Grosse Frage vor dem Duell gegen Luzerns Lieblingsgegner: Ist St. Gallen so viel besser als der FCL?

Der FC Luzern will nach vier Niederlagen in Serie morgen Sonntag (16.00) gegen die St. Galler Himmelsstürmer zeigen, dass er noch siegen kann.

Daniel Wyrsch
Hören
Drucken
Teilen
Luzern-Verteidiger Silvan Sidler (rechts) gegen St. Gallens Nationalspieler Cedric Itten.

Luzern-Verteidiger Silvan Sidler (rechts) gegen St. Gallens Nationalspieler Cedric Itten. 

Eddy Risch, KEYSTONE (St.Gallen, 20. Juli 2019)

Der FC Luzern und der FC St. Gallen werden oft miteinander verglichen. Sie haben ähnlich gute Voraussetzungen in ihren fussballinteressierten Regionen. Doch derzeit machen es die Ostschweizer mit dem populären Präsidenten Matthias Hüppi, Sportchef Alain Sutter und Trainer Peter Zeidler klar besser als die Innerschweizer. Deren Präsident Philipp Studhalter nehmen die meisten Leute gar nicht wahr, das Theater im Aktionariat um die Besitzverhältnisse aber umso mehr.

Und FCL-Sportchef Remo Meyer macht in sportlichen Krisenzeiten wie aktuell mit vier aneinandergereihten Niederlagen keinen Deut den besseren Eindruck als der zauderhafte Coach Thomas Häberli.

Häberli schickt seine Spieler in die Zweikämpfe

Just jetzt, wenn sich der Besuch der drittplatzierten jungen Himmelsstürmer aus St. Gallen ankündigt, gibt Häberli endlich längst fällige Kampfparolen heraus: «Wir müssen in die Duelle kommen. Es wird viele zweite Bälle geben, diese Zweikämpfe müssen wir annehmen.»

Ein Kampfspiel auf tiefem Terrain ist zu erwarten. Hier der FC Luzern, dessen Offensivmotor in dieser Saison fast dauernd gestottert hat und erst 14 Tore produzierte. Dort der FC St. Gallen, der in diesem Herbst die Super League mit seinen Himmelsstürmern verzaubert hat. 33 Tore haben die jungen Wilden (Durchschnittsalter 23,5 Jahre) geschossen, in den letzten zehn Spielen 25 Punkte gesammelt. Nur gegen die Young Boys hat die Mannschaft von Peter Zeidler in den letzten drei Monaten verloren. Bei diesem Offensivspektakel hatte der Meister Glück und St. Gallen Pech, dass die Partie im Stade de Suisse aus Sicht der Gäste 3:4 ausging.

Thomas Häberli ist beeindruckt vom grünweissen Angriffsfeuerwerk. «Für mich hat St. Gallen die beste Offensive der Liga.»

Voca macht den St.Gallern eine klare Kampfansage

Häberlis blauweisses Kollektiv tut sich dagegen schwer. FCL-Mittelfeldspieler Idriz Voca macht trotzdem einen selbstsicheren Eindruck. Der 22-jährige Kosovo-Internationale vergleicht die aktuelle Situation mit seiner ersten Saison bei den Profis. «Vor zwei Jahren waren wir vor der Winterpause auch nicht gut dagestanden – damals unter Markus Babbel. Wir sind ebenfalls als Team zusammengestanden, haben versucht, in den letzten drei Spielen alles rauszuhauen.»

Der emotionale Plan ging auf: Sion und Zürich wurden besiegt, nur das Mitte Dezember vorgezogene Rückrundenspiel gegen YB verlor der FCL. Babbel musste Anfang 2018 beim Trainingsauftakt das neuntplatzierte Team verlassen, weil er sich abschätzig über die immer noch ungeklärte Zukunftsplanung auf der Trainerposition von Sportchef Meyer geäussert hatte.

Da der spätere FCL-Coach René Weiler (noch) nicht wollte und Peter Zeidler bei Sochaux unter Vertrag stand, kam der eigene U21-Trainer Gerardo Seoane als Notnagel zum Handkuss – und bescherte der Fussball-Innerschweiz den schönsten Frühling seit langer Zeit. 17 Spiele, 34 Punkte. Der Sprung aus unmittelbarer Abstiegsgefahr auf Platz 3. Idriz Voca zieht Parallelen zur aktuellen Sturm- und Drangphase der St. Galler: «Die haben mit ihrer jungen Truppe einen tollen Lauf, spielen guten, zielstrebigen Fussball.» Er warnt vor dem gegnerischen Gegenpressing, da dürfe man sich keine Ballverluste leisten.

Voca findet aber auch: «Wenn es läuft, dann läuft es. Das kommt mir bekannt vor.» Stellt er also Ähnlichkeiten fest im Vergleich zum mutigen Luzerner Auftritt unter Seoane? «Wir haben damals nach Siegen ebenfalls nicht gewusst, wie wir gewonnen haben», meint Voca viel sagend und macht eine deutliche Kampfansage an die Adresse der Gäste: «Sie sollen es jetzt noch geniessen, am Sonntag wird es anders laufen!»

Dann wird man sehen, ob St. Gallen derzeit so viel besser als der FCL ist, der die letzten zehn Direktvergleiche gewann.

Protestaktion der St. Galler Fans

Weil der Gästesektor in der Luzerner Swisspor-Arena noch immer an einen «Käfig» erinnere, rufen St. Galler Fans für das Auswärtsspiel morgen Sonntag (16.00) zu einer «kreativen Aktion» auf.  

Auf den Flyern des Dachverbands 1879 heisst es: «Wenn die Gästefans wie Tiere behandelt werden, muss man sich nicht wundern, wenn sich diese auch wie Tiere verhalten.» Wie ist die Reaktion des FC Luzern? Man sei in Kenntnis einer geplanten Aktion und entsprechend auch mit dem Klub und deren Sicherheitsleuten im Austausch, heisst es vom FCL. Und: «Nachdem auf diese Saison hin diverse Veränderungen am Gästesektor vorgenommen worden sind, die von anderen Fankurven als durchaus positiv beurteilt wurden, erwarten wir auch von St. Gallens Fans ein korrektes Verhalten im und ums Stadion, um allen Zuschauern einen tollen Fussballnachmittag zu ermöglichen.» (dw)

Mehr zum Thema