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HANDBALL: Der Winkelried des BSV Stans

Die Stanser bleiben dank eines eindrücklichen Steigerungslaufs in der NLB. Der 25-jährige Brasilianer Fernando Skrebsky Dutra ist einer der Hauptdarsteller der Erfolgsgeschichte.
Stephan Santschi
Fernando Skrebsky Dutra vor dem Winkelried-Denkmal in Stans. (Bild: Jakob Ineichen (Stans, 21. April 2018))

Fernando Skrebsky Dutra vor dem Winkelried-Denkmal in Stans. (Bild: Jakob Ineichen (Stans, 21. April 2018))

Stephan Santschi

stephan.santschi@luzernerzeitung.ch

Ist Ihnen der Name Arnold Winkelried geläufig? Fernando Skrebsky Dutra zögert, lächelt und antwortet: «Nein. Den kenne ich nicht.» Also lässt er sich nach dem Fototermin vor dem Winkelried-Denkmal in Stans kurz über den Heldenstatus dieser mythischen Figur belehren. Über den Mann, der in der Schlacht von Sempach 1386 etliche Spiesse der Habsburger ergriff, in seinen Körper rammte, dadurch seinen Mitstreitern eine Gasse in die feindlichen Reihen öffnete und die Eidgenossen zum Sieg führte.

Skrebsky Dutra ist sozusagen der Winkelried des BSV Stans. Als Spielmacher reisst er immer wieder Löcher in die gegnerischen Verteidigungen, trifft selber ins Tor oder schafft einem Teamkollegen Raum für den erfolgreichen Abschluss. Sein Anteil am Ligaerhalt in der NLB, der mit dem 34:31-Sieg in Solothurn am vorletzten Samstag amtlich wurde, ist gross. «Ein schöner Vergleich», sagt Skrebsky Dutra nach der kurzen Schweizer Geschichtslektion, lächelt wieder und hält fest: «Ich bin aber froh, dass ich niemanden töten muss.»

«Verrückt» – Stanser lösen eine Mission impossible

Rückblende. Als Skrebsky Dutra und mit ihm auch der serbische Rückraumspieler Nikola Perovic Ende November 2017 verpflichtet wurden, war die Mannschaft des BSV Stans am Boden. Als Aufsteiger bezahlte sie Lehrgeld, nach neun Spieltagen hatte sie nur zwei Punkte auf dem Konto und lag am Tabellenende. «Wir traten eine Mission impossible an. Wir versuchten an die Wende zu glauben. Heute sage ich: Ich kann nicht glauben, was wir erreicht haben. Es ist wirklich verrückt», erzählt Skrebsky Dutra.

Mit dem brasilianischen Spielmacher und dem serbischen Rückraumschützen – beide 25-jährig – gewannen die Nidwaldner seither neun von 16 Spielen und arbeiteten sich kontinuierlich aus der Abstiegszone heraus. «Wir haben vor allem die Power in der Offensive erhöht», erklärt Skrebsky Dutra und schildert seine Stärken so: «Ich kann der Mannschaft mit der Organisation des Angriffsspiels helfen. Und ich bin schnell, kann in 1:1-Situationen gehen und zwei Spieler auf mich ziehen.» Lücken reissen à la Winkelried eben.

Engagements in Portugal und Ungarn enden früh

Doch wer ist dieser sympathische junge Mann, wie fand er den Weg in die Schweiz, um bei einem akut relegationsgefährdeten B-Ligisten im malerischen Nidwalden Handball zu spielen? Zu seinem Sport kam Fernando dank seines Vaters, der in der von Hochhäusern geprägten Küstenstadt Balneário Camboriú Handballtrainer ist. Die Zentralschweiz ist seine dritte Destination in Europa, seit er sein Heimatland im Jahr 2015 mit dem Traum Handballprofi verlassen hat. Zuerst spielte er eine Saison in der höchsten portugiesischen Meisterschaft beim Sporting Club da Horta, danach ein Jahr beim ungarischen Erstligisten SBS Eger. Glücklich wurde er an keiner der beiden Stationen – in Portugal habe er zwar viel gelernt, aber die Zuverlässigkeit der Lohnzahlungen habe einiges zu wünschen übrig gelassen. Und in Eger wurde ihm die neue Partnerschaft des Klubs mit Veszprém zum Verhängnis – der Serienmeister parkierte Spieler in Eger, unter anderem einen russischen Spielmacher. Für Skrebsky Dutra hatte es hernach trotz guten Leistungen keinen Platz mehr.

Zunächst Zweifel wegen WG mit Nikola Perovic

Als dann der Kontakt zu Stans hergestellt wurde, informierte er sich bei Ingo Meckes, der in der Geschäftsleitung des Schweizerischen Handball-Verbands für den Leistungssport und die Ausbildung zuständig ist. «Meckes lernte ich an der Universiade in Südkorea kennen. Er hat mir Stans empfehlen können.»

Den Entscheid, hierher zu wechseln, hat der 1,82 Meter grosse und 83 Kilo schwere Athlet seither nicht eine Sekunde bereut. Er und Nikola Perovic sind begeistert von der Art und Weise, wie sich der Verein um sie kümmert. «In Ungarn gaben sie mir das Geld, erläuterten mir die Trainingszeiten, ansonsten war ich ihnen egal.» Nur die Tatsache, dass er nicht alleine leben, sondern mit Perovic zusammen eine Wohnung in Stans beziehen werde, störte ihn zunächst. «In Portugal klappte das nicht. Ich habe einen Putzfimmel, bei mir muss alles sauber sein. Da bin ich wie ein Schweizer», erzählt er lachend, stellt aber sofort klar: «Mit Nikola funktioniert das sehr gut.» Die beiden sind Freunde geworden, bringen einander Gerichte ihrer heimischen Küchen näher.

Im Juni wird in Brasilien geheiratet

Eine Woche dauert die NLB-Meisterschaft noch, dann laufen die Verträge von Skrebsky Dutra und Perovic aus. Beide fühlen sich in Stans sehr wohl, ob die Vereinsfinanzen ein weiteres Engagement zulassen, soll Anfang nächster Woche kommuniziert werden. Zumindest im Fall von Skrebsky Dutra ist ein Verbleib beim BSV wahrscheinlich. Dann möchte er auch seine Verlobte Eduarda, die er im Juni in Brasilien heiraten wird und seine beiden Hunde nach Stans in eine eigene Unterkunft holen. Alles, was ihm dann noch fehlen wird, ist das Surfen, seine grosse Leidenschaft an den Stränden Brasiliens.

Sein grosses Ziel: Brasiliens Nationalteam

Den Traum von einer grösseren Liga hat Fernando Skrebsky Dutra noch nicht aufgegeben, klare Vorstellungen, wo er dereinst spielen möchte, hat er aber nicht. «Ich lasse das Leben für mich entscheiden. Ich möchte meine Zeit als Handballprofi einfach geniessen.» Dafür hat er auch sein Studium in Business und Administration unterbrochen, «das kann ich nach meiner Sportkarriere zu Ende bringen».

Ein grosses Ziel sei ein Aufgebot für die brasilianische A-Nationalmannschaft, im Nachwuchs hatte er viele Länderspiele bestritten und einige Erfolge gefeiert. Darunter drei Siege an den Panamerikanischen Spielen, ein vierter Rang an der Jugend-Olympiade und ein sechster Platz an der U21-Weltmeisterschaft. Ein Winkelried macht sich halt auch ausserhalb der Zentralschweiz ganz gut.

Männer, NLB

25. Runde: Kadetten Espoirs – Stans 31:29. Lakers Stäfa – Biel 32:29. Solothurn – SG Yellow/Pfadi Winterthur 30:21. Altdorf – Horgen 37:30. Siggenthal/Vom Stein – STV Baden 17:36. Möhlin – RTV Basel 26:33. Birsfelden – Steffisburg 33:24.

Rangliste (alle 25 Spiele): 1. RTV Basel 47. 2. Baden 40. 3. Solothurn 31. 4. Möhlin 29. 5. Kadetten Espoirs Schaffhausen 27. 6. Lakers Stäfa 25. 7. HS Biel 23. 8. Steffisburg 22. 9. Altdorf 21. 10. Stans 20. 11. SG Yellow/Pfadi Winterthur 20. 12. Horgen 17. 13. Birsfelden 15. 14. Siggenthal/Vom Stein 13.

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