HALBMARATHON FRAUEN: Schlumpf beweist den längeren Atem

Die Schweizer Steeple-Rekordhalterin Fabienne Schlumpf verfügt über mehr Reserven als die Chamer Marathon-Spezialistin Patricia Morceli. Sie landet einen wertvollen Sieg.

Jörg Greb
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Fabienne Schlumpf lässt auf der zweiten Streckenhälfte die Konkurrenz hinter sich. (Bild Roger Zbinden)

Fabienne Schlumpf lässt auf der zweiten Streckenhälfte die Konkurrenz hinter sich. (Bild Roger Zbinden)

Nach zwölf Männern erschien in der Zielanlage des Verkehrshauses bereits die erste Frau: Fabienne Schlumpf. Und die 24-jährige Zürcher Oberländerin strahlt: «Geil, 1:14.52 Stunden, Ziel erreicht.» Fokussiert angetreten war die aktuelle Schweizer Rekordhalterin über 3000 m Steeple und EM-Finalistin in dieser Disziplin im August in Zürich nicht. «Aus dem Aufbautraining heraus», nannte sie ihre Einstellung. Übersetzt heisst dies: Die talentierte, gross gewachsene Athletin lief während der ganzen Woche die derzeit angesagten 120 bis 130 Kilometer. Folge davon: geforderte, nicht erholte Beine. «Für mich trat dieser Halbmarathon in Luzern an die Stelle eines harten Trainings», sagt sie.

Topzeit in schwieriger Topografie

Doch das Ergebnis bereitete Spass. Um ihr erst zweites Rennen über die 21,098 km handelte es sich. Entsprechend vorsichtig war sie es angegangen. Eine so genannte «Negativ-Split-Zeit» legte sie so hin. Die zweite Hälfte lief sie also schneller. Dabei gelang es ihr auch, die vorerst vor ihr platzierte Marathon-EM-Teilnehmerin Patricia Morceli abzufangen und bis ins Ziel um 33 Sekunden sicher zu distanzieren. Julia Viellehner (De), Monika Oberlin (Reichenburg) und Gabi Nyffeler (Thunstetten) auf den nächsten Rängen lagen bereits 3.27, 4.27 und 8.35 Minuten zurück.

Wie stark Schlumpfs Schlusszeit ist, zeigt sich mehrfach. Nur Maja Neuenschwander, die EM-Neunte im Marathon und aktuelle Nummer 1 der Schweiz auf den langen Strassendistanzen, sowie Triathlon-Olympiasiegerin Nicola Spirig sind in diesem Jahr die Distanz schneller gelaufen – beide auf schnelleren Parcours. Luzern gilt mit seiner Topografie als nicht eben einfach und prädestiniert für Topzeiten. Und ebenfalls zeigt sich die Qualität in Schlumpfs Steigerung. Bei ihrer Halbmarathon-Premiere vor zwei Jahren am Greifenseelauf war sie in 1:20.20 Stunden gestoppt worden, also schier fünfeinhalb Minuten langsamer. «Ich erfreue mich einer guten Verfassung und freue mich auf weitere Rennen», sagt sie lachend. Die vorweihnächtlichen Stadtläufe hat sie primär vor Augen.

Morceli mit schlechten Beinen

Ihrer eigentlichen Favoritenposition nicht gerecht werden konnte Patricia Morceli. Die erfahrene Marathonläuferin aus Cham, mit 1:13.51 Stunden aus dem Jahr 2010 Streckenrekordhalterin in Luzern, beklagte «von Beginn an schlechte Beine». Die Hoffnung, dieses Befinden ändere sich im Laufe des Rennens, sah sie nicht erfüllt. «Ich war nie locker, das ganze Rennen war ‹es Knurz›», beklagt sie und rätselte auch. Besprechen müsse sie dies mit ihrem Trainer Fritz Schmocker und die richtigen Schlüsse für die Zukunft daraus ziehen. Angesteuert hatte Patricia Morceli mehr. «Eine Zeit unter 1:15 Stunden war klar mein Ziel», sagt sie.

Und angetreten war die 40-Jährige voller Optimismus. Vom EM-Marathon in Zürich hatte sie sich «sehr schnell und sehr gut» erholt. Nachdem sie seither nur ein 10-km-Rennen bestritten hatte, und dies zur eigenen Zufriedenheit, suchte sie nun über die halbe Marathondistanz eine Standortbestimmung.

Die gesuchte Bestätigung erhielt sie nicht. Vom eingeschlagenen Weg abbringen lassen wird sie sich dadurch aber nicht. Einige Crossläufe, vor allem aber die vorweihnächtlichen Stadtläufe sollen sie weiterbringen. Und der direkte Vergleich mit Fabienne Schlumpf ermöglicht dannzumal weitere Aufschlüsse.