HALBMARATHON FRAUEN: Starkes Comeback nach der Babypause

Simone Raatz (De) gewinnt vor der einheimischen Debütantin Yvonne Kägi. Für die 39-jährige Siegerin läuft alles genau nach Plan.

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Frauenpodest im Halbmarathon: Siegerin Simone Raatz (Mitte), die Zweite Yvonne Kägi (links) und Lisa Gubler. (Bild: Roger Zbinden)

Frauenpodest im Halbmarathon: Siegerin Simone Raatz (Mitte), die Zweite Yvonne Kägi (links) und Lisa Gubler. (Bild: Roger Zbinden)

Jörg Greb

Sie strahlte: «Siegen ist immer schön, und wenns so knapp ist, dann sorgt dies für eine zusätzlich spezielle Note.» Die Süddeutsche Simone Raatz setzte sich nach 2012 zum zweiten Mal über die Halbmarathon-Distanz am Swiss City Marathon – Lucerne durch. Und obwohl sie dieses Mal mit ihren 1:18:46 Stunden für die 20,1 km 100 Sekunden weniger benötigte als damals, fiel ihr das Siegen deutlich schwerer. Grund dafür war die bedrohlich aufrückende Yvonne Kägi. Der Innerschweizerin fehlten schliesslich 11,7 Sekunden.

«Nein, richtig nervös wurde ich nicht», sagte die 39-jährige Siegerin. Ihre letzten Reserven musste sie nicht anzapfen. Von Beginn an hatte sie in Führung gelegen. Und sie kontrollierte bis zum Schluss «das Geschehen wie geplant». Als ihr der Velobegleiter auf den letzten Kilometern mitteilte, dass von hinten Gefahr drohe, spürte sie einen «zusätzlichen Kick» und zeigte sich «froh, dass das Ziel rasch da war». So fiel sämtliche Last von ihren Schultern: «Meine Taktik ging auf, und die Rückenprobleme, die mich im Vorfeld etwas verunsichert hatten, wurden zu keiner Hypothek.» Dass sie schneller war als vor drei Jahren, bedeutete ihr nicht besonders viel. Damals hemmten Schnee und Kälte das Laufen, diesmal war das Wetter perfekt.

Unterstützung von ihrem Ehemann

Die Sicherheit der Simone Raatz ist anhand ihrer jüngsten Geschichte überraschend. Erst Mitte Januar gebar sie ihr erstes Kind. Und sie lief seit diesem einschneidenden Ereignis ihren ersten Halbmarathon. Deshalb war kein Diskussionsthema, dass sie ihre persönliche Bestmarke um gut drei Minuten verpasste: «Wichtig war das Zurückkommen.» Selbstvertrauen im Hinblick auf Luzern vermittelte ihr vor sechs Wochen der Test an der Deutschen 10-km-Strassenlauf-Meisterschaft. Mit der «sehr zufriedenstellenden Zeit von 35:29 Minuten» belegte sie damals Platz 3 in der Kategorie Frauen 35.

Luzern erlebte Simone Raatz zum dritten Mal. Letztes Jahr begleitete sie ihren Ehemann, den renommierten Deutschen Lauf-Journalisten Wilfried Raatz, zu ihrem Lieblingsrennen. Nur eben: Hochschwanger war Mitlaufen natürlich kein Thema – dafür Mitfiebern am Streckenrand. Diese Aufgabe übernahm nun wieder ihr Ehemann. Er schoss die Fotos von der Strecke mit seiner Partnerin in einer Hauptrolle, er sorgte sich aber ebenso um den Nachwuchs.

Yvonne Kägis ­Ersatzfreude

Nicht als knapp Geschlagene, sondern als zweite Siegerin fühlte sich Yvonne Kägi. Die 28-Jährige aus Ebikon hatte allen Grund dazu. Für ihre Halbmarathon-Premiere hatte sie sich in erster Linie das Durchkommen vorgenommen. Im Hinterkopf hatte sie aber eine persönliche Wunschzeit: 1 Stunde und 20 Minuten. Diese Zeit unterbot sie um mehr als eine Minute – obwohl, so betonte sie: «Hügelläufe sind nicht meine Paradedisziplin.»

Kägi war als Jugendliche und junge Läuferin über die Bahndistanzen 1500 und 5000 m als Talent aufgefallen. Silber- und Bronzemedaillen gewann sie, leider nie Gold. Die letzte Saison sorgte für eine Zäsur. Wegen einer Entzündung der Plantarsehne musste sie die ganze Sommersaison abschreiben. Nun sattelte sie erfolgreich auf die Strasse um. Mit ihren 34:53 Minuten über 10 km belegt sie in der aktuellen Schweizer Bestenliste Position 6. Eine Zeit, die aufzeigt, dass über längere Distanzen Potenzial brachliegt.

Simone Raatz läuft ins Ziel. (Bild: Roger Zbinden)

Simone Raatz läuft ins Ziel. (Bild: Roger Zbinden)

Die Debütantin Yvonne Kägi beim Zieleinlauf. (Bild: Roger Zbinden)

Die Debütantin Yvonne Kägi beim Zieleinlauf. (Bild: Roger Zbinden)