Gleitschirmfliegen
Beeindruckender Gleitschirmpilot: Rekordsieger Chrigel Maurer fliegt an den X-Alps 1238 Kilometer über die Berge

Chrigel Maurer ist der beste Gleitschirmpilot der Welt. Der sechsfache Sieger startet morgen zur X-Alps.

Raphael Gutzwiller
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Er hat seinen Gleitschirm im Griff: Chirgel Maurer fliegt bei den X-Alps durch die Berge.

Er hat seinen Gleitschirm im Griff: Chirgel Maurer fliegt bei den X-Alps durch die Berge.

Bild: Red Bull (Goldeck, 3. Juli 2017)

Von Salzburg über den Mont Blanc und wieder zurück: Es ist ein Extremprogramm, das Teilnehmer an den X-Alps zurücklegen müssen: 1238 Kilometer Luftlinie. Lässt das Wetter es zu, fliegen sie. Sonst gehen sie zu Fuss. Derjenige, der in den letzten Jahren bei diesem Event die richtige Mischung fand, ist Chrigel Maurer. Die letzten sechs Austragung des alle zwei Jahren stattfindenden Rennen hat er allesamt gewonnen. Auch bei der diesjährigen Austragung ist er wieder der Favorit.

Die Route der diesjährigen X-Alps.

Die Route der diesjährigen X-Alps.

Bild: Red Bull

Maurer, 38-jährig aus Adelboden, hat sich dem Fliegen verschrieben. Dazu kommt die Begeisterung dafür, aussergewöhnliches schaffen zu wollen. «Die X-Alps sind für mich etwas spezielles. Darauf bereitet man sich monatelang vor, man geht an seine Grenzen», sagt er. Seinen besten Auftritt hat er 2013, als er die Rekordzeit von 6 Tagen, 23 Stunden und 40 Minuten aufstellt. «Damals lief alles perfekt. Eigentlich hätte ich danach aufhören müssen. Aber dann überlegte ich mir, dass es zwar neben dem Gleitschirmfliegen viel anderes gibt. Aber nichts, das mir so viel gibt.» Ein bisschen Adrenalin ist dann schon immer dabei.

Blick auf die Uhr: Wie schnell soll Maurer gehen?

Blick auf die Uhr: Wie schnell soll Maurer gehen?

Bild: Red Bull

Schon früh fand Maurer zu seiner Leidenschaft für das Fliegen. Als Kind faszinierten ihn die Gleitschirme am Himmel, mit neun flog er erstmals bei einem Tandemflug. Kurz nach seinem 16. Geburtstag machte er die Lizenz. Aus der Begeisterung ist längst mehr geworden für den «Adler aus Adelboden», wie er in der Szene genannt wird. Das Training im Hinblick auf das alle zwei Jahre stattfindende X-Alps ist intensiv. Es ist athletischer geworden, auch das Marschieren mit dem sieben bis 14 Kilogramm schweren Rucksack muss geübt werden. Aber noch öfters ist Maurer in der Luft. Schon in den ersten drei Monaten dieses Jahres hat er über 100 Flüge absolviert. Ist das Wetter günstig gibt es mehrere Flüge am Tag. Die Zeit davon kann er sich nehmen, da er von seiner Leidenschaft leben kann: Dank Sponsoringverträgen, Coachings und Vorträgen.

Eine Leidenschaft mit Gefahr

Hält Maurer einen Vortrag spricht er häufig über Motviation, auch über Teambildung. Er spricht aber auch über das Risikomanagement. Denn Gleitschirmfliegen ist riskant. Insbesondere bei diesem verrückten Rennen, in dem die Athletinnen zwar Nachtpausen machen müssen, aber dennoch müde werden. «Natürlich bringt das Gleitschirmfliegen gewisse Gefahren mit sich», sagt Maurer. Er könne das Risiko aber gut einschätzen und kontrollieren. Angst fliegt beim zweifachen Familienvater keine mit. Dennoch spürte er im Training im September 2014, wie schnell es gehen kann. Bei einer unsanften Landung brach er sich ein Bein.

An den X-Alps muss Chrigel Maurer auch viele Kilometer zu Fuss abspulen.

An den X-Alps muss Chrigel Maurer auch viele Kilometer zu Fuss abspulen.

Bild: Red Bull

Auf dem Weg zur erneuten Titelverteidigung weiss Maurer inzwischen, worauf es ankommt. Sein Rezept: Risiko. Dabei geht es weniger um die Sicherheit, sondern viel mehr darum, dass er so viel wie möglich fliegen will. «Ich bin ein Gambler», sagt er. Maurer vergleicht die Herausforderung mit der X-Alps mit dem Radsport. «Die Taktik entscheidet. Es stellt sich häufig die Frage, ob man einen Aufstieg in Kauf nimmt oder man lieber auf der Fläche zu Fuss geht. Oder ob man trotz Wind schon losfliegt oder kurz abwartet bis die Verhältnisse besser werden.»

In solchen Situation gehe Maurer oft Risiken ein. «Indem ich etwas versuche, gebe ich dem Glück eine Chance. Im dümmsten Fall heisst dies Marschieren. Doch entscheidend ist auch dann, das ich positiv bleibe», sagt Maurer, der in seinem Abenteuer von einem zweiköpfigen Team unterstützt wird. Während er läuft oder fliegt, fahren die beiden Teamkollegen die Strecke, um ihn am Abend bei zum Abendessen und zur Nachtruhe zu empfangen.

Chrigel Maurer über dem Gardasee an den X-Alps 2017.

Chrigel Maurer über dem Gardasee an den X-Alps 2017.

Bild Red Bull

Morgen startet das X-Alps in Salzburg, es geht über die Schweiz einmal um den Mount Blanc und zurück nach Zell am See. Chrigel Maurer ist dann mittendrin.