HANDBALL: Christen: «Ich hoffe auf Gier und Galligkeit»

Der HC Kriens-Luzern überzeugte mit einer mehr als ordentlichen Qualifikation. CEO Nick Christen verrät, was ihm Freude bereitet hat – und was alles möglich wäre.

Roland Bucher
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Nick Christen, CEO des HC Kriens-Luzern. (Bild: Manuela jans-Koch (Kriens, 18. April 2016))

Nick Christen, CEO des HC Kriens-Luzern. (Bild: Manuela jans-Koch (Kriens, 18. April 2016))

Nick Christen, wer im Herbst gegen Branchenkönig Schaffhausen einmal gewinnt, einmal verliert und einmal quasi unentschieden spielt, hat im Frühjahr Grosses los. Hat Kriens-Luzern Titelreife?

Wir sind stolz, dass wir Schaffhausen entgegengehalten haben. Aber dieser Verein ist uns nach wie vor in fast jeder Beziehung um Galaxien voraus. Das ist ein Fakt. Aber es kann durchaus passieren, dass Kriens-Luzern Meister wird. Wenn bei den anderen starken Gegnern nichts, bei uns alles zusammenpasst.

Zufrieden oder eher nicht mit dieser Qualifikation?

Ja, ich bin zufrieden. Die zwei, drei kleinen Durchhänger am Schluss sind erklärbar: Das Team lief auf dem Zahnfleisch. Einer wie Dani Fellmann hat praktisch jeden Match 60 Minuten durchgespielt, Unglaubliches auf mehreren Positionen geleistet. Unsere Vorgabe waren 26 Quali-Punkte. Wir haben das nicht ganz erreicht, aber daraus machen wir kein Szenario. Mental haben wir einen grossen Schritt nach vorne gemacht. Die Spieler wollen etwas zusammen erreichen.

Unwillkommener Begleiter Ihrer Mannschaft war die Verletzungshexe. Die Goalies Bar und Portmann, Baviera, Hofstetter, Nyffenegger, Schramm und Spengler hinkten statt sprinteten immer wieder mal ans Spiel. Falsch trainiert, falsch rehabilitiert?

Unsere medizinische Abteilung ist die beste, die ich als Spieler, Trainer und CEO je kennen gelernt habe. In einem Punkt gebe ich aber Recht: Wir arbeiten sehr intensiv, bei uns gibts im Training keinen Halbmast. So gibts halt mal eine Blessur. Und: Wenn sich, wie beispielsweise Baviera am letzten Montag im Training, einer beim Zweikampf die Nase bricht, dann ist das einfach Pech. Handball ist eine Kampfsportart.

Die Niederlage im Cup-Viertelfinal war ein Dämpfer. Die Quintessenz daraus?

Dass Glück und Pech nahe beieinanderliegen. Wir hätten den Sieg verdient gehabt. Aber wir stehen wieder auf. Ich erhoffe mir, dass unsere Spieler diesen Match nie vergessen, hässig auf diese Niederlage sind, in der Finalrunde und in den Playoffs eine Gier und Galligkeit entwickeln. Dann hatte diese schmerzhafte Niederlage auch ihre gute Seite.

Sportlich läuft es gut, das Hallenprojekt aber hat eine Verzögerung zu verkraften. Führt dies zu Änderungen in der sportlichen Zielsetzung?

Wir wären natürlich lieber gestern als übermorgen eingezogen. Aber man kann auch kontern: Gut Ding will Weile haben. Ich hoffe, dass schliesslich alle am gleichen Strick ziehen. Es geht nicht nur um den Handball, es geht auch um die NLA-Teams der Basket- und Volleyballer. Luzern und seine unmittelbare Region bleiben ohne diese Halle in sportlicher Hinsicht arg benachteiligt.

Mittel- und langfristig ...

... arbeitet der HC Kriens-Luzern nach wie vor daran, einmal einen Pokal stemmen zu dürfen. Wir werden das schaffen, aber wir werden das nicht blindwütig anstreben. Unser Klubcredo war stets die Nachhaltigkeit. An dieser Philosophie wird kein Millimeter geschraubt.

Interview: Roland Bucher

sport@luzernerzeitung.ch