Handball
Die Krienser Handballer gewinnen das entscheidende Spiel gegen Wacker Thun: «Jetzt kommt nur noch Freude»

Kriens-Luzern ringt Wacker Thun im fünften Spiel mit 32:29 nach Verlängerung nieder und steht im Playoff-Halbfinal.

Stephan Santschi
Merken
Drucken
Teilen
Die Krienser Handballer bezwingen Wacker Thun mit 32:29.

Die Krienser Handballer bezwingen Wacker Thun mit 32:29.

Bild: Pius Amrein

Die 50 Zuschauer in der Surseer Stadthalle hielt es nicht mehr auf ihren Sitzen. Zehn Minuten Verlängerung wurden im fünften und entscheidenden Playoff-Viertelfinal zwischen dem HC Kriens-Luzern und Wacker Thun als Supplement serviert. Die Spannung erreichte ihren Siedepunkt, jeder Fehler, jeder Ballverlust, jede Goalieparade konnte nun wegweisend sein. Am Ende gewannen die Zentralschweizer das Nervenspiel, mit 32:29 rangen sie den zähen Gegner aus dem Berner Oberland nieder. «Die Erleichterung ist für alle gewaltig. Wir haben richtig gearbeitet, viel besser gespielt als zuletzt und eine tolle Moral gezeigt», freute sich Trainer Goran Perkovac.

Was hatten sich die Krienser nicht alles an Kritik anhören müssen nach den desolaten Auftritten in den Spielen drei und vier, mit denen sie die 2:0-Führung in dieser Best-of-5-Serie preisgegeben hatten. Als «Katastrophe» bezeichnete Perkovac die Ausstrahlung und die Körpersprache, vor allem an die Profis appellierte er, nicht nur Verantwortung zu übernehmen, sondern diese auch gewinnbringend auf dem Platz umzusetzen.

Hleb Harbuz zelebriert seine ganze Klasse

Allen voran Hleb Harbuz, der Topskorer, nahm sich dies zu Herzen. Der 27-jährige Weissrusse war nicht wieder zu erkennen, zelebrierte seine grosse Klasse mit dynamischen Sprüngen und kraftvollen Abschlüssen, war mit zehn Treffern hauptverantwortlich für die 14:11-Pausenführung. «Wir haben ganz anders gespielt. Zuletzt waren wir zu stark auf Einzelaktionen fixiert, diesmal wollten wir Hleb mit vielen Kreuzungen wieder in gute Positionen bringen», erklärte Perkovac, weshalb er Spielmacher Moritz Oertli gegenüber Janus Lapajne zunächst den Vorzug gab. «Das ist aufgegangen.»

Dann aber kam die Wende in Halbzeit zwei. Thun stellte die Defensive auf eine 5:1-Formation um und provozierte damit den Bruch im Krienser Spiel. Nun waren sie wieder im Pleiten-, Pech- und Pannenmodus. Auf schier unglaubliche Weise blieben beste Abschlussgelegenheiten ungenutzt, auch die technischen Fehler häuften sich. Die Gäste holten auf, der Urner Lukas von Deschwanden führte magistral Regie und traf aus allen Lagen, nach 45 Minuten lagen sie mit 19:18 vorne. Auch in dieser heiklen Phase, mit dem Saisonende vor Augen, verlor Perkovac aber nicht den Glauben an sein Team. «Wir wollten unbedingt gewinnen, nicht wie in den letzten beiden Spielen, als wir keine Emotionen zeigten und uns fallen liessen.»

Lüthis rote Karte ist der eine Ausfall zu viel

Einen Abnützungskampf auf Augenhöhe lieferten sich die beiden Teams nun, Thun legte meist ein Tor vor, Kriens-Luzern glich wieder aus, ein letztes Mal zum 25:25 durch Tomas Piroch 24 Sekunden vor Ablauf der regulären Spielzeit. Kurz davor hatte sich eine Szene ereignet, die für den Verlauf der folgenden Verlängerung grosse Bedeutung haben sollte. Dario Lüthi, der aufgrund der Thuner Personalprobleme sowohl im Angriff, als auch in der Abwehr eine zentrale Rolle einnahm, kassierte in der 58. Minute nach seiner dritten Zweiminutenstrafe die rote Karte. Es war die eine Absenz zu viel für die bis dahin unerschütterlichen Thuner, die wegen sechs Verletzten und einem Coronafall erneut mit einer Rumpftruppe angetreten waren.

Lüthis Ausfall vermochten sie nicht mehr wegzustecken, Lapajne, Oertli und Tim Rellstab nutzten die entstandenen Lücken rigoros, führten ihr Team zum viel umjubelten Sieg und zum Halbfinaleinzug. «Für den Verein ist dieser Erfolg eminent wichtig», betonte Perkovac, der mit seinem Team ab Mittwoch auf die Kadetten Schaffhausen trifft. Der Druck ist weg, «jetzt», so der Trainer, «kommt nur noch Freude».

Kriens-LU - Thun 32:29 (25:25, 14:11) n. V.
Stadthalle, Sursee. – 50 Zuschauer. – SR Brunner/Salah. – Strafen: 4-mal 2 Minuten gegen Kriens-Luzern, 6-mal 2 Minuten plus rote Karte für Lüthi (58./3-mal 2 Minuten) gegen Wacker Thun.

Kriens-Luzern: Eicher (10 Paraden)/Wenger; Idrizi (2 Tore), Piroch (3), Oertli (2), Harbuz (11/4), Blättler (1), Gavranovic (3), Delchiappo; Lapajne (6/1) Rellstab (3), Schlumpf (1).

Wacker Thun: Winkler (7 Paraden)/Wick (2); Felder, Chernov (7), Lüthi (2), von Deschwanden (13/6), Linder (1/1), Sorgen (3); Guignet (1), Gruber, Bouilloux (2).

Bemerkungen: Kriens-Luzern ohne Papez (Rücktritt), Lavric und Bar (beide rekonvaleszent). Thun ohne Raemy, Delhees, Dähler, Dannmeyer, Schwab, Wyttenbach (alle verletzt), Huwyler (krank). Eicher pariert Penalty von Linder (6./2:2). Wick pariert Penalties von Harbuz (7./2:2; 32./14:12).

QHL. Viertelfinal. 5. Runde (best-of-5): Kriens-Luzern – Wacker Thun 32:29 (25:25, 14:11) n. V.; Endstand 3:2. Halbfinals: Pfadi Winterthur - Suhr Aarau. Kadetten Schaffhausen - Kriens-Luzern.