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Granit Xhaka ist in der Fussball-Nati alternativlos

Trainer Vladimir Petkovic hat seinen Spielmacher derart stark gemacht, dass die Nati ohne ihn nicht funktioniert. Diese Abhängigkeit ist Segen und Fluch zugleich.
François Schmid-Bechtel
Die Dänen bissen am Dienstag bei Xhaka (in Rot, Nr. 10) auf Granit. (Bild: Christian Merz/Keystone, Basel, 26. März 2019))

Die Dänen bissen am Dienstag bei Xhaka (in Rot, Nr. 10) auf Granit. (Bild: Christian Merz/Keystone, Basel, 26. März 2019))

Falls es noch Zweifel an Granit Xhakas fussballerischer Klasse gab, so sind diese spätestens am Dienstag verdunstet. 3:0 führte die Schweiz gegen Dänemark, ehe Xhaka in der 79. Minute ausgewechselt wurde. 3:3 stand es am Schluss.

Xhaka schiesst das Tor zum 2:0. Xhaka organisiert die Defensivarbeit und orchestriert das Offensivspiel. Xhaka übernimmt Verantwortung. Xhaka bestimmt das Tempo. Xhaka läuft viel. Xhaka misslingt kaum ein Pass. Xhaka gewinnt die Mehrzahl der Zweikämpfe. Kurz: Xhaka spielt Premium-Klasse.

Courant normal ist das nicht. Auch ein Xhaka hat mal Mühe, in ein Spiel zu finden. Und auch ein Xhaka kann mal einen temporären Hänger haben. Dann wird einer wie er scheinbar zu einem ordinären Mittelfeldspieler, weil er den Risikopass nicht spielt, weil er im Zweikampf mal zu spät kommt, weil er nicht jeden Ball fordert, weil sein Abschluss unter dem Stadiondach landet. Dann hadert und zweifelt der Nati-Fan. Denn: Wenn Xhaka hustet, hat die Schweiz Fieber. Das Spiel der Schweizer ist in solchen Phasen etwa so elektrisierend wie die Gletscherschmelze in Zeitlupe. Jüngster Beleg: die erste Halbzeit in Georgien. Aber selbst in weniger lichten Momenten ist Xhaka kein ordinärer Spieler. Er bleibt der Leuchtturm, an dem sich alle orientieren. Warum? Sicher nicht allein seiner fussballerischen Qualitäten, sondern hauptsächlich seines Selbstbewusstseins wegen. Eine schlechte Phase? Kann es geben. Ein ekelhafter Gegner? Da müssen wir durch. In Rückstand? Keine Panik, irgendwann kommt unsere Chance und dann schlagen wir zu.

Xhaka versucht gar nicht, sein Selbstbewusstsein zu verbergen. Im Gegenteil. Das kann auch mal überheblich rüberkommen. Aber für die Mitspieler ist Xhakas Keine-Zweifel-Attitüde essenziell. Erst recht, wenn die eigene Leistung die Zweifel nährt.

Auswechslung wegen Adduktorenproblemen?

Hätte die Schweiz den Vorsprung verwaltet, wäre die Auswechslung Xhakas nicht mal als Fussnote erwähnt worden. Aber weil diese Geschichte anders endet, das Schweizer Nationalteam alles verliert, den Biss, die Selbstsicherheit und die Organisation, haftet Petkovic’ Aktion etwas Arrogantes an. Nach dem Motto: 3:0, das Spiel ist gelaufen, auch wenn der Captain von Bord geht. Doch der Nationaltrainer erklärt: «Xhaka konnte wegen Adduktorenproblemen nicht mehr auf dem Platz bleiben. Er hat mich schon zehn Minuten vor dem Wechsel gebeten, ihn rauszunehmen.» Das überrascht. Denn aus der Distanz deutete nichts auf muskuläre Probleme hin. Und offen bleibt, ob Petkovic, beispielsweise in einem Weltmeisterschafts-Achtelfinal, gleich handeln würde.

Jetzt aber darf respektive muss Petkovic konstatieren: Einen Shaqiri, einen Seferovic, einen Schär, einen Lichtsteiner – sie alle kann er ersetzen. Aber nicht einen Xhaka. Diese Erkenntnis wird den Nationaltrainer kaum überraschen. Aber nach der absurden Schlussphase gegen Dänemark hat sie die Dimension: Wir sind Xhaka.

Das ist vor allem Segen, aber auch ein bisschen Fluch. Auch für Petkovic. Immerhin: Xhakas Einstellung ist vorbildlich, seine Akzeptanz im Team unbestritten und seine Popularitätswerte im Steigflug. Aber er manövriert den Nationaltrainer in ein Abhängigkeitsverhältnis. Nicht, dass er dies ausnutzen würde. Hinweise dafür gibt es bis dato jedenfalls nicht. Petkovic braucht Xhaka. Das war nicht immer so – zumindest nicht virulent wie heute – und das hat sich der Nationaltrainer selbst zuzuschreiben. Nur: Hatte Petkovic überhaupt eine andere Wahl?

Granit Xhaka lechzt geradezu danach, dieses Schweizer Team anzuführen. Den Anspruch hat er nicht erst gestern formuliert. Aber jetzt, nachdem Valon Behrami nicht mehr dabei ist, ist Xhaka als Spiritus Rector alternativ- und konkurrenzlos.

Die anderen Mittelfeldspieler wie Remo Freuler, Denis Zakaria, Edimilson Fernandes oder Djibril Sow sind zwar begabte, leistungs- und lernwillige Kicker. Aber keiner von ihnen hat das strategische Talent und die Führungsqualitäten von Granit Xhaka. Deshalb dieses sagenhafte 3:3 gegen Dänemark. Und deshalb das Dilemma von Petkovic, der wie kaum ein anderer Nationaltrainer vor ihm von einem einzigen Spieler derart abhängig ist.

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