«Haben Lösung noch nicht gefunden»

Das Fehlen eines Spielgestalters ist eines der grossen Probleme der Schweizer Nationalmannschaft. Nach der 0:1-Niederlage in Luzern gegen Rumänien muss Nationalcoach Ottmar Hitzfeld eingestehen: «Wir haben die optimale Lösung noch nicht gefunden.»

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Johan Djourou nach einer vergebenen Grosschance in der Nachspielzeit der zweiten Hälfte. (Bild: Philipp Schmidli / Neue LZ)

Johan Djourou nach einer vergebenen Grosschance in der Nachspielzeit der zweiten Hälfte. (Bild: Philipp Schmidli / Neue LZ)

Mit Granit Xhaka im offensiven Mittelfeld hinter der einzigen Sturmspitze Eren Derdiyok landete die Schweiz am Samstag den historischen 5:3-Erfolg über EM-Titelkandidat Deutschland. Bei der bitteren 0:1-Niederlage am Mittwoch in Luzern gegen Rumänien testete Hitzfeld andere Kandidaten auf dieser Position. Xhaka rutschte im Mittelfeld eine Position nach hinten und agierte als Nummer 6, wie er es beim FC Basel mehrheitlich tat und wohl auch bei seinem neuen Verein Borussia Mönchengladbach tun wird. Hitzfeld: «Dass Granit die Nummer 6 spielen kann, wissen wir. Wichtiger für mich ist die Frage, wer die Nummer 10 spielen kann. Deshalb habe ich gegen Rumänien umgestellt.»

Der Frust ist den FCL-Spielern Adrian Winter (links) und Alain Wiss nach der Niederlage anzusehen. (Bild: Philipp Schmidli / Neue LZ)
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Johan Djourou hatte in der Nachspielzeit eine grosse Chance zum Ausgleich. (Bild: Philipp Schmidli / Neue LZ)
Adrian Winter versucht es mit einem Rückzieher, doch er stand im Abseits. (Bild: Philipp Schmidli / Neue LZ)
11'850 Zuschauer kamen ins Stadion. (Bild: Philipp Schmidli / Neue LZ)
Alain Wiss (rechts) gegen Gabriel Andrei Torje. (Bild: Philipp Schmidli / Neue LZ)
Ein enttäuschter Gökhan Inler (rechts) und Innocent Emeghara. (Bild: Philipp Schmidli / Neue LZ)
Enttäuschte Nationalspieler Innocent Emeghara (rechts) und Eren Derdiyok. (Bild: Philipp Schmidli / Neue LZ)
Adrian Winter. (Bild: Philipp Schmidli / Neue LZ)
TV-Kommentator Sascha Ruefer: «Eine Stimmung wie bei der Einweihung einer Kläranlage.» (Bild: Philipp Schmidli / Neue LZ)
Michel Morganella (oben) gegen Alexandru Maxim. (Bild: Philipp Schmidli / Neue LZ)
Johan Djourou (oben) gegen Marius Silviu Alexe. (Bild: Philipp Schmidli / Neue LZ)
Admir Mehmedi (links) gegen Razvan Rat. (Bild: Philipp Schmidli / Neue LZ)
Adrian Winter (links) gegen Vlad Iulian Chiriches. (Bild: Philipp Schmidli / Neue LZ)
Philippe Senderos (links) gegen Gheorghe Teodor Grozav. (Bild: Philipp Schmidli / Neue LZ)
Nati-Coach Ottmar Hitzfeld (rechts). (Bild: Philipp Schmidli / Neue LZ)
Adrian Winter (rechts) gegen Alexandru Mihaita Chipciu. (Bild: Philipp Schmidli / Neue LZ)
Johan Djourou (rechts) gegen Marisu Silviu Alexe. (Bild: Philipp Schmidli / Neue LZ)
Alain Wiss (rechts) wird in der 76. Minute eingewechselt. Granit Xhaka verlässt das Spielfeld. (Bild: Philipp Schmidli / Neue LZ)
Tranquillo Barnetto (links) gegen Vlad Iulian Chiriches. (Bild: Philipp Schmidli / Neue LZ)
Rumäniens Gheroghe Teodor Grozav (links) erzielt gegen Yann Sommer (rechts) und Philippe Senderos das 0:1. (Bild: Philipp Schmidli / Neue LZ)
Die Luzerner im Dienste der Nationalmannschaft: Alain Wiss (links) und Adrian Winter. (Bild: Philipp Schmidli / Neue LZ)
Die Ersatzspieler bei der Hymne vor dem Spiel. (Bild: Philipp Schmidli / Neue LZ)
Diese Elf begannen in der swissporarena. (Bild: Philipp Schmidli / Neue LZ)
Sportminister und Bundesrat Ueli Maurer (links) verfolgt das Spiel von der Loge aus. (Bild: Philipp Schmidli / Neue LZ)
Alain Wiss (zweiter von rechts) und Adrian Winter (rechts) sitzen zu Beginn nur auf der Ersatzbank. (Bild: Philipp Schmidli / Neue LZ)
Ein Flitzer rennt über den Rasen... (Bild: Philipp Schmidli / Neue LZ)
... und wird von der Security abgeführt. (Bild: Philipp Schmidli / Neue LZ)
Einstimmung auf das Testspiel am Mittwochabend vor dem Spiel. (Bild: Philipp Schmidli / Neue LZ)
Einstimmung auf das Testspiel am Mittwochabend vor dem Spiel. (Bild: Philipp Schmidli / Neue LZ)
Trompeten Sigi und zwei Fans vor der swissporarena. (Bild: Philipp Schmidli / Neue LZ)
Admir Mehmedi (links) gegen Vlad Iulian Chiriches. (Bild: Keystone)
Valentin Stocker (links) gegen Marius Valerica Gaman. (Bild: Keystone)
Stephan Lichtsteiner (hinten) gegen Mihai Florescu. (Bild: Keystone)
Rumänien-Keeper Bogdan Ionut Lobont (rechts) muss gegen den heranstürmenden Schweizer Eren Derdiyok wehren. (Bild: Keystone)
Admir Mehmedi (links) gegen Razvan Rat. (Bild: Keystone)
Kopfballduell zwischen Tranquillo Barnetta (rechts) und Christian Tanase. (Bild: Keystone)
Philippe Senderos beim Abspiel. (Bild: Keystone)
Der Krienser Valentin Stocker konzentriert sich auf den Ball. (Bild: Keystone)
Gökhan Inler (links) gegen Marius Silvu Alexe. (Bild: Keystone)
Warmlaufen vor dem Spiel. (Bild: Keystone)
Ein Fan verfolgt das Spiel. (Bild: Keystone)
Torhüter Yann Sommer hält einen Schuss von Rumänen Gheorghe Teodor Grozav, beobachtet von Gökhan Inler. (Bild: Keystone)
Eren Derdiyok (links) gegen Vlad Iulian Chitiches. (Bild: Keystone)
Gökhan Inler bremst Daniel George Niculae. (Bild: Keystone)
Granit Xhaka (links) gegen Daniel George Niculae (Bild: Keystone)
Blerim Dzemaili wurde nicht von Anfang an eingesetzt. (Bild: Keystone)
Xherdan Shaqiri wegen einer Muskelverhärtung auf der Bank. (Bild: Keystone)
29. Mai: Der Bus der Nationalmannschaft vor der Swissporarena. (Bild: Keystone)
Ankunft in der Luzerner Swissporarena: Nationalcoach Ottmar Hitzfeld (im dunklen Traineranzug) mit den FCL-Spielern Alain Wiss (vorne) und Adrian Winter (hinten). (Bild: Keystone)
Ottmar Hitzfeld gibt Anweisungen. (Bild: Keystone)
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Xherdan Shaqiri macht sich warm. (Bild: Keystone)
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Stocker (l.) und Hitzfeld machen sich fürs Training in der Swissporarena warm. (Bild: Keystone)
Ottmar Hitzfeld (r.) und Valentin Stocker beim Training. (Bild: Keystone)
Ottmar Hitzfeld am Dienstag an der Medienkonferenz in Luzern: «Die Erwartungen sind sicherlich gestiegen». (Bild: Keystone)
Philippe Senderos und Steve von Bergen offenbarten am Samstag doch einige Abstimmungsfehler, eventuell erhält Johan Djourou (Bild) eine neue Bewährungschance neben seinem früheren Teamkollegen Senderos. (Bild: Keystone)
Tranquillo Barnetta (Bild), Gelson Fernandes und Eren Derdiyok, die drei grossen Gewinner des Deutschland-Spiels, dürften unangetastet sein und auch in Luzern auflaufen. (Bild: Keystone)
Die Polizei eskortiert die rumänische Fussball-Nationalmannschaft zur swissporarena. (Bild: Keystone)
Spieler der rumänischen Nationalmannschaft am Dienstag in der swissporarena. (Bild: Keystone)
Zuletzt lieferten die Rumänen gute Resultate ab: (Bild: Keystone)
Im November schlugen sie EM-Teilnehmer Griechenland 3:1 und Ende Februar gab es ein beachtliches 1:1 gegen Uruguay. (Bild: Keystone)
Victor Piturca, Trainer der rumänischen Nationalmannschaft an der Medienkonferenz. (Bild: Keystone)
Admir Mehmedi. (Bild: Keystone)
Gökhan Inler (Bild: Keystone)

Der Frust ist den FCL-Spielern Adrian Winter (links) und Alain Wiss nach der Niederlage anzusehen. (Bild: Philipp Schmidli / Neue LZ)

Anstelle von Xhaka nahm Admir Mehmedi am Mittwoch die Position des Spielgestalters ein. Gegen die eher defensiv ausgerichteten und in der Abwehr kompakten Rumänen hatte der Söldner von Dynamo Kiew zwangsläufig einen schwierigeren Stand. «Er konnte aber auch nicht verbergen, dass er bei Kiew zuletzt nicht regelmässig gespielt hat», sagt Hitzfeld, der im Verlauf des Spiels noch andere Optionen testete. «Ich liess viel rochieren. Einmal rückte Tranquillo Barnetta, ein anderes Mal Valentin Stocker in die Mitte. Barnetta kann das, auch wenn er im Verein wenig dort spielt. Mit Stocker funktionierte das weniger gut, er ist links besser aufgehoben.»

Mehr Alternativen für die Nummer 6

Hitzfeld gab in seiner Nachbetrachtung zu, dass die optimale Lösung noch nicht gefunden ist. Aufgrund der beiden Testspiele gegen Deutschland und Rumänien ist davon auszugehen, dass Xhaka erster Kandidat für die Spielmacherposition ist. Zumal Hitzfeld als Nummer 6 neben Captain Gökhan Inler gleich mehrere starke Alternativen für Xhaka hat. Blerim Dzemaili hätte wohl neben seinem Napoli-Teamkollegen gespielt, wenn er sich im Trainingscamp nicht verletzt hätte. Gelson Fernandes lieferte gegen Deutschland eine herausragende Leistung ab und sowohl am Samstag als auch am Mittwoch kam im Verlauf des Spiels auch noch der Luzerner Alain Wiss als Nummer 6 zum Einsatz. Der FCL-Spieler hat mit den Innerschweizern eine starke Saison im defensiven Mittelfeld absolviert und dürfte mit der Schweiz auch ans olympische Fussballturnier reisen.

Hitzfelds Hauptproblem vor der nahenden WM-Ausscheidung im September ist jedoch nicht nur die Suche nach der optimalen Lösung auf der Position des Spielgestalters, sondern auch die fehlende Konstanz in der Innenverteidigung, wo er am Mittwoch mit Johan Djourou nicht zufrieden war. Hitzfeld: «Ende letzten Jahres beim 0:0 gegen Holland konnte Johan seine fehlende Spielpraxis im Verein noch kaschieren, gegen Rumänien aber nicht mehr. Ich kann ihm nur raten, diesen Sommer einen Klubwechsel vorzunehmen, damit er weiterhin mit Aufgeboten für die Nationalmannschaft rechnen darf. Das ist jedoch nur ein Ratschlag, entscheiden müssen andere. Djourou selber, seine Berater und schliesslich auch der bisherige Verein.»

Hauptproblem Spielpraxis

Damit spricht der Schweizer Coach sein grösstes Problem an. «Es gibt mehrere Spieler, die noch nicht wissen, wo sie nächste Saison spielen werden oder die bei ihren Klubs nicht erste Wahl sind. Diese fehlende Spielpraxis bereitet mir die grössten Sorgen. Einige Ligen beginnen erst sehr spät, kurz vor unseren ersten WM-Ausscheidungspartien. Glücklicherweise steht aber noch das olympische Turnier an, dann sind wenigstens diese jungen Spieler in Form, wenn wir Anfang September gegen Slowenien und Albanien spielen. Ich werde aber schon im August gegen Kroatien vor allem auf Spieler mit genügend Spielpraxis setzen.»

Diese Partie gegen den EM-Teilnehmer bildet die Hauptprobe für den WM-Qualifikationsstart. «Dann kann ich nicht mehr viel testen», sagt Hitzfeld, der die kommenden Gegner als Stolpersteine bezeichnet. «Man darf keine Mannschaft auf die leichte Schulter nehmen. Gerade in den letzten Testspielen haben Teams wie Bulgarien, Island, Finnland, Litauen oder Mazedonien mit überraschenden Ergebnissen gezeigt, dass man sie jederzeit ernst nehmen muss.»

si