Volley Luzern hat geschwächelt, getrotzt, gewonnen

Wichtige Punkte im Kampf um Rang 4: Luzerns NLA-Team bezwingt den Tabellenzweiten Schönenwerd mit 3:2.

Roland Bucher
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Volley Luzerns Tim Köpfli (links) im Spiel gegen Volley Schönenwerd.

Volley Luzerns Tim Köpfli (links) im Spiel gegen Volley Schönenwerd.

Philipp Schmidli (Luzern, 11. Januar 2020)

Als Luzern nach weit über zwei Stunden Spielzeit die ersten Matchbälle servierte, erhob sich die Fangemeinde schon fast ehrfürchtig: es war das Dankeschön an ein Team, welches Nehmerqualitäten, Stolz, Charakter gezeigt hatte. Schliesslich war es nach 129 aufregenden Minuten Mathis Jucker, der nach einigen Anläufen den erlösenden Aufschlag zum 16:14 im entscheidenden fünften Satz platzierte. Hinter diesem Gewinnservice steckt eine kleine Geschichte: Jucker, 22 Jahre jung, indes in wichtigen Situationen schon mit der Reife eines Routiniers auftretend, hatte seine Volley-Grundausbildung… ausgerechnet bei Schönenwerd erlebt. Der Passeur setzte nach einer weil von zu viel Fehlern behafteten Partie nicht hochklassigen, aber intensiven, spannenden Partie das Tüpfchen aufs i. Zementiert aber hatte den Sieg, der zwei wichtige Punkte im Kampf um Rang 4 einträgt, ein anderer: Tim Köpfli, mit 24 Jahren ebenfalls der jungen Garde zuzuordnen, war die auffälligste Figur auf dem Platz. Heftig im Anschlag, stark am Block, konsequent bei Gewinnschlägen.

«Einfach nichts als gut»

Gut hatte es für die Luzerner nicht begonnen, der erste Satz war zum Vergessen, der dritte nicht viel besser. 1:2 lag man zurück, aber kein Problem, kein Zaudern: „Wenn wir etwas beherrschen“, brachte es Liam Sketcher, der Coach, auf den Punkt, „dann ist es der unbändige Wille zum Kampf, uns aus scheinbar ausweglosen Situationen herauszuwinden.“ Stolz, Charakter habe seine Mannschaft bewiesen, in entscheidenden Momenten auch Nervenkraft: „Wir sind auf gutem Weg. Dieser beiden Punkte bringen uns Rang 4 wesentlich näher.“ Josef Wicki, Luzerns Teamgeneral, bilanzierte noch eine Spur euphorischer: „Das war gut, einfach nichts als gut. Dieser Sieg ist im Hinblick auf den Qualifikations-Endspurt von enormer Bedeutung.“

Dass Luzern nach verschlafenem Satz eins überhaupt ins Spiel zurückfand, das hatte seinen Grund einerseits in der Tatsache, dass Schönenwerd mit dem ex-Luzerner Luca Ulrich sich seiner Sache plötzlich zu sicher schien. Zum Beispiel die in der Startphase der Partie überragende Blockarbeit zu vernachlässigen begann: Liam Sketchers Truppe riss immer stürmischer Löcher in dieses Bollwerk, Zulieferer und Smasher wurden in ihrer Arbeit exakter, erfolgreicher. „Wir haben uns nach Satz eins gesagt: wir können das einfach besser“, erzählte Tim Köpfli, der, das komplettiert die eingangs erwähnte „kleine Geschichte“, ebenfalls ein Ur-Schönenwerder ist, „und plötzlich haben wir gespürt: da liegt etwas drin.“

Am Schluss wurde das, was sehr zäh begonnen hatte und auch in der Folge viel Biederkeit beinhalte, doch noch zu einer saloppen Volley-Party. Dank Jucker und Köpfli als Protagonisten, dank einem Teamverbund, welches die Ärmel hocgkrempelte, diesen Sieg nicht nur anstrebte, sondern um alles in dieser Welt wollte. Aus diesem Holz sind Mannschaften, die in dieser Saison „Grosses leisten“ wollen (Köpfli) gescnnitzt.

Volley Luzern – Schönenwerd 3:2 (17:25, 30:28, 18:25, 25:22, 16:14)

Sporthalle Bahnhof – 200 Zuschauer – SR: Hefti, Demmel. – Spieldauer: 129 Minuten. – Luzern: Gautschi (Libero), Widmer, Amstutz, Köpfli, Fort, Jucker, Pereziic, Hepburn, Buivids.