HANDBALL: Auf dem Weg zurück nach oben

Mit seinen 20 Jahren schnupperte der junge Urner bereits NLA-Luft. Jetzt erhält der talentierte Flügel und Linkshänder viel Vertrauen und überzeugt mit starken Auftritten.

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Fabian Auf der Maur: Der junge Urner hat sich beim (Bild Urs Hanhart)

Fabian Auf der Maur: Der junge Urner hat sich beim (Bild Urs Hanhart)

Dem HC KTV Altdorf gelingt in der Saison 2012/13 eindrucksvoll der Aufstieg in die höchste Schweizer Liga. Teams wie Kadetten Schaffhausen, ­Pfadi Winterthur oder Kriens-Luzern standen an der Tagesordnung. Das Jahr in der NLA hatte neben namhaften Gegnern und grossem Zuschauerinteresse auch seine Schattenseiten. Das einjährige Verweilen in der besten Liga war vor allem für die jungen Spieler nicht immer einfach: «Manchmal war es etwas deprimierend, weil ich nur wenige Einsatzminuten hatte», erklärt der Urner. Doch er konnte und musste sich mit dieser Begebenheit schnell arrangieren und anfreunden. Obwohl «Sürli» – so wird er in seinem Freundeskreis genannt – das Spielgeschehen meist von der Bank aus beobachten musste, hatte er keine Mühe, sich dem Team unterzuordnen. «Ich hatte einen starken Konkurrenten auf meiner Position. Trotz der spärlichen Einsatzzeit war das Jahr eine lehrreiche Erfahrung für mich.»

Von der ETH direkt ins Training

Fabian Auf der Maur kommt nicht aus einer typischen Handballer-Familie. Seine drei Schwestern haben nichts mit Handball am Hut. Doch Priska, die älteste seiner drei Geschwister – den meisten in der Urner Sportszene bekannt –, konnte hingegen in der Leichtathletikszene für Furore sorgen und schon einige Schweizer-Meister-Titel feiern. Fabian erinnert sich noch an die Anfänge mit dem Handball. «Als 8-Jähriger nahm ich erstmals an einem Handball-Schülerturnier teil. Das Turnier weckte in mir die Faszination zum Handball», erinnert er sich zurück. «Beim Handball geht es schnell hin und her. Das Spiel ist sehr körperbetont – Mann gegen Mann –, das reizt mich an diesem Sport», begründet «Sürli» seine Leidenschaft.

Seit über einem Jahr studiert der Urner Maschinenbau an der ETH in Zürich. Unter der Woche teilt er mit anderen Studenten eine Wohngemeinschaft. Drei Mal pro Woche geht es dann nach Altdorf zum Training und am Dienstag und Donnerstag wieder zurück nach Zürich. «Der Zeitaufwand ist gross, doch es lohnt sich. Handball ist eine passende Ergänzung zum trockenen Studienalltag», sagt der aufgeweckte 20-Jährige, der sich in der Freizeit für die Jungwacht engagiert.

Stresssituationen im Spiel

Daniel Lussi heisst der derzeitige Coach vom KTV Altdorf und unterstützt den Kroaten Mario Obad – welcher seit dem Sommer als Spielertrainer bei den Altdorfern amtet und nach dem Abstieg das Team wieder auf die Erfolgsspur zurückführen soll. Angesprochen auf die Nachwuchshoffnung Auf der Maur, sagt Lussi: «Konditionell ist er auf einem guten Niveau. Man spürt seinen unbändigen Willen im Training. Er ist stets engagiert und will das Beste aus sich herausholen», lobt er seinen Schützling. Doch er sieht auch einiges an Verbesserungspotenzial: «Manchmal zweifelt er noch zu stark an sich. Während des Spiels ist er häufig in Stresssituationen, welchen er so im Training nicht ausgesetzt ist. Mit zunehmender Routine und Trainingseinheiten wird er in seinem Spiel noch mehr Sicherheit bekommen.»

Fabian Auf der Maur durchlief beim KTV Altdorf die Juniorenabteilung, konnte mit der SG Stans/Altdorf in der U 17 und U 19, der Elite- und Inter-Kategorie spielen und wertvolle Erfahrungen sammeln. Daniel Lussi war damals schon während vier Jahren Trainer des 20-Jährigen. «Er war damals der Jüngste in der Mannschaft und übernahm schon Verantwortung», erinnert sich Lussi.

Die lehrreichen Erfahrungen aus der NLA konnte Fabian Auf der Maur mit in die neue Saison nehmen. Der KTV Altdorf spielt ab diesem Sommer nicht mehr auf höchster Stufe, sondern in der NLB. Damit die Truppe in der höchsten Liga hätte bestehen können, fehlte unter anderem die Breite im Kader. In der aktuellen Saison ist der rechte Flügel zu einer Stammkraft gereift, doch überraschend kommt dies für ihn nicht: «Nach dem Abgang von Daniel Röösli wurde kein neuer rechter Flügel transferiert. Ich bekam das Vertrauen vom Trainer und kann mich auf dieser Position beweisen», erklärt er selbstbewusst. In den bisherigen 13 Partien der aktuellen Saison kam er immer zum Einsatz und dankte dies mit starken Auftritten.

Bis auf eine Ausnahme gelang ihm in jeder Partie mindestens ein Treffer. Dennoch ist er mit seinen gezeigten Leistungen nicht ganz zufrieden: «In den letzten Spielen war meine Chancenauswertung nicht genügend», äussert er sich selbstkritisch und sagt: «Ich bekomme viele Einsatzminuten, doch in der Effizienz im Torabschluss muss ich mich noch verbessern.» Im bisherigen Saisonverlauf gelangen dem in Altdorf wohnhaften Fabian Auf der Maur bereits über 40 Treffer. Damit ist er der viertbeste Skorer im Team. Für sein Alter eine bemerkenswerte Leistung. Doch Fabian weiss, in welchen Bereichen er sein Potenzial noch nicht ausgeschöpft hat: «Der mentale Aspekt spielt im Handball eine wichtige Rolle und wird meist unterschätzt. Manchmal bin ich im Kopf nicht ganz bereit.» Das Team habe diese Saison das Hauptaugenmerk vor allem auf das defensive Verhalten gelegt, dies sei ihm entgegengekommen, denn dort sieht er bei sich noch viel Luft nach oben.

Studium hat Priorität

Hinsichtlich seiner zukünftigen Ziele im Handball ist der Linkshänder noch im Ungewissen. Wo soll der Weg zukünftig hinführen? Zu einem Bundesligaverein oder zu einem Spitzenteam in der NLA? «Darüber habe ich mir noch nicht so viele Gedanken gemacht. Mein Studium hat Priorität», so der Student. Der in Zürich Studierende betont, dass es für das Team während des einjährigen Zwischenstopps in der höchsten Schweizer Liga schwierige Momente zu überstehen gab. «Dass es uns nicht gelang, während der ganzen Saison wenigstens ein Spiel zu gewinnen, nagte an unserem Selbstvertrauen. Vor allem den jungen Spielern machte die ungewohnte Situation zu schaffen», sagt Fabian. Zurzeit auf dem dritten Tabellenrang klassiert, ist der Verein des Urner Hauptorts gut gestartet und kann optimistisch auf das kommende Jahr blicken. Ein Grund für den gelungenen Saisonstart sei der neue Spielertrainer Mario Obad. «Seine Art und Weise, wie er auf und neben dem Platz auftritt, ist sehr professionell. Es ist sehr angenehm, mit ihm zu arbeiten», betont Fabian.

Coach Daniel Lussi ist bezüglich Perspektiven des 20-Jährigen überzeugt. «Er kann NLA-Spieler werden. Die Vor­aussetzungen sind vorhanden.»

Philipp Zurfluh