BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke attackiert die eigene Mannschaft forsch: «Reisst euch zusammen»

Ausgerechnet im Auswärtsspiel in der Champions League gegen den FC Barcelona spielt Dortmunds Trainer Lucien Favre um seinen Job. Barcelona ist allerdings 34 Champions-League-Heimspielen unbesiegt und viele Dortmunder sind weit von ihrer Bestform entfernt.

Markus Brütsch
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Unter Druck: Lucien Favre, Trainer Borussia Dortmund (Bild: Keystone).

Unter Druck: Lucien Favre, Trainer Borussia Dortmund (Bild: Keystone).

Der FC Bayern, Juventus Turin und Paris Saint-Germain – es sind grosse Namen von Klubs, die sich in der Champions League schon vor dem fünften Spieltag für die Achtelfinals qualifiziert haben. Ihnen werden in diesen Tagen Real Madrid, Manchester City, Liverpool und – vielleicht – Barcelona folgen.

«Als beste Mannschaft der Welt muss es unser Anspruch sein, Dortmund zu schlagen.»

Oder Dortmund, falls es im Camp Nou gewinnt. Der Auftritt der Borussia interessiert in dieser Königsklassenwoche aus Schweizer Sicht am meisten. Trainer Lucien Favre, Torhüter Roman Bürki und Innenverteidiger Manuel Akanji stehen mit den Gelb-Schwarzen beim Leader der Gruppe F vor einer Herkulesaufgabe. Für Ersteren geht es gar um den Job. Die Spanier führen das Klassement mit einem Punkt Vorsprung auf Dortmund und vier Zählern auf Inter Mailand an. «Wir haben nur den Sieg im Kopf, denn wir wissen, dass wir Gruppenerster sind, wenn wir Dortmund schlagen», sagt Barcelonas Stürmer Luis Suarez. «Das muss als beste Mannschaft der Welt aber auch unser Anspruch sein.»

Jubelt Luis Suarez auch gegen Borussia Dortmund? (Bild: Keystone)

Jubelt Luis Suarez auch gegen Borussia Dortmund? (Bild: Keystone)

Seit 34 Heimspielen ohne Niederlage

Es gibt für einen Trainer gewiss einfachere Destinationen als die katalanische Hauptstadt, um seinen Kopf zu retten. Der
FC Barcelona hat von den letzten 14 Heimspielen gegen deutsche Klubs 13 gewonnen und ist in der Champions League zu Hause bei 30 Siegen seit 34 Partien unbesiegt. Ausgerechnet hier die Trendwende zu schaffen, muss sich für die Deutschen wie eine Mission impossible anfühlen. Selbst wenn Barcelona derzeit auch nicht in der Hochblüte seines Schaffens steht.

Zwar hat die Klubführung des BVB nach dem beschämenden 3:3 gegen Schlusslicht Paderborn am Wochenende erklärt, dass Favre sicher auch am Samstag im Bundesligaspiel bei Hertha BSC noch auf der Dortmunder Trainerbank sitzen werde. Doch eine Klatsche in der Grössenordnung eines 0:4 wie beim FC Bayern vor zweieinhalb Wochen würde das Fass möglicherweise schon vorher zum Überlaufen bringen – und Favre die Entlassung.

Favre - hier nach der 0:4-Klatsche in München - muss um seinen Job bangen. (Bild: Keystone)

Favre - hier nach der 0:4-Klatsche in München - muss um seinen Job bangen. (Bild: Keystone)

Der 62-Jährige, bei seiner Ankunft vor anderthalb Jahren als der grosse Heilsbringer gefeiert, ist in Dortmund schwer angezählt und eigentlich nur noch ein Trainer auf Bewährung. Vielleicht auch bloss deshalb noch im Amt, weil der BVB nicht auch intern einen Nachfolger aus dem Hut zaubern kann, wie es Bayern mit Hansi Flick für Niko Kovac tun konnte.

Beim BVB ist Eigenmotivation keine Selbstverständlichkeit

Von aussen betrachtet scheint es, als sei Favre zu nett für diese Mannschaft. Zwar hat er den pubertierenden Jungstar Jadon Sancho einmal wegen eines zu späten Einrückens aus dem Aufgebot gestrichen und in München noch vor der Pause ausgewechselt, doch kapiert hat der Engländer die Botschaft offenbar nicht. Wie es überhaupt der Mannschaft an der nötigen Einstellung fehlt. Möglicherweise ist der exzellente Fachmann Favre ein Trainer, der selbst gestandenen Profis im Umgang mit dem Ball noch etwas beibringen kann, es aber nicht schafft, ihnen Dampf zu machen. Weil es für ihn eine Selbstverständlichkeit ist, dass diese Stars über genügend Eigenmotivation verfügen und keinen Einpeitscher brauchen. Eine Zeitung schrieb: «Vielleicht sollte er aufhören, der liebe Monsieur Favre zu sein.»

Jadon Sancho steht in der Kritik, weil er eine professionelle Einstellung teilweise vermissen lässt. (Bild: Keystone)

Jadon Sancho steht in der Kritik, weil er eine professionelle Einstellung teilweise vermissen lässt. (Bild: Keystone)

Unter anderem sucht auch Akanji seine Form

Für Favre muss dabei vor allem das Verhalten von Marco Reus eine Enttäuschung sein. Mutig hatte er seinen Lieblingsspieler aus Gladbacher Zeiten zum Captain ernannt, doch zurück kommt nichts. Reus lässt die Führungsqualitäten vermissen. Zwar stellt er sich nach den Spielen hin und sagt, sie hätten einen Sch... gespielt, und so etwas dürfe nie mehr vorkommen, aber selber geht er nicht mit Taten voran, sondern weicht vielmehr den Zweikämpfen aus.

Von Favre zum Captain gehievt, vorbildliche Leistungen fehlen bei Marco Reus aber. (Bild: Keystone)

Von Favre zum Captain gehievt, vorbildliche Leistungen fehlen bei Marco Reus aber. (Bild: Keystone)

Reus zum alleinigen Sündenbock zu stempeln, wäre indes falsch. Die Liste der Versager ist lang und umfasst Namen wie Thorgan Hazard und Julian Brandt. Aber auch Akanji und Axel Witsel sind von der Rolle.

Geht es nach Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke, ist die Sache aber simpel. An der Mitgliederversammlung hat er den verhätschelten Profis zugerufen: «Reisst euch zusammen.»