Gehasst, verstossen, bedroht – wie Ex-FCZ-Liebling Buff seinen Wechsel zu GC erklärt

Zürich ist weder Istanbul, noch Belgrad, Glasgow oder Buenos Aires. Aber auch in der grössten Schweizer Stadt sind sich Fans zweier Fussballklubs spinnefeind. Das bekommt in diesen Wochen Mittelfeldspieler Oliver Buff zu spüren.

Ralf Meile/watson.ch
Drucken
Teilen
Küsschen für die Fans: Oliver Buff bestritt 218 Pflichtspiele für den FC Zürich. (Bild: Keystone)

Küsschen für die Fans: Oliver Buff bestritt 218 Pflichtspiele für den FC Zürich. (Bild: Keystone)

Plötzlich bist du fremd in der eigenen Stadt. Wirst angefeindet von jenen, die dir jahrelang zugejubelt haben. Gehasst von jenen, für die du künftig die Knochen hin hältst. Und alles nur, weil du mit 27 Jahren noch lange nicht reif für das Karriereende warst. Sondern dasjenige Angebot angenommen hast, das du dann doch noch erhalten hast. Dasjenige, das vom historischen Erzrivalen stammt.

Das ist die Situation von Oliver Buff, der seit rund einem Monat bei GC unter Vertrag steht, dem ruhmreichen Rekordmeister in der Challenge League. Und der deshalb die versteckte Drohung erhielt, sich abends besser nicht mehr in der Stadt blicken zu lassen:

Nicht nur bei vielen FCZ-Fans ist Buff unten durch. Die Anhänger der Grasshoppers empfingen ihn alles andere als warm. Auf einem Spruchband schrieben sie beim Match in Schaffhausen: «Buff: 27 Jahr en Hueresohn».

Monatelang arbeitslos

2005 tritt Buff mit 13 Jahren dem Nachwuchs des FC Zürich bei. Bleibt beim Klub, wird 2009 U17-Weltmeister. Wird mit dem FCZ Vizemeister, steigt ab und wieder auf, gewinnt zwei Mal den Cup. Doch dann wird er 2017, so sagt er es, «verstossen», weil er die angebotene Vertragsverlängerung ausschlägt. Ihm sei die Türe zugeschlagen worden, sagt Buff im «Tages-Anzeiger», er habe deswegen mit dem FCZ abgeschlossen und der Klub mit ihm.

Nach längerem Schweigen hat sich Buff entschlossen, in der Zeitung seine Beweggründe für die Unterschrift beim grossen Rivalen zu erläutern. Nach zwei Auslandsstationen (Real Saragossa und Anorthosis Famagusta) wollte ihn kein Super-League-Team mehr und in der Challenge League wollte er eigentlich nicht spielen. Buff war arbeitslos, monatelang, begann bereits für die Zeit nach der Karriere zu planen. Und staunte, wie schnell sich «kein Schwein für einen interessiert».

Zypern verliess Buff im Streit um nicht bezahlte Löhne.

«Ich bin angewiesen auf einen Verein»

Endlich erhielt er eine Anfrage. Von GC. Ausgerechnet. Buff musste nicht lange überlegen. Er kannte Trainer Uli Forte aus gemeinsamen FCZ-Zeiten, auch Sportchef Fredy Bickel. Buff wusste, dass Forte auf ihn setzen würde. Und ihm war bewusst: Es gab kein anderes Angebot. Der NZZ sagte er: «Ich habe nie gedacht: Zu GC gehe ich sicher nicht. Ich respektiere die Fans und die Rivalität, die sie leben. Aber ich bin Fussballprofi. Ich bin angewiesen auf einen Verein.»

«Ich freue mich sehr, dass ich jetzt bei GC bin. Hopp GC!»

Also schlug er ein. Und die Fans liefen Sturm. Zur Drohung, er solle sich in Zürich nicht mehr im Ausgang blicken lassen, meint Buff, er gehe ohnehin nicht häufig weg. Und: «Auch diese Menschen werden einmal älter und besonnener.» Er könne diejenigen verstehen, die ihm den Wechsel übel nehmen. «Und doch können sie nicht von mir verlangen, dass ich meine Karriere aufs Spiel setze, nur aus Loyalität dem FCZ gegenüber, der mich nicht mehr wollte.» Auf seinen ersten Einsatz für GC wartet Oliver Buff noch.