HALBMARATHON MÄNNER: Nicolas Collas überrascht alle – nicht nur mit seinem Sieg

Der 34-jährige Baselbieter Nicolas Collas gewinnt in Luzern über die 21,0975 Kilometer – und sorgt damit im Ziel für Verwirrung.

Stefan Klinger
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Sieger Nicolas Collas – angeschrieben ist er als Tommy. (Bild Roger Zbinden)

Sieger Nicolas Collas – angeschrieben ist er als Tommy. (Bild Roger Zbinden)

Wenn Nicolas Collas gewusst hätte, welche Ausmasse das Ganze einmal annehmen würde, dann hätte er wohl auf diesen einen Jux vor knapp elf Jahren verzichtet: Denn damals meldete sich der heute 34-Jährige aus Binningen BL am Zürcher Silvesterlauf an. Und das – warum auch immer – unter falschem Namen. Als Tommy Versetti. In Anlehnung an den Protagonisten eines damals aktuellen Computerspiels, Tommy Vercetti. Das Problem jedoch: Seither wird Collas beim Zeitmesser Datasport eben als Tommy Versetti geführt.

Collas siegt in 1:11.22 Stunden

Entsprechend gross war gestern die Verwirrung im Ziel, als Collas gestern nach 1:11.22 Stunden als Erster die Ziellinie überquerte, dabei auf der Startnummer den Vornamen Tommy trug, aber dann allen erklärte, dass er in Wirklichkeit Nicolas heisse. Woher hätte er auch ahnen sollen, dass er den Luzerner Halbmarathon 2014 gewinnen und damit ins Rampenlicht rennen würde? «Meine Halbmarathon-Bestzeit ist zwar 1:08 Stunden, aber ich habe mich auf diesen Lauf nicht wirklich vorbereitet. Ich dachte, dass da noch ein paar Kenianer oder Äthiopier mitlaufen und ich eh keine Siegchance haben werde», sagt er, «ausserdem war ich am Samstagabend noch bis gegen ein Uhr im Ausgang.»

Ziel: 5 km Strasse unter 15 Minuten

Denn der Plan war ursprünglich ein ganz anderer gewesen: Eigentlich hätte er nur als Pacemaker für seinen Kumpel Olivier Mueller fungieren sollen, der in Luzern unbedingt unter 1:45 Stunden bleiben wollte. Doch als Mueller dann am Start die mit einem Ballon, auf der die anvisierte Zielzeit stand, ausgestatteten offiziellen Pacemaker des Veranstalters sah, liess dieser Collas von der Leine. Immerhin laufe er ohnehin die ganze Zeit mit einem Kopfhörer im Ohr und höre Musik. Also schaute Collas mal, was für ihn selbst trotz der suboptimalen Vorbereitung an diesem Tag möglich sein würde. Und das war zwar einiges, wie sich herausstellen sollte, doch danach hatte es zunächst nicht ausgesehen. «Ich habe gehofft, dass ich möglichst lange vorne mithalten kann. Als wir dann den ersten Kilometer in 3.06 Minuten zurückgelegt haben, habe ich mir schon gedacht: Oje, das geht nicht lange gut», sagt er, «zu diesem Zeitpunkt hätte ich nie gedacht, dass ich am Ende gewinne. Dieser Sieg ist absolut überraschend.»

Zumindest in seiner Entstehung am gestrigen Sonntag. Denn ein ganz normaler Hobbyläufer, der hin und wieder mal ein wenig joggt, ist Collas freilich auch nicht. Als 16-Jähriger hat er angefangen, mehrmals wöchentlich ein Lauftraining zu absolvieren. Noch bis vor nicht allzu langer Zeit hat er das so intensiv betrieben, dass er bei Volksläufen, vor allem wenn sie zwischen fünf und zehn Kilometer lang waren, zahlreiche Siege herauslief.

Inzwischen schränkt ihn sein Job als Personaltrainer in der betrieblichen Gesundheitsförderung eines Unternehmens jedoch ein wenig ein. «Mein Trainingsumfang beträgt im Schnitt etwa 70 Kilometer pro Woche», sagt er, «ich gehe darüber hinaus zwar noch mehrmals die Woche mit Kunden laufen, aber dabei kann ich dann nicht mein Tempo laufen, und mache mit ihnen immer wieder Übungen. Ausserdem absolviere ich zurzeit eine Weiterbildung, die auch viel Zeit in Anspruch nimmt.»

Doch ein Ziel, bei dem sich die Vorbereitung darauf auch gut mit seinem Job und seiner Weiterbildung vereinen lässt, hat er sich für dieses Jahr noch gesetzt: Beim Stadtlauf in Langenthal, wo er im vergangenen Jahr über die fünf Kilometer in 15.13 Minuten gewann, will er diesmal unbedingt unter 15 Minuten bleiben. Der Lauf findet am 22. November statt. Bis dahin hat Nicolas Collas noch ein wenig Zeit, zu trainieren – und mit Datasport seinen Namen zu ändern.