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HANDBALL: «Der Titel ist nur eine Zwischenetappe»

Trainer Urs Mühlethaler formte die Spono Eagles zum Meisterteam. Der 62-jährige Berner spricht über den Weg zum Erfolg. Und erklärt, weshalb es sein eindrücklichster ist.
Spono-Trainer Urs Mühlethaler freut sich über den Schweizer Meister-Titel. (Bild: Keystone)

Spono-Trainer Urs Mühlethaler freut sich über den Schweizer Meister-Titel. (Bild: Keystone)

Interview Stephan Santschi

Urs Mühlethaler, die Spono Eagles sind nach zehn Jahren wieder Schweizer Meister. Für Sie als Trainer vergingen seit dem letzten Erfolg aber sogar 17 Jahre. Wie fühlt sich das an?

Urs Mühlethaler*: (schmunzelt) Nun, ich war in den vergangenen 17 Jahren ja nicht ununterbrochen als Trainer tätig, ich hatte dazwischen eine Pause. Jeder Titel bereitet mir Freude, jener mit Nottwil macht mich aus zwei Gründen stolz: Weil ich der erste Trainer bin, der sowohl bei den Männern als auch bei den Frauen Schweizer Meister wurde. Und weil wir es geschafft haben, mit dem Druck umzugehen. Dem Druck, es nach acht Finalniederlagen endlich schaffen zu wollen.

Bei den Männern waren Sie mit dem BSV Bern, Pfadi Winterthur und Suhr an der Spitze. An welche Stelle in Ihrem Palmarès ordnen Sie den Triumph mit Nottwil ein?

Mühlethaler: Er ist vergleichbar mit jenem in Bern. Dort holte ich als Spieler sieben Silbermedaillen und gewann dann als Trainer auf Anhieb den Meistertitel. Der Erfolg in Nottwil ist aber schon der eindrücklichste, eben wegen dieser mentalen Vorgeschichte. Es war ein Krampf, diesen gordischen Knoten zu lösen.

Wie ist es Ihnen gelungen?

Mühlethaler: Erwähnen möchte ich hier den Vorstand, der den Weg mit mir trotz internem Gegenwind und der Enttäuschung nach dem ersten Jahr durchgezogen hat. Ich habe schon manchen Vorstand erlebt, aber so konsequent wie jener in Nottwil war noch keiner. Und dann ist da Ivana Ljubas, die wir im Winter verpflichten konnten. Sie hat nochmals 10, 15 Prozent ins Team reingebracht. Nicht primär mit ihrer spielerischen Leistung, sondern indem sie die Trainingsqualität massiv erhöht hat.

Was heisst das konkret?

Mühlethaler: Sie hat ab dem ersten Training Vollgas gegeben und gezeigt, wer hier der Profi ist. Meine Assistenztrainerin Caro Emmenegger sagte, dass Ivana in einem Training so viel zu Boden gegangen sei, wie es das übrige Team in einem Jahr tue. Am Ende geht es eben auch darum, wie oft man am Boden liegt, um nach einem Ball zu hechten. Das habe ich meinen Spielerinnen immer wieder gesagt. Doch Ivana Ljubas hat letztlich gezeigt, wie es geht. In dieser Hinsicht trug ich schon einen Kampf mit meinen Frauen aus.

Gab es Momente des Zweifels?

Mühlethaler: Klar. Ich bin manche Nacht wach gelegen und habe mir überlegt, was ich denn noch tun könnte. Meine Tochter bezeichnet mich als extrem selbstkritischen Menschen. Ich kam zum Schluss, dass ich dem Team eine taktische Stabilität geben muss, damit es auch dem grössten Sturm trotzen kann. Das war eines unserer Probleme: Wenn es hektisch wurde, opferten die Spielerinnen den Game-Plan. Im Verlauf der Saison begannen sie aber, immer mehr daran zu glauben. Steffi Kottmann bezeichnete übrigens das, was man vor meinem Engagement in Nottwil gemacht hat, als Blüemli-Handball. Gemeinsam machten wir den Schritt in den Leistungssport.

Mit der erst 27-jährigen Rahel Furrer tritt nun eine prägende Spielerin zurück. Wie sehen Sie den Verlust?

Mühlethaler: Mit einem weinenden Auge, aber auch mit Verständnis. Sie ist nun seit 13 Jahren dabei. Das ist das Problem im Schweizer Frauen-Handball. Die Spielerinnen kommen sehr früh in die NLA. Das gleiche gilt für Fabienne Huber. Jetzt ist sie ein guter Goalie und hört auf, doch auch sie war lange dabei. Schauen Sie auf Xenia Hodel: Mit 15 debütierte Sie in der NLA. In zehn Jahren wird auch sie gleich weit sein wie jetzt eine Rahel Furrer.

Ihr Vertrag in Nottwil läuft noch zwei Jahre. Wie lauten die nächsten Ziele?

Mühlethaler: Wir wollen den Weg weitergehen, wir haben nur eine Zwischenetappe erreicht. Morgen erstelle ich den Trainingsplan für die nächste Saison. Physisch strebe ich Fortschritte an, damit wir auch im Europacup mithalten können. Auf der Linkshänderposition hoffe ich, für Rahel Furrer eine zweite Ivana Ljubas zu finden. Wir werden ein weiteres Verteidigungssystem einüben und auch im Angriff neue Elemente entwickeln. Ausserdem wünsche ich mir, dass wir in der Umgebung endlich einen Raum finden, um einen Kraftraum einzurichten. Ein Verein wie Spono braucht das.

Hinweis

* Urs Mühlethaler arbeitete in der Sportschule in Magglingen als Dozent in der Ausbildung von Trainern und Sportlehrern. Er war Trainer diverser Spitzenteams im Handball. Zu seinen grössten Erfolgen gehören fünf Schweizer-Meister-Titel. 1995 war er Schweizer Trainer des Jahres.

Die Nottwilerinnen kämpften (Ivana Ljubas, Bild links), freuten sich (Pascale Wyder, Bild oben) und triumphierten nach dem 26:21-Sieg gegen Brühl St. Gallen (Bild unten). (Bilder Pius Amrein)

Die Nottwilerinnen kämpften (Ivana Ljubas, Bild links), freuten sich (Pascale Wyder, Bild oben) und triumphierten nach dem 26:21-Sieg gegen Brühl St. Gallen (Bild unten). (Bilder Pius Amrein)

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