Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

GOLF: Zeno Felder erfüllt sich einen Traum

Er will es wissen: Zeno Felder, der gebürtige Entlebucher und in Hünenberg See wohnhaft, wechselt zu den Profis. Der Schritt ist wohl überlegt, denn das grosse Geld fällt nicht einfach so in den Schoss.
Zeno Felder am letzten Donnerstag auf dem Golfplatz Holzhäusern. (Bild Manuela Jans-Koch)

Zeno Felder am letzten Donnerstag auf dem Golfplatz Holzhäusern. (Bild Manuela Jans-Koch)

Theres Bühlmann

Die Hausaufgaben hat er gemacht. Nun wartet Zeno Felder (23) auf das Ergebnis. Genauer gesagt auf das «Ticket», welches ihm den Eintritt zu den Profis ebnen soll. Dort will er hin, um die halbe Welt touren und so seinen Lebensunterhalt verdienen. Bei der Swiss Professional Golfers Association (Swiss PGA), das ist der Dachverband der Golf Professionals in der Schweiz, hat er alle Dokumente eingereicht, um seinen Traum zu verwirklichen. Ein Businessplan musste erstellt, Gespräche mit Sponsoren mussten geführt werden, dies gehört ebenso zu diesem Vorgehen. «Meine Lizenz», sagt Felder, «die wird in etwa zwei Wochen eintreffen. Ich habe ein gutes Gefühl, als Profi bestehen zu können. Um aber sorgenfrei leben zu können, muss ich mindestens für zwei oder drei Jahre die Hauptkosten über Sponsorengelder decken.» Das Budget sieht 71 000 Franken Sponsorengelder im Jahr vor, wie viel bis jetzt auf dem Konto stehen, das kann er noch nicht abschliessend beantworten.

Felder könnte das Innerschweizer Profikontingent erhöhen, bis jetzt sind die beiden Zuger Damian Ulrich und Fabienne In-Albon im Profistatus. Nicht jeder Profi macht das grosse Geld wie zum Beispiel Tiger Woods, Rory McIlroy oder Jordan Spieth, die Millionen scheffeln. Manch einer, oder sogar viele der Berufsspieler müssen kleinere Brötchen backen. Es kann durchaus vorkommen, dass man von einem Turnier gerade noch soviel ausbezahlt bekommt, um die Spesen zu decken. Aber das nimmt Felder in Kauf, denn er ist mit Leib und Seele Golfer. Und das seit seiner Kindheit.

Der Skifahrer und Fussballspieler

Aufgewachsen in Flühli im Entlebuch kam er mit diesem Sport im Alter von acht Jahren in Kontakt. Als der Golfplatz in dieser Gemeinde im September 1997 offiziell eröffnet wurde, amtete sein Vater Andreas als Präsident der Genossenschaft. Was also lag näher, als Eisen und Hölzer in die Hand zu nehmen und sich in dieser Sportart zu versuchen? Jedenfalls wurde die ganze Familie Felder, Vater Andreas, Mutter Dora und Bruder Silvio, vom Golffieber infiziert. Ab und zu, vor allem am Wochenende, gab es einen Familienausflug auf den Golfplatz, nicht um Kaffee zu trinken, sondern um ein Spiel zu absolvieren. «Leider ist dies heutzutage aus Zeitgründen fast nicht mehr möglich, schade», sagt Zeno Felder.

Dabei verfügte der Filius Zeno auch über andere sportliche Talente. Skirennfahrer war er, brachte es bis ins JO-Kader, als Fussballer verstärkte er die E-Mannschaft in Schüpfheim, und als die Familie nach Hünenberg See zog, spielte er bei den B-Junioren in Cham. Aber das Golfspiel liess ihn nie los. Er wollte in dieser Sportart weiterkommen, machte die KV-Lehre bei der Firma ProCart AG (Max Baumann) in Hünenberg und absolvierte die Sportschule Vinto in Zug. Und dann zog es ihn endgültig auf die Golfplätze, auf die Amateur-Tour in der Schweiz und im Ausland, und er spielte unter anderem in Spanien, in der Türkei und in Finnland.

Kein Preisgeld für Amateure

Weil Amateure keine Preisgelder annehmen dürfen, war er auf Gönnerbeiträge angewiesen und nahm Jobs an, die ihm von der Promotion-Tools vermittelt wurden. Flyer verteilen, zum Beispiel, oder Chauffeurdienste versehen, auch für die Fifa. Eventuell sogar für Sepp Blatter? «Ich weiss es wirklich nicht mehr, wer im Auto sass», lacht Felder, der als Amateur ein Handicap von +1.7 aufweist. Zurzeit wird er im World Amateur Ranking als Nummer 1401 geführt, eine bemerkenswerte Position, denn immerhin weist diese Rangliste nicht weniger als 6048 Spieler auf. Sein Profileben wird für den 23-Jährigen im Januar auf der Pro-Golf-Tour seinen Anfang nehmen, genauer gesagt in Ägypten. Ohne Caddy allerdings, «zu mindest vorläufig», sagt Felder. Wenn nötig, kann er auf die Hilfe von Kollegen zählen, und auch sein Fitnesstrainer Marc Auf der Maur hat sich anerboten, ihn, wenn gewünscht, zu begleiten.

Die Dienste eines Caddys sind nicht zu unterschätzen, «denn ein guter Caddy macht zwei bis drei Schläge aus», sagt Felder. Matchentscheidend, um den Cut, also die Finalrunde, zu erreichen, um so ans Geld zu kommen. Er möchte sich über die ProGolf-Tour das Spielrecht für die European Tour ergattern oder dieses auch via Challenge Tour bewerkstelligen. All dies soll zu seinem ganz grossen Ziel, zur PGA-Tour, mit 270 Millionen Dollar Gesamtpreisgeld die mit Abstand höchstdotierte Turnierserie der Welt, führen. Und da sind ja noch die Olympischen Spiele, denn in Rio de Janeiro 2016 ist Golf wieder auf dem Programm. «Vielleicht 2020», sagt Felder. Dann ist Tokio Gastgeber. Aber das ist Zukunftsmusik. Erst einmal alles Schritt für Schritt nehmen, denn Felder ist einer, der seine golferische Zukunft akribisch plant. Weil sich beim Golfspiel sehr viel im Kopf abspielt, legt er auch ein grosses Augenmerk auf den mentalen Bereich und arbeitet mit Thomas Reutimann zusammen. Der modernen Technik sei Dank, mittels E-Mail steht Felder während eines Turniers mit Reutimann in Kontakt und versucht so, Probleme auf diese Art zu lösen. Felder, der zurzeit zu Hause in Hünenberg weilt, legt natürlich seine Beine nicht hoch – im Gegenteil. Er ist jeden Tag vier bis sechs Stunden auf dem Platz anzutreffen und feilt wöchentlich auch etwa sieben Stunden an der Fitness. Seine Stärken auf dem Platz sieht er beim Putten und beim Abschlag, «wobei natürlich auch einmal einer daneben geht», lacht Felder. Welch ein Trost für jeden Hobbygolfer.

Er wird die Zeit bis zu seinem Antritt auf der Profitour geniessen. Und wer weiss, vielleicht liegt ja eine Golfrunde mit Vater Andreas, Mutter Dora und Bruder Silvio drin.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.