HANDBALL: Darum ist der LK Zug Favorit

Spono Nottwil gegen LK Zug, heute Abend (19.30, SPZ) startet der Playoff-Final der Frauen im Best-of-3-Modus. Sponos Assistentin Caro Emmenegger und LKZ-Trainer Damian Gwerder äussern sich zum Showdown.

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Damian Gwerer, Trainer von LK Zug,  und Caro Emmenegger, Assistenztrainerin bei Spono Nottwil. (Bild: Eveline Beerkircher/Philipp Schmidli / Neue LZ)

Damian Gwerer, Trainer von LK Zug, und Caro Emmenegger, Assistenztrainerin bei Spono Nottwil. (Bild: Eveline Beerkircher/Philipp Schmidli / Neue LZ)

Stephan Santschi

Drei Meistertitel gewann Spono Nottwil in seiner bisherigen Vereinsgeschichte 2000, 2001 und letztmals 2006. Bei allen zog Caro Emmenegger als Spielmacherin die Fäden. 23 Jahre spielte sie Handball, 86-mal lief sie für das Schweizer Nationalteam auf. Heute ist sie die Assistenztrainerin von Urs Mühlethaler. Das Wissen, wie man Titel gewinnt, will sie im bevorstehenden Playoff-Final gegen den LK Zug in die Waagschale legen. «Die entscheidenden Spiele sind die prägendsten in einer Karriere. Wichtig ist: Wenn man hinten liegt, darf man nicht die Geduld verlieren und das Gefühl haben, man müsse das Spiel in den nächsten zwei Minuten wieder drehen», erzählt sie.

«Wir liegen Zug am wenigsten»

Die bald 43-jährige Nottwilerin strotzt vor Vorfreude und Zuversicht. Sie weiss, dass Spono in dieser Saison bereits dreimal gegen Titelverteidiger Zug gewann und nur einmal verlor. «Wir sind jenes Team, das den Zuge­r­innen am wenigsten liegt. Wir wissen, wie wir ihnen das Leben schwer machen können.» Emmenegger spricht von einer klaren Aufgabenverteilung, von athletischen, spielerischen und defensiven Fortschritten. Und sie ist sicht­lich beeindruckt, wenn sie über Mühlethaler spricht, den Schweizer Handball-Doyen, der in dieser Saison erstmals eine Frauen-Equipe trainiert. «Urs bereitet sich enorm akribisch auf jedes Training vor, obwohl er dank seiner Erfahrung vieles aus dem Ärmel schütteln könnte», berichtet Emmenegger. Mühlethaler strahle grosse Präsenz aus, nehme sich Zeit für jede Spielerin. Sie stelle auch fest, dass im Training viel mehr aufs Tor geworfen werde, als man es sich gewohnt war. «Davon profitieren die Schützinnen und die Goalies.»

Emmeneggers spezielle Rolle

Die Rollenverteilung zwischen Mühlethaler und Emmenegger ist dabei klar. Während Mühlethaler fordernd und knallhart sei, glätte sie zwischendurch die Wogen, erzählt die ausgebildete Primarlehrerin und Mutter von drei Töchtern. «Wir ergänzen uns sehr gut. Er übernimmt den bösen, ich den lieben Part.» Emmenegger kann sich in Spielerinnen, aber auch in Spielsituationen einfühlen. Sie profitiert von ihrer Erfahrung und ihrer Vielseitigkeit als Spielerin. Mit einem Lächeln erinnert sie sich an eine Partie mit dem Nationalteam, während der sie auf sämtlichen sechs Angriffspositionen zum Einsatz kam.

Urs Mühlethaler schätze ihre Inputs, gehe immer wieder darauf ein, sei aber der klare Chef. «Lässig», bezeichnet sie die Zusammenarbeit, an deren Ursprung die Neugier stand. Neugier über die Arbeitsweise des 61-jährigen Berners, der im Männer-Handball vier Schweizer Meistertitel holte, das Schweizer Nationalteam coachte und in der Deutschen Bundesliga wirkte. Richtig lässig wird es in Nottwil aber erst dann sein, wenn Spono Meister wird. Sieben Playoff-Finals haben die Luzernerinnen seit 2006 verloren, zwei davon 2010 und 2014 – gegen den LK Zug. Nun wollen die Luzernerinnen den Zement, in den der Ruf des ewigen Zweiten gegossen ist, aufbrechen. Emmenegger, die dreifache Schweizer Meisterin, glaubt an ihr Team: «Wir sind reifer geworden. Wir werden alles geben und bestimmt nicht verzweifeln.»

Drei Meistertitel und zwei Cupsiege, so lautet die Trophäensammlung von Trainer Damian Gwerder mit dem LK Zug. Die letzte errang sein Team am letzten Sonntag in Olten am Final Four, wo man Brühl St. Gallen im Halbfinal und Thun im Cupfinal besiegte. «Die Stimmung ist top. Wir haben zwar Substanz verloren, das waren zwei harte Spiele. Doch wir haben die Sicherheit und das Vertrauen, auf dem richtigen Weg zu sein. Wir sind bereit, den zweiten Kübel zu holen.»

In den Worten von Damian Gwerder schwingt die Gewissheit eines Champions mit. Zwar beendete man die Finalrunde hinter Nottwil auf Rang 2, zwar holte man in fünf Spielen nur drei Punkte gegen den Derbyrivalen. Doch in Zug wissen sie mittlerweile: Wenn es darauf ankommt, ist man bereit. Entsprechend selbstbewusst beurteilt Gwerder die Ausgangslage. «Die Vorteile liegen mit 51:49-Prozent bei uns. Nottwil hat ein gutes Team. Wenn wir aber eine normale Leistung abrufen, werden wir diesen Final gewinnen.»

Gwerder setzt auf Spass

Seit 2007 wirkt Gwerder beim LK Zug, zunächst als Assistent von Peter Stutz, später als gleichberechtigter Partner, mittlerweile als Hauptverantwortlicher für Spielkonzept und Coaching. 2010 trug die Arbeit des Duos mit dem ersten (Meister-)Titel der Vereinsgeschichte erstmals Früchte. Doch wie schafft es der impulsive Trainer nach all den Erfolgen, den Hunger nach mehr aufrechtzuerhalten? «Das glauben Sie mir wahrscheinlich nicht. Aber grundlegend ist es der Spass am Handball», sagt der 51-jährige Muotathaler. Sie stünden so viele Stunden in der Handballhalle, bräuchten so viele Fehler, um auf den Gipfel zu kommen ohne Spass würde das nicht klappen.

Wenn er dann nach dem Gewinn des Doubles so wie im letzten Sommer – zu Saisonbeginn wieder den Gewinn der Meisterschaft und des Cups vorgebe, dürfe dies nicht nur eine Floskel des Trainers sein. «Wir sind authentisch und ehrlich. Solche Ziele müssen wir miteinander tragen. Letztlich geht es nur über harte Arbeit.» Der vierfache Familienvater und Primarlehrer fordert von seinen Spielerinnen auch Demut. «Dann, wenn wir vorübergehend von unserem Weg abkommen und feststellen, dass es so nicht geht.»

Rückschläge positiv sehen

Gwerder lässt sich auf dem Weg zu neuen Triumphen auch nicht von Verletzungen und wichtigen Abgängen beirren. Das war 2010 so, als man auf dem Weg zur Meisterschaft die wegziehende Ariane Geissmann und die werdende Mutter Jacqueline Petrig ersetzen musste. Und das ist auch in dieser Saison so, weil sich Spielmacherin Ivana Ravlic schon im September das Kreuzband riss und Abwehrturm Seline Ineichen den LKZ in der Winterpause Richtung Bundesliga verliess. «Wir hadern nicht, wir haben eine positive Einstellung und nehmen die Herausforderung an. Wir haben ein Konzept, das nicht nur auf einige wenige, sondern auf alle zugeschnitten ist», sagt Gwerder. «Klar habe ich auch das Glück, dass die Spielerinnen mir glauben. Schliesslich habe ich schon bewiesen, dass ich mit dem, was ich tue, erfolgreich sein kann.»

Nottwil vs. Zug im Direktvergleich

Goalie

Das grosse Nottwiler Manko der letzten Jahre ist kleiner geworden. Fa- bienne Huber und Newcomerin Laila Troxler beweisen Konstanz. Findet Zugs Laura Innes nach ihrer Ellbogenverletzung zur Topform zurück, kann sie aber wieder das Zünglein an der Waage spielen. 1 Punkt für Zug.

Stand: 0:1 für Zug.

Abwehr

Die 3:2:1-Abwehr ist seit Jahren ein Eckpfeiler des Zuger Erfolgs und Auslöser vieler Gegenstosstore. Sponos Abwehr hat an Robustheit zugelegt. Dass sie im entscheidenden Moment dichthalten kann, hat sie aber noch nicht bewiesen. 1 Punkt für Zug.

Stand: 0:2 für Zug.

Angriff

Spono verfügt mit der geschmeidigen Rahel Furrer, der dynamischen Judith Matter und der wurfstarken Lisa Frey über alle Erfolgskomponenten. Zug setzt auf die Wucht von Liga-Topskorerin Sibylle Scherer und Schwander sowie auf die Cleverness von Kreisläuferin Ariane Geissmann. Insgesamt wirkt Sponos Angriff variabler. 1 Punkt für Nottwil.

Stand: 1:2 für Zug.

Trainer

Zugs Damian Gwerder gewann innerhalb von sechs Jahren fünf Titel, dem Muotathaler macht im Frauenhandball keiner etwas vor. Ihm gegenüber steht einer, der im Männerhandball zahlreiche Erfolge feierte: Urs Mühlethaler. Wenn einer den Meisterpokal nach Nottwil zurückbringen kann, dann der handballverrückte Berner. Je 1 Punkt für beide.

Stand: 2:3 für Zug.

Direktduell

Fünf Duelle gab es in dieser Saison zwischen diesen beiden Teams. Spono gewann drei, Zug eines, eines endete remis. Spono wirkte insgesamt bissiger, spielte sich phasenweise in einen Rausch. 1 Punkt für Nottwil.

Stand: 3:3 unentschieden.

Heimvorteil

Spono hat in der Best-of-3-Serie dank Rang eins in der Finalrunde den Heimvorteil. In den fünf Direktduellen fiel dies mit nur einem Heimsieg aber nicht ins Gewicht. Die Anfahrtswege sind kurz, die beiden Fanlager halten sich die Waage. Je 1 Punkt für beide.

Stand: 4:4 unentschieden.

Mentalität

Zug strahlt das Selbstverständnis eines Champions aus, Nottwil trägt die Last der vielen zweiten Plätze aus der Vergangenheit. Die Winnermentalität des Titelverteidigers entscheidet das Duell zweier ebenbürtiger Mannschaften. Zug wird wieder Meister. 1 Punkt für Zug.

Schlussstand:

4:5 für Zug