Kolumne

Fussball funktioniert auch mit Geisterspielen

Keine Zuschauer und viele Spiele, die wegen Corona-Quarantänen verschoben werden müssen: Der Schweizer Profifussball hat es derzeit nicht leicht. Fussball-Experte Rolf Fringer glaubt dennoch, dass eine faire Meisterschaft möglich ist - wenn sich alle verantwortungsvoll verhalten.

Rolf Fringer
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Rolf Fringer, Fussball-Experte

Rolf Fringer, Fussball-Experte

Nun sind wir wieder so weit: Fussballspiele finden ohne Zuschauer statt. Selber habe ich Geisterspiele 2005 als Trainer von Paok Saloniki erlebt. Es ist ein fremdes Gefühl wie ein Training.

Der Unterschied zu heute: Geisterspiele sind normal geworden. Ich denke, für die Trainer macht es kaum einen Unterschied, ob mit oder ohne Zuschauer gespielt wird. Das Heimspiel spielst du immer noch in deinem Stadion, in deiner eigenen Umgebung.

Für die Spieler ist das etwas anders. Sie bekommen keine Energie von den Rängen weder positive noch negative. Sie müssen die notwendige Aggressivität selber entwickeln. Das ist in einem Umfeld, das schreit und tobt einfacher. Einige Spieler blühen aber in Geisterspielen regelrecht auf, sie spielen unbeschwerter. Betrachte ich die Geisterspiele dieses Jahres, konstatiere ich: Es funktioniert. Wir haben viele gute und intensive Spiele gesehen. Sie sind der Beweis, dass sich die Beteiligten schnell auf die neuen Bedingungen einstellen konnten.

Ein anderes Thema sind die Spielverschiebungen, die sich nun häufen. Sie verlangen von allen Involvierten enorme Flexibilität. Wichtig wäre angesichts der sich häufenden Quarantänefälle nun aber, dass sich wirklich alle Beteiligten verantwortungsvoll verhalten und auch mal verzichten – gerade im privaten Umfeld. Auch «normalen» Leuten geht es da schliesslich nicht anders.

Solange der Spielbetrieb läuft, sind solche Unterbrüche viel einfacher zu verkraften. Man hat immer ein Ziel. Ganz anders als im Frühling: Im Lockdown auf dem Balkon 1000 Bauchmuskelübungen machen müssen ohne Perspektive, das zehrt heftig an der mentalen Substanz.

Die Meisterschaft wird das nicht verfälschen. Am Ende setzt sich der Beste durch. Das ist auch dasjenige Team, das am besten mit der Situation umgehen kann. Nach dem Motto: «Wenn die Zukunft unklar ist, müssen wir zumindest die Gegenwart so gut wie möglich gestalten.» Wir werden also trotz Corona wie letzte Saison einen verdienten Meister sehen. Die Super-League-Klubs haben gezeigt, dass sie die Situation meistern können. Das ist nicht das Problem. Dieses liegt klar in der wirtschaftlichen Situation.