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Kolumne

Gschobe: «Was ist denn das für
eine populistische Scheisse!»

Sie stammen aus dem gleichen Dorf im Appenzellerland, sind zwischen 46 und 50, treffen sich einmal pro Woche und jassen oder spielen Boule. Pius, Qualitätsmanager, Appenzell. David, Lehrer, Speicher AR. Tobias, Consultant, Zürich. Flavio, Sozialarbeiter, Kirchberg SG. François, Journalist, Windisch.
François Schmid-Bechtel

Tobias: Er ist noch gar nicht weg und trotzdem vermisse ich ihn bereits.
Flavio: Wen?
Tobias: Uli Hoeness. Er wird im November als Präsident und Aufsichtsratsvorsitzender des FC Bayern München zurücktreten.
Flavio: Wusste gar nicht, dass du Ulianer bist.
Tobias: Seit eh und je.
François: Ach komm schon. Das ist doch kein Grund, trübsinnig zu werden. Seit bald 50 Jahren Mia san Mia. Uli Hoeness und der FC Bayern ist zum Synonym geworden. Das kann der nicht urplötzlich einfach so wegwischen wie einen Krümel am Mundwinkel. Der Hoeness ist bei Bayern München wahrscheinlich noch da, wenn er gar nicht mehr lebt. Kommt dazu, dass er mit Ex-Adidas-Boss Herbert Hainer und Oli Kahn die Leute ausgesucht hat, die künftig beim FC Bayern tonangebend sind. Sprich: Hoeness wird trotz Rücktritt kaum an Einfluss verlieren.
Tobias: Da bin ich mir nicht so sicher. Vielleicht will er ja gar nicht mehr grossen Einfluss nehmen.
Flavio: Du glaubst doch etwa nicht an Altersmilde bei Hoeness?
Tobias: Warum nicht?
David: Ja, warum nicht! Sonst würde er jetzt nicht das Handtuch werfen.
Tobias: Davon kann doch gar keine Rede sein.

Nicht mehr ziemlich beste Freunde: Die Bayern-Alphatiere Uli Hoeness (links) und Karl-Heinz Rummenigge. Bild: Keystone

Nicht mehr ziemlich beste Freunde: Die Bayern-Alphatiere Uli Hoeness (links) und
Karl-Heinz Rummenigge. Bild: Keystone


David: Das sehe ich anders. Hoeness wurde an der Hauptversammlung 2018 von den eigenen Leuten frontal attackiert. Hoeness hat, so plauderte es der frühere bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber aus, Zwistigkeiten mit Karl-Heinz Rummenigge, dem anderen starken Mann bei den Bayern. Und Hoeness muss konstatieren, dass der FC Bayern in der Welt der Superreichen seinen Platz noch nicht gefunden hat. Früher hätte er die Herausforderungen angenommen, hätte alles was in seinem Kopf, seinem Herzen und seinem Körper steckt mobilisiert, um gegen die Widrigkeiten anzukämpfen. Er hätte getobt und ausgeteilt. «Was ist denn das für eine populistische Scheisse!» Das war früher sein Standardkonter auf kritische Fragen. Heute gibt er leider auf.
Pius: Wirfst du ihm fehlendes Verantwortungsgefühl vor?
David: Überhaupt nicht! Was Uli Hoeness für den FC Bayern, ja für den gesamten deutschen Fussball geleistet hat – dafür brauchen andere sieben Leben. Aber ich hätte wenig Verständnis, wenn er einzig zurücktritt, um sich aus der Schusslinie zu nehmen, aus dem Reduit aber weiter die Strippen zieht.
Pius: Was soll er sonst tun, wenn er beim FC Bayern nicht mehr den Takt vorgibt? Soll er etwa Oli Kahn als Fussball-Experte beim ZDF ablösen? Flavio: Hoeness unplugged war schon immer grosses Kino. Erinnert ihr euch, wie er mal die eigenen Fans in den Senkel stellte und mit hochrotem Kopf tobte: «Was glaubt ihr, was wir das ganze Jahr über machen, damit wir euch für 7 Euro in die Südkurve gehen lassen können! Was glaubt ihr, wer euch alles finanziert! Die Leute in der Loge, denen wir das Geld aus der Tasche ziehen.»

Tobias: Hoeness im Fernsehen, das wäre toll. Aber beim öffentlich-rechtlichen Sender kann er keinem das Geld aus der Tasche ziehen.
Flavio: An der Börse zocken ist wohl auch keine Option.
François: Nicht die Zockerei hat ihn in den Knast gebracht. Er sass, weil er die Gewinne in der Schweiz versteckte.
Pius: Was also liegt für Hoeness näher, als in die Schweiz zu ziehen? Hier kann er zocken, bezahlt weniger Steuern und im Fussball gäbe es auch einiges zu tun.

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