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Servette: Genfer Talenterosion

Die Nachwuchsabteilung von Servette, am Samstag (17.30, Genf) Cup-Gegner des FC Luzern, ist so gut, dass der Klub um den Schweizer-Meister-Titel mitspielen könnte. Doch die Perspektivlosigkeit schlägt die Begabung massenweise in die Flucht.
Nicola Berger
Einst Servette-Junioren, heute Nationalspieler: Kevin Mbabu hilft Denis Zakaria auf. (Bild: Toto Marti/Freshfocus (St. Gallen, 7. September 2018))

Einst Servette-Junioren, heute Nationalspieler: Kevin Mbabu hilft Denis Zakaria auf. (Bild: Toto Marti/Freshfocus (St. Gallen, 7. September 2018))

Am 29. August war es mal wieder so weit: Der Servette FC verlor ein Juwel. Alexandre Jankewitz, U17-Nationalspieler, schloss sich dem FC Southampton an. Servette brachte der Transfer gegen zwei Millionen Franken ein, viel Geld für einen Spieler ohne jegliche Profierfahrung. Aber gemessen am Potenzial des zentralen Mittelfeldspielers: nichts. Schon beim Schweizer Nationalspieler Denis Zakaria musste Servette mit ansehen, wie sich die Young Boys an ihm eine goldene Nase verdienten. Zakaria war 2015 für knapp 500000 Franken von Genf nach Bern gewechselt. Zwei Jahre später kostete er Borussia Mönchengladbach 14 Millionen. Für Servette, den Ausbildungsklub, blieben nur Krümel übrig.

Durch die Abgänge seiner besten Talente akzentuiert sich für Servette ein grundsätzliches Problem. Der Klub stellt die vielleicht beste Nachwuchsabteilung der Schweiz, sie produziert regelmässig mehr Juniorennationalspieler als der FC Basel, aber Servette kann seinen Begabungen keine Perspektive bieten.

Verein lebt von der Geschichte

Der Klub lebt von seiner ruhmvollen Historie, dem klangvollen Namen, den 17 Meistertiteln. Aber die Realität ist eine andere. Seit 2005/06 hat Servette zwei von 13 Spielzeiten in der Super League bestritten. Aktuell klebt der Verein im Mittelfeld der Challenge League fest, einer Liga voller Agonie, die nicht zum Schaufenster taugt. Hinzu kommt eine gewisse Unbedarftheit des Managements. Es hatte etwas Rührendes, als das Management verkündete, die Trainings der Nachwuchsteams würden nun von privaten Sicherheitsmitarbeitern bewacht, damit die Agenten die Talente nicht auf dem Weg in die Kabine abgreifen können. Es bleibt das Geheimnis des Generaldirektors Constantin Georges, was diese Massnahme angesichts der Kommunikationsmöglichkeiten im Jahr 2018 bewirken soll.

Der Mann, der den Klub zurück auf die Erfolgsspur hätte führen sollen, steht am Samstag auf der Seitenlinie des Gegners in diesem Cup-Sechzehntelfinal: Es ist der FCL-Trainer René Weiler. Weiler verhandelte mit Servette über eine Anstellung als Sportchef, sagte dann jedoch irritiert ab, als die Verantwortlichen über Nacht alle Parameter änderten und ihn nicht nur als Manager, sondern gleichzeitig auch als Trainer verpflichten wollten – zu gleichen Bezügen. Weilers Absage war das Glück von Alain Geiger, einem Coach, den niemand mehr auf der Rechnung hatte. Auch die Verantwortlichen in Genf nicht – Geiger bewarb sich schon im Februar als Coach, erhielt aber nie eine Antwort. Im Mai fragte er telefonisch nach. Eine Woche später hatte er den Job, was vermutlich auch etwas über die Hoffnungslosigkeit dieser Trainersuche aussagt. Unter anderem sagten Uli Forte und Fabio Celestini ab. Einen Sportchef hat Servette auch sieben Monate nach dem Start der Personalsuche nicht engagiert.

Servette hat das höhere Budget als der FC Luzern

Und doch gibt es Hoffnung. Der Präsident Didier Fischer, dessen «Fondation 1890» auch den Eishockey-Club Genf/Servette kontrolliert, hat den Verein stabilisiert. Die Stiftung des verstorbenen Rolex-Gründers Hans Wilsdorf sichert die Finanzierung, das Budget für die erste Mannschaft beträgt stattliche 5,5 Millionen Franken – es ist mehr, als der FC Luzern in sein Team investiert. Auf dem Transfermarkt war Servette im Sommer sehr aktiv, unter anderem wurde der Abwehrchef Steve Rouiller (Lugano) und der holländische Stürmer Alex Schalk (Ross County, 2017/18 elf Tore in der Schottischen Premiership) verpflichtet. Mit dem ausgeliehenen und bisher bitter enttäuschenden Daniel Follonier, dem Torhüter Joël Kiassumbua und dem ausser Rang und Traktanden gefallenen Innenverteidiger Sally Sarr stehen zudem drei Profis mit FCL-Vergangenheit im Kader.

Nach dem Totalversagen im Vorjahr – 21 Punkte Rückstand auf Aufsteiger Xamax trotz deutlich höherem Budget – muss das Ziel erneut Aufstieg heissen. Doch der Saisonauftakt gelang nicht nach Wunsch, in den ersten sechs Spielen sammelte das mental zerbrechliche Team neun Punkte. Der FCL sollte dennoch gewarnt sein. Der dribbelstarke bosnische Rechtsaussen Miroslav Stevanovic ist eine Perle. Und an guten Tagen ist für die Stimmungsmannschaft Servette ein Exploit möglich. Auch wenn der Verein Jahr für Jahr seine besten Talente an die Konkurrenz verliert.

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