galmarini seit jeher auch ausserhalb der Slalomtore statt. Wenn es Pulver hat, fährt er Pulver, wenn es sulzig ist, fährt er im Funpark. In seiner Jugend nahm er auch an Veranstaltungen im Big Air, Slopestyle, und Snowboardcross teil; in letzterem schnitt Galmarini mit 18 Jahren an der Nachwuchs-WM gar besser ab als in den alpinen Disziplinen. Snowboardcross fasziniert ihn nach wie vor. Galmarini sagt:

«Ich wäre so gern ein guter Snowboardcrosser, aber nun bin ich eben ein guter alpiner Snowboarder»

Und wird diese Karriere einmal vorbei sein, hat Galmarini weitere Pläne, bei denen Brett und Schnee zentral sind. Er will in Alaska Freeriden. «Das mache ich fix, fix! Egal, wie viel es kostet».

Galmarini ist der Reiserei noch nicht müde

Bei Galmarinis Brettbesessenheit überrascht es wenig, dass er den Alltag als alpiner Snowboarder auch noch nach 13 Wintern voller Wettkämpfe und Reiserei geniesst. Er strahlt, als er den klassischen Ablauf bei einem Rennen im Ausland beschreibt. Anreise, Jetlag, Zurechtfinden am Austragungsort, Training, und schliesslich muss man liefern am Tag X. Das habe er nach dem Karrierenende nie wieder, dass so entschieden werde, ob man Leistung gebracht habe oder nicht. «Das ist so ein tolles Leben!», sagt Galmarini.

Man nimmt dem Olympiazweiten im Riesenslalom von Sotschi 2014 und Sieger von Pyeongchang 2018 ab, dass die Erfolge für ihn mehr Nebenprodukt als Hauptsache sind. Der Engadiner, der bis zu seinem 13. Lebensjahr in Herisau gelebt hat, legt im Training nach wie vor grosse Disziplin und Konsequenz an den Tag. «Es gefällt mir, verbissen zu sein», sagt er. Diese Einstellung ermögliche es ihm, sich in Details zu verbessern und Rennen zu gewinnen.

Von sich selber erwartet Galmarini spätestens seit dem Gewinn Olympiasilbers, in jedem Rennen vorne mitzufahren. Als er damals in Sotschi startete, befand er sich bereits in seiner neunten Saison; hatte zuvor aber noch kein einziges Weltcuprennen gewonnen. Es dauerte bis ins Jahr 2017, ehe Galmarini zum ersten Mal bei einem Weltcupanlass zuoberst auf dem Podest stand. Da fiel ein grosser Druck ab und er dachte sich:

«Ich habe Olympiasilber, einen Weltcupsieg. Wenn es das gewesen sein soll, kann ich jetzt schon sagen, dass ich eine super Karriere hatte.»

Heute steht fest: Nach dem ersten Weltcupsieg ging es erst richtig los.

Wegweisende Saison für die junge Familie

Nun bestreitet Galmarini seine erste Saison als Gejagter im Weltcup, aber auch als Familienvater. Letzteres beeinflusst ihn durchaus, Ersteres überhaupt nicht. Nach dem Sieg in Pyeongchang und im Gesamtweltcup im vergangenen Winter verspürt Galmarini nicht mehr Druck. Im Gegenteil, sagt er, er fühle sich lockerer und könne so schliesslich noch mehr Risiko gehen. Mit dieser Einstellung plant er an der WM Anfang Februar in Park City im Riesenslalom auf das Podest zu fahren. Vor zwei Jahren gewann Galmarini WM-Bronze, nun soll Silber oder Gold her.

Als Vater ist diese Saison für Galmarini ein Test, wie gut sich die junge Familie und die Reiserei im Winter vereinbaren lässt.Das werde die Länge seiner Karriere sicherlich beeinflussen. Geht es nach dem Engadiner, soll noch lange nicht Schluss sein: «So sehr ich die Kleinen vermisse, so sehr freue ich mich auf die Wettkämpfe.»

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