HANDBALL: Adi Blättler - der Mann für positive Emotionen

Harzt es im Getriebe von Kriens, ist Adi Blättler mit seinen Motivationskünsten zur Stelle. Heute gegen Suhr (Krauerhalle, 16.30 Uhr) würde der HCK gerne auf diese Sonderdienste verzichten.

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Pfeilschneller Gegenstossspezialist: Kriens-Flügel Adi Blättler (hier im Spiel gegen Gossau) hat seinen Vertrag bis Sommer 2019 verlängert. (Bild: Dominik Wunderli (Kriens, 25. September 2016))

Pfeilschneller Gegenstossspezialist: Kriens-Flügel Adi Blättler (hier im Spiel gegen Gossau) hat seinen Vertrag bis Sommer 2019 verlängert. (Bild: Dominik Wunderli (Kriens, 25. September 2016))

Roland Bucher

sport@luzernerzeitung.ch

Adi Blättler (22) ist eine der Trouvaillen aus dem Krienser Talentschuppen: jung, zielstrebig, selbstbewusst und als Torewerfer so kaltschnäuzig, dass sich jeder Handballtrainer über eine solche Nummer 2 auf der linken Flügelposition die Finger schleckt. Die Nummer 2: Die war das 1,72 Meter grosse und 73 Kilo leichte Eigengewächs drei Jahre lang hinter Vukasin Stojanovic. Der Bosnier musste Ende letzter Saison die Koffer packen, Jost Brücker, der Urner, kam. Und Blättler war wieder nur die Nummer 2. «Nur?», fragt der pfeilschnelle Gegenstossspezialist. Er betont: «Wenn mich der Trainer aufs Feld beordert, dann bin ich parat.»

Dieser Tage ist der Team-Benjamin die Rolle des Notnagels ohnehin los: Brücker ist verletzt, Blättler auf Linksaussen gesetzt. «Diese Verantwortung übernehme ich gerne», erläutert er. «Ich will dem Team helfen, dass wir unsere Ziele erreichen. Ich will gut spielen und das Beste für die Mannschaft. Ich will auch mit meiner Art, auf dem Spielfeld und auf der Bank ein Feuer zu zünden, positive Energie entwickeln.» In Thun beim Finalrunden-Auftakt war er mit fünf Treffern und fast perfekter Abschlussquote der effizienteste Krienser.

Eine Portion gesunde Arroganz

Das war ein schwacher Trost. Der HCK lag nach der Pause in den Seilen, verlor am Ende ziemlich kläglich. «Es war nicht das, was wir uns vorgestellt haben», lässt Blättler in die Gemütslage seiner Mannschaft blicken. «Das haben wir am Montag auch ausdiskutiert.» Aber keine Spur vor überhart aggressiver Manöverkritik: «Dazu gabs keinen Grund. Die Gespräche waren sehr konstruktiv. Wir wissen jetzt, dass wir einen Zahn zulegen müssen.» Heute zum Beispiel gegen Suhr. Die Aargauer stehen in der Bredouille, eine weitere Niederlage würde mehr oder weniger das Ende möglicher Playoff-Träume bedeuten. Adi Blättler weist auf die Unberechenbarkeit dieses Gegners hin, der in der Vorrunde zum Beispiel Schaffhausen bodigte und auch Kriens an den Karren fuhr: «Wir müssen zu 100 Prozent parat sein.» Wenn diese Selbsterkenntnis zum Tragen komme, dann «werden wir dieses Spiel gewinnen» und in der Endabrechnung auch den Schritt in die Playoffs erzwingen. «Wir haben eine gute Equipe, wir dürfen und müssen an uns glauben», sagt Blättler. Und ohne Überheblichkeit provozieren zu wollen, betont der Ur-Krienser: «Wir haben so etwas wie eine gesunde Arroganz entwickelt.»

Chef will wissen, was läuft

Adi Blättler hat kürzlich seinen Vertrag mit dem HC Kriens-Luzern bis Sommer 2019 verlängert. Er begründet diesen Schritt einerseits mit der Tatsache, dass «es mir beim HCK wirklich unerhört gut gefällt», anderseits mit seinem Arbeitgeber. «Mein Chef ist ein Handball-Begeisterter», bedankt sich der ausgebildete Gebäudetechniker in Fachrichtung Sanitär. «Er gibt mir für jedes Training freie Zeit. Ausserdem will er wissen, was läuft und wie es mir geht.»

Eine Frage kann Adi Blättler indes noch nicht beantworten: Wann steigt die Nummer 2 endgültig zur Nummer 1 auf?