Interview

Géraldine Ruckstuhl ging in Selbstquarantäne – und hofft auf die EM in Paris

Die Luzerner Siebenkämpferin Géraldine Ruckstuhl (22) ging wegen des Coronavirus für fünf Tage in Selbstquarantäne.

Turi Bucher
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Vor rund fünf Wochen ist Géraldine Ruckstuhl, die Schweizer Meisterin im Siebenkampf aus Altbüron, 22-jährig geworden. Wenige Tage später begann die Coronawelle durch die Schweiz zu rollen.

Géraldine Ruckstuhl.

Géraldine Ruckstuhl.

Eveline Beerkircher

Der Virus veränderte auch den Alltag der Leichtathletin aus dem Luzerner Hinterland. Unterdessen ist sie ins Schweizer Sportzentrum in Magglingen gereist – um schon zwei Tage später wieder zurück nach Altbüron zu fahren.

Wie hat Ihr Alltag daheim in Altbüron seit dem Ausbruch des Coronavirus ausgesehen?

Géraldine Ruckstuhl: Ich habe jeden Abend mit meinen Trainern telefoniert, um den nächsten Trainingstag zu planen. Entweder habe ich in meinem Kraftraum daheim im Keller trainiert, oder dann auf einer Landstrasse oder auch im Wald. Es war für mich aber auch schön, wieder einmal so viel Zeit mit der Familie zu verbringen. Das kenne ich normalerweise nicht.

Was genau können sie als Siebenkämpferin zur Zeit überhaupt trainieren?

Ich musste vor meiner Abreise am letzten Mittwoch ins Nationale Sportzentrum in Magglingen viel improvisieren und kreativ sein. Ich habe viel für meine Ausdauer und auch meine Schnelligkeit getan, ausserdem für die Kraft. Weniger für die Technik, da dies kaum möglich war.

Haben Sie nebenher noch als kaufmännische Angestellte gearbeitet?

Seit dem Freitag, 20. März, war ich in Selbstquarantäne und habe das Haus nicht mehr verlassen.

Auf welchen Wettkampf hin trainieren Sie überhaupt? Es ist aktuell ja alles verschoben und abgesagt worden.

Die Europameisterschaften in Paris von Ende August sind bis jetzt noch nicht abgesagt. Dieser Wettkampf wird voraussichtlich mein Highlight der Leichtathletiksaison 2020 sein.

Was halten Sie vom Beschluss, die Olympischen Spiele von Tokio um ein Jahr zu verschieben?

Dieser Entscheid ist der einzig richtige und sinnvolle. Unter den aktuellen Voraussetzungen wäre eine faire und würdige Vorbereitung nicht möglich gewesen. Ebenso die Qualifikation von fast der Hälfte der Athletinnen und Athleten, die an den Olympischen Spielen in Tokio teilnehmen können. Ich habe mich sehr gefreut auf diese Olympischen Spiele – aber jetzt müssen wir wirklich zuerst das Coronaproblem lösen.

Wieso haben Sie sich dazu entschieden, in Magglingen zu trainieren?

Ich habe lange für diesen Entscheid gebraucht. Im Moment sind alle Leichtathletikanlagen im Land gesperrt. Unter diesen Umständen kann man vielleicht ein bis zwei Wochen ­trainieren. Da die besondere Situation aber sicher noch ­länger anhalten und der Virus uns weiter beschäftigen wird, habe ich mich in Absprache mit meinen Trainern zum Schritt nach Magglingen entschieden. Ich musste mich deshalb vorher fünf Tage lang in Selbstqua­rantäne begeben. Ausserdem bin ich im Besitz einer Swiss-Olympic-Karte der Elite, nur so konnte ein Sportler nach Magglingen.

Unterdessen hat aber das Bundesamt für Sport in Absprache mit Swiss Olympic entschieden, den Trainingsbetrieb in Magglingen wieder einzustellen.

Ich ging davon aus, sicher dreieinhalb Wochen in Magglingen zu sein. Wir wurden am Freitagmorgen über die Schliessung des Trainingszentrums informiert, am Freitagabend bin ich dann schon wieder von Magglingen abgereist. Nun bin ich wieder in Altbüron und trainiere in meinem Kraftraum. Ich muss mich jetzt mit meinen Trainern beraten und schauen, wo es überhaupt noch Trainingsmöglichkeiten gibt.

Wie erleben Sie die Coronazeit persönlich, unabhängig vom Sport?

Als herausfordernd und schwierig. Mir fehlen vor allem die sozialen Kontakte. Trotzdem sehe ich diese Zeit als Chance für unsere Gesellschaft. Jetzt erleben und spüren wir alle, dass nicht alles selbstverständlich ist. Alle sollen sich an die Massnahmen und Vorschriften halten, um so die Verbreitung des Virus einzuschränken. Denn unsere Gesundheit ist das wichtigste Gut, das wir haben.