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Gross will Vorbild Josi nacheifern

Der 18-jährige Nico Gross war vom EV Zug zuletzt an ein kanadisches Juniorenteam ausgeliehen. Er ist der zweite EVZ-Spieler in Folge, der von einem NHL-Team gedraftet werden könnte. Für den Klub ist das Fluch und Segen zugleich.
Sven Aregger
Nico Gross, hier im Trikot der Oshawa Generals, hat vor dem NHL Entry Draft «ein gutes Gefühl». (Bild: Baughn Ridley/Getty (St Catharines, 26. Oktober 2017))

Nico Gross, hier im Trikot der Oshawa Generals, hat vor dem NHL Entry Draft «ein gutes Gefühl». (Bild: Baughn Ridley/Getty (St Catharines, 26. Oktober 2017))

Vor dem NHL Entry Draft werden die Nachwuchstalente auf Herz und Nieren geprüft. Am sogenannten NHL Combine müssen sie verschiedene Tests bewältigen, unter anderem im Ausdauer- und Schnellkraftbereich. Ausserdem stehen sie den Scouts der Franchises für Interviews zur Verfügung. Die NHL-Organisationen können sich so ein Bild über die körperliche Verfassung und die Persönlichkeit der Spieler machen.

Das NHL Combine 2018 fand Anfang Juni während fünf Tagen in Buffalo statt. Mit dabei: Nico Gross, der letzte Saison vom EV Zug an die kanadische Juniorenmannschaft Oshawa Generals in der Ontario Hockey League ausgeliehen war. Der 18-jährige Verteidiger wird vom Central Scouting Service, dem offiziellen Scouting-Büro der NHL, auf Position 56 bei den Feldspielern in Nordamerika gelistet. Er hat realistische Chancen, von einem der 31 Teams gedraftet zu werden. Er sagt: «Ich habe ein gutes Gefühl.»

Gross ist eines von elf Schweizer Talenten, die sich Draft-Hoffnungen machen können (siehe Box unten). Aus Schweizer Sicht wird die Veranstaltung, die dieses Jahr in Dallas über die Bühne geht, weit weniger spektakulär als vor einem Jahr. Damals wurde der Walliser Nico Hischier als erster Schweizer überhaupt zum Nummer-1-Pick. Seither sorgt der Center bei den New Jersey Devils für Furore. Nico Gross mag nicht ein so herausragendes Talent sein wie sein Namensvetter, eine erfolgreiche Karriere in Nordamerika ist ihm dennoch zuzutrauen. Experten loben seine Spielintelligenz, seine Übersicht, seine Ruhe an der Scheibe. Der 1,86 m grosse und 83 kg schwere Bündner kann defensiv wie offensiv Akzente setzen. Er ist kein klassischer Abräumer, sondern besticht durch Vielseitigkeit und ein gutes Aufbauspiel. Diese Eigenschaften machen ihn interessant für die NHL-Teams, die immer häufiger spielstarke Defensivspezialisten engagieren.

Junioren werden verehrt wie Stars

Neben den Fähigkeiten auf dem Eis fällt Gross durch seinen Ehrgeiz und seine mustergültige Einstellung auf. «Work hard or go home», lautet einer seiner Leitsätze. «Wenn du nicht alles für den Erfolg tust, dann lasse es lieber bleiben.» Seine Vorbilder sind nicht zufällig Nashville-Captain Roman Josi und Langlaufstar Dario Cologna. «Ihre Persönlichkeit, ihr Charakter beeindrucken mich. Sie sind erfolgreich, aber trotzdem auf dem Boden geblieben.»

Gross ist in Pontresina aufgewachsen und versprühte schon früh grossen Bewegungsdrang. Im Winter versuchte er sich im Skifahren und im Langlauf, im Sommer spielte er Tennis und Fussball. Aber Eishockey war immer sein grösste Leidenschaft. Mit 3 Jahren stand er zum ersten Mal auf den Schlittschuhen, er durchlief die Nachwuchsabteilungen in St. Moritz. 2014 wechselte er zum EV Zug, wo er 2016/17 zum Stammspieler im Swiss-League-Team EVZ Academy avancierte. Als sich letzten Sommer die Möglichkeit eines Leihgeschäfts mit den Oshawa Generals ergab, nutzte er die Chance. «Ich bin froh, dass ich diesen Schritt gemacht habe», sagt Gross. «In Kanada bin ich selbstständiger geworden. Und auch als Hockeyspieler konnte ich viel profitieren. Auf dem kleineren Eisfeld in Nordamerika lernt man, härter und schneller zu spielen. Fast jeder Scheibenbesitz ist mit einem Körperkontakt verbunden.» Gross lebte bei einer Gastfamilie und besuchte neben dem täglichen Training die Highschool.

Im Hockey-verrückten Kanada sind schon die Junioren so etwas wie Stars, im Schnitt sind rund 5500 Zuschauer an den Heimspielen der Generals. Autogrammstunden gehören zum Pflichtprogramm. Gross sagt: «Die Begeisterung fürs Eishockey ist viel grösser als in der Schweiz.» Derzeit ist noch offen, ob er ein weiteres Jahr in Oshawa bleibt oder ob er zum EVZ zurückkehrt. Ein Entscheid soll erst nach dem Draft fallen.

Nico Gross ist der zweite EVZ-Spieler in Folge, der gedraftet werden könnte. Im Vorjahr wurde der Obwaldner Verteidiger Tobias Geisser (19) in der vierten Runde von den Washington Capitals gewählt, die ihm dieses Frühjahr einen Einstiegsvertrag ermöglichten. Geisser und Gross gehörten beide zu den Teamleadern an der U20-WM im Dezember.

Für den EV Zug ist diese Entwicklung «Fluch und Segen zugleich», wie Sportchef Reto Kläy sagt. «Unser primäres Ziel ist es, Spieler für das eigene National-League-Team zu produzieren. Aber es erfüllt uns auch mit Stolz, wenn Talente aus unserem Nachwuchs den Sprung in die NHL schaffen.» Wird ein Spieler gedraftet, ist das gut für das Ansehen des Ausbildungsklubs – auch wenn Kläy betont, dass sich die NHL-Organisation erst einmal nur die Rechte des Spielers sichere. Nach dem Draft sei es noch ein weiter Weg bis in die beste Liga der Welt.

Abgänge erschweren die Kaderplanung

Eine Problematik ist, dass die Schweizer Klubs keine Entschädigung für Talente wie Geisser erhalten, weil sie kein Transferabkommen mit der NHL haben. Zudem erschweren Abgänge von jungen Spielern die Kaderplanung. So etwa verlassen Sandro Forrer (20, zu Fribourg), Timo Haussener (21, Lugano) und Fabio Arnold (22, Ajoie) das Farmteam EVZ Academy. Sie hatten auslaufende Verträge. Forrer und Arnold kamen in der vergangenen Saison auch in der National League zum Einsatz. «Die Spieler wollten eine Luftveränderung», erklärt Kläy. «Natürlich bedauern wir das, aber es ist nicht verkehrt, wenn sie bei einem anderen Klub eine Chance erhalten.» Der Sportchef sagt, dass es immer wieder solche Fälle geben könne. «Jetzt geht die Tür für andere Nachwuchsspieler auf.»

Der Schwede Dahlin führt Ranking an

Der NHL-Draft findet am Freitag und Samstag in Dallas statt. Neben Nico Gross figurieren zehn weitere Schweizer im Ranking der Scouting-Organisationen: Nando Eggenberger (Stürmer, HC Davos), Davyd Barandun (Verteidiger, HC Davos), Philipp Kurashev (Stürmer, Québec Remparts), Tim Berni (Verteidiger, ZSC Lions), Janis Moser (Verteidiger, EHC Biel), Marco Miranda (Stürmer, ZSC Lions), Jeremi Gerber (Stürmer, SC Bern), Gilian Kohler (Stürmer, Kootenay Ice), Stéphane Charlin (Goalie, Servette) und Akira Schmid (Goalie, SCL Tigers). Als Nummer-1-Draft wird der schwedische Verteidiger Rasmus Dahlin gehandelt. Der 18-Jährige spielte bisher für den Frölunda HC aus Göteborg. Die Buffalo Sabres dürfen zuerst wählen, gefolgt von den Carolina Hurricanes und den Montreal Canadiens. (ars)

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