Geräteturner Mario Meier vom BTV Luzern taucht in eine völlig neue Welt ein

Geräteturner Mario Meier vom BTV Luzern war mit dem Cirque du Soleil unterwegs.

Theres Bühlmann
Drucken
Teilen
Mario Meier beim Aufwärmen im Backstage-Bereich des Cirque du Soleil.

Mario Meier beim Aufwärmen im Backstage-Bereich des Cirque du Soleil.

Bild: PD

Der Cirque du Soleil ist bei Turnerinnen und Turnern ein Begriff. Viele hegen den Wunsch, einmal mit dem kanadischen Unternehmen auf Tournee zu gehen. Eintauchen in die Welt von Artistik, Tanz und Spektakel. Einer, der dies schaffte, ist der 34-jährige Geräteturner Mario Meier vom BTV Luzern. «Für mich ging ein Traum in Erfüllung», sagte er. Vom September bis Mitte März war er Mitglied der Produktion «Volta», eines der Cirque-du-Soleil-Showprogramme, das rund 35 Artisten und eben so viel technisches Personal umfasst, und stand dort als Schaukelring-Artist auf der Bühne. Bereits 2015 meldete er sich zu einem Casting in Belp an, bei dem Talentscouts Schaukelring-Turner suchten. Verlangt wurden nicht nur gerätespezifische Elemente, sondern auch tänzerisches und schauspielerisches Können.

Zu einem Engagement kam es damals noch nicht, sein Name blieb aber in der Datenbank aufgelistet. Weil sich ein Turner verletzte, bekam er eine Anfrage – und sagte zu. Im September packte Mario Meier, der in Luzern aufwuchs, seit vier Jahren in Kerns wohnt, seine Koffer und flog ins Hauptquartier nach Montreal, um drei Wochen jeden Tag zu trainieren.

Zwei Stunden für das perfekte Make-up

Nicht nur bunte Kostüme und verwegene Artistik sind das Markenzeichen des Cirque du Soleil, auch ausgefallene Make-ups. Auch das musste Mario Meier lernen. «Zu Beginn brauchte ich etwa zwei Stunden, bis ich mich geschminkt hatte, am Ende schaffte ich es in 20 Minuten.» Dann ging es nach Atlanta und Los Angeles, zu den langersehnten Auftritten. Pro Woche wurden zehn bis zwölf Shows absolviert, vor jeweils 2000 Zuschauern. Das Programm «Volta» handelt von einer Entdeckungsreise, um sich selbst zu finden, bei welcher der Games-Show-Kandidat Waz im Mittelpunkt steht. Mit seinen blauen Haaren wird er häufig ausgelacht, schämt sich, weil er anders ist, muss Kräfte mobilisieren, um sich treu zu bleiben und seinen Stolz zu bewahren.

Mario Meier versah nicht nur seine Parts an den Schaukelringen, sondern wurde auch in verschiedenen Szenen als Statist eingesetzt. Beim Abräumen von Turnmatten zum Beispiel oder als eine der Personen, die ständig mit dem Smartphone in der Hand herumlaufen. Diese Sequenzen wurden mit Mimik umgesetzt, und da war auch schauspielerisches Talent gefragt.

«Am Ende jeder Vorstellung gab es immer Standing Ovations, ein unglaubliches Gefühl», so Mario Meier und schiebt nach: «Man taucht in eine völlig neue Welt ein und es ist auch toll, wenn man als Geräteturner mit seinem Hobby Geld verdienen kann.» Turnen ist seit seiner Kindheit die grosse Leidenschaft. Im Alter von fünf Jahren begann er als Kunstturner, schaffte es bis zur höchsten Stufe P6 und wechselte vor 10 Jahren zum Geräteturnen. Er gehört unter anderem jenen Equipen des BTV Luzern an, die an den Schaukelringen und am Sprung seit Jahren für Schweizer-Meister-Titel sorgen. Bei letzterer führte er als technischer Verantwortlicher dieses Team mehrmals zu Medaillen und betätigt sich auch als J+S-Leiter und -Experte im Fach Geräteturnen.

Sein Engagement beim Cirque du Soleil wäre im Januar beendet gewesen, doch er hatte die Möglichkeit zu verlängern – was er tat. Nur für fünf Tage kehrte er in die Schweiz zurück. «Nach dem Leben in den Grossstädten war es schön, wieder Seen und Berge zu sehen». Zurück in Amerika gab es noch weitere Vorstellungen, doch Mitte März wurden die Shows wegen des Coronavirus abgesagt, und er trat die Heimreise an.

Online-Heimtraining und per Skype

Mario Meier ist Sportlehrer und macht seit einem halben Jahr die Zusatzausbildung zum Klassenlehrer Sekundarschule an der PH in Luzern, ist zurzeit im Homeoffice tätig und versucht sich in Form zu halten. Sportstätten sind geschlossen und Turnwettkämpfe bis Ende Juni abgesagt. Kreativität ist gefragt, denn im Herbst stehen mit den Schweizer Meisterschaften im Geräte- und Vereinsturnen einige Höhepunkte auf dem Programm.

«Einfach ist die momentane Situation nicht», sagte er, «man kann aber einiges machen.» Die BTV-Turnerinnen und Turner zum Beispiel können sich online einloggen, und erhalten so Heimtrainings. Mit seiner Turnerinnen-Gruppe der Getu Obwalden führt Meier solche per Skype durch. Spagat und Krafttrainings im Wohnzimmer oder ein Handstand im Garten sind möglich, nur mit den schwierigen Elementen wie Salti oder Flugteile wird es etwas kritischer. «Dies sollte aber kein grosses Problem darstellen», meint er: «Wenn die körperlich Form und der Muskelaufbau stimmen, kann man einen Rückstand im technischen Bereich später wieder aufholen.»