Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Mario Gyr auf der Suche nach der Harmonie

Mario Gyr hat bei den Leichtgewichten alles erreicht. Nun will er das auch in der offenen Kategorie schaffen. Beim Weltcup auf dem Rotsee zeigt sich, wie schwierig dieses Vorhaben ist.
Claudio Zanini
Kennen sich erst seit kurzem: Mario Gyr (rechts) und sein Ruderpartner Paul Jacquot. (Bild: Pius Amrein (Luzern, 11. Juli 2018))

Kennen sich erst seit kurzem: Mario Gyr (rechts) und sein Ruderpartner Paul Jacquot. (Bild: Pius Amrein (Luzern, 11. Juli 2018))

Mario Gyr ist einer dieser Menschen, bei denen man sich nicht vorstellen kann, dass sie manchmal nichtstuend auf dem Sofa liegen. In seinen 33 Lebensjahren hat der Ruderer, der in der Stadt Luzern aufgewachsen ist, wahrscheinlich das Optimum herausgeholt. In seiner Sportart gewann er alle wichtigen Titel. Er wurde Europameister, Weltmeister und Olympiasieger. Er schloss ein Jura-Studium ab und arbeitet Teilzeit in einer Kanzlei. Er hält Referate vor Firmen und nimmt Sponsorentermine wahr. Und manchmal findet er Zeit, um mit seiner Partnerin, einer lokalen TV-Moderatorin, an Promi-Anlässen aufzutauchen.

Wenn Gyr ins Reden kommt, ploppen plötzlich noch mehr Tätigkeitsfelder auf: «Ich bin bei zwei bis drei Start-up-Firmen involviert. Das braucht natürlich auch Zeit.» Gyr sagt «zwei bis drei». Man würde ihm auch glauben, wenn er «fünf bis sechs» sagen würde. «Gut. Vielleicht muss ich präzisieren. Bei einem Start-Up bin ich nur beteiligt, da habe ich operativ keine Aufgaben.» Damit alles irgendwie unter einen Hut passt, hat Gyr zwei Zauberworte: «Effizientes Zeitmanagement.»

Gyr für die Technik, Jacquot für die Power

Das effiziente Zeitmanagement. Gyr wird es nun wieder brauchen. Vielleicht mehr denn je, wenn er will, dass sein aktuelles Projekt gelingt. In dieser Saison hat er sich entschieden, sozusagen eine zweite Karriere zu lancieren. Nach den Erfolgen bei den Leichtgewichten möchte er es auch in der offenen Kategorie, bei den Schwergewichten, schaffen. Es würde ihn zum kompletten Ruderer machen. Zurzeit bestreitet er mit dem französisch-schweizerischen Doppelbürger Paul Jacquot Rennen – im Zweier ohne. Seinen neuen Partner kennt Gyr gerade mal vier Wochen. Noch harmonieren sie nicht so, wie sie es gerne hätten. Das hat auch ihr Auftritt am Freitag beim Weltcup auf dem Rotsee verdeutlicht. Im Viertelfinal wurden sie Letzte. Das bedeutet, sie können sich am Samstag im D-Final nicht besser als Rang 19 klassieren. Beim letzten Weltcup im österreichischen Linz wurde es noch ein 16. Platz – mit wesentlich weniger gemeinsam absolvierten Trainingskilometern.

Gyr und Jacquot sehen äusserlich nicht nach einer himmlischen Kombination aus. Jacquot ist 10 Jahre jünger, 20 Kilo schwerer und 17 Zentimeter grösser. «Doch wir ticken ähnlich, das ist wichtig», sagt Gyr. «Ich sorge für den Rhythmus und die Technik, er für die Power. Bei den ersten drei Schlägen muss er sich fast zurückhalten, sonst landen wir in der Boje.»

Ziele hat sich Gyr hohe gesetzt. Er will an die Sommerspiele, die in zwei Jahren in Tokio stattfinden. Aber nicht um einfach dabei zu sein und ein wenig Stimmung aufzusaugen. «Ich wurde bei Olympia einmal Fünfter, einmal Erster. Ich muss da nicht nochmals hingehen, wenn ich nur Vierter werden kann.» Anders gesagt: Hat er keine Medaillenchance, lässt er es lieber komplett bleiben.

Rudern – solange man kann

Es sind gewohnt grosse Ambitionen. Sie erfordern, den eigenen Alltag wieder umzukrempeln, und alles Olympia unterzuordnen. Gyr benutzt dafür den englischen Begriff «Committment». Gemeint ist, sich vollkommen zu verpflichten: «Es braucht die Fähigkeit, bereit zu sein, sehr viel zu trainieren.» Gyr redet aus Erfahrung. Als er sich auf Rio 2016 mit den Kollegen Schürch, Niepmann und Tramèr vorbereitete, trainierte das Quartett innerhalb eines Jahres rund 30 Wochen im Ausland. Es gibt kaum eine Sportart, in der sich die Trainingsstunden so zuverlässig im Wettkampf niederschlagen, wie sie dies beim Rudern tun. Wer viel trainiert, der ist schnell. Gyr weiss, dass er noch einmal an seine Grenzen gehen muss für Tokio 2020. «Es gibt nur eine kurze Phase im Leben, in der du Spitzensport machen kannst. Solange du motiviert dafür bist, solltest du es machen.» Resultate muss Gyr nicht mehr liefern, dafür war er zu erfolgreich. Doch allzu lange dürfte er nicht zuschauen, wenn keine Fortschritte erkennbar sind. Denn für erfolglose Projekte hat der Mann schlicht zu wenig Zeit.

Sechs Schweizer Boote in den Halbfinals

Sechs der zehn Schweizer Boote qualifizierten sich am ersten Tag des Weltcup-Finals auf dem Rotsee in Luzern für die Halbfinals und haben somit eine Top-12-Klassierung auf sicher. Ein siebtes dürfte am Samstag mit dem Leichtgewichts-Doppelzweier Patricia Merz/Frédérique Rol noch hinzukommen. Die beiden rudern am Samstag im Hoffnungslauf um die letzten Plätze im Final. Skiff-Weltmeisterin Jeannine Gmelin, der Doppelzweier mit Nico Stahlberg und Roman Röösli sowie Europameister Michael Schmid im Leichtgewichts-Einer gewannen ihre Vorläufe. Das erstaunt insofern nicht, als alle drei Boote bei der letzten Weltcup-Regatta Ende Juni in Linz-Ottensheim auf dem Podest standen – Gmelin ist seit dem 5. Platz an den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro ungeschlagen. In den olympischen Bootsklassen werden am Samstag die Halbfinals ausgetragen, in den nicht olympischen finden bereits die Finals statt. (sda/red)

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.