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HANDBALL: Die schwere Mission von «Ike»

Abstieg und personeller Aderlass – den Stanserinnen droht nach dem Abstieg aus der SPL1 der freie Fall. Vicente Cotrina Cabal, oder kurz «Ike», soll das verhindern. Den Spanier zum neuen Trainer zu machen, ist ein unkonventioneller Entscheid.
Stephan Santschi
Der 35-jährige Spanier Vicente «Ike» Cotrina Cabal in der Eichli-Halle von Stans. (Bild: Philipp Schmidli (19. September 2017))

Der 35-jährige Spanier Vicente «Ike» Cotrina Cabal in der Eichli-Halle von Stans. (Bild: Philipp Schmidli (19. September 2017))

Stephan Santschi

stephan.santschi@luzernerzeitung.ch

Sepp Kuster, der Sportchef der Stanser Frauen, erklärte die Anstellung von Vicente Cotrina Cabal im letzten Mai so: «Wir gehen einen ganz neuen Weg. Wir haben uns für jemanden entschieden, den hier niemand kennt. Er betritt eine grüne Wiese, mit ihm machen wir einen Neuanfang.» Heute Sonntag gibt der Trainer nun sein Debüt in der Eichlihalle, zu Gast im ersten Heimspiel ist Aufsteiger Goldach-Rorschach (16.00, Eichli). «Das ist für uns ein sehr wichtiges Spiel, das wir gewinnen müssen», sagt der 35-jährige Spanier. Im Wissen, dass er in Stans eine ganz heikle Mission angetreten hat.

Die Nidwaldnerinnen sind nach dem Abstieg im Frühjahr wieder zweitklassig, und darüber hinaus haben sie aufgrund zahlreicher Abgänge viel Qualität und Routine verloren. «Sie haben nicht viele Spiele gewonnen, das Selbstvertrauen ist deshalb nicht sehr hoch», das hat der neue Mann an der Seitenlinie schon früh nach seinem Amtsantritt festgestellt. Aktuell kommt erschwerend hinzu, dass fünf Spielerinnen verletzungsbedingt ausfallen. Beim Start in die SPL2-Kampagne am letzten Wochenende umfasste das Aufgebot nur elf Namen, entsprechend diskussionslos war die Niederlage (25:34) gegen den LC Brühl II. Läuft Stans Gefahr, nach unten durchgereicht zu werden? «Über einen weiteren Abstieg in die 1. Liga will ich eigentlich nicht sprechen, ich glaube an mein Team», sagt Cotrina. Die Umstände bedürften allerdings einer gewissen Anpassungszeit, «wir befinden uns in einem Prozess. Spielerinnen, die in der Vergangenheit wenig Einsatzzeit hatten, müssen zu Leadern werden. Das klappt nicht von heute auf morgen.»

Mit Chiles Nationalteam an der Männer-WM

Doch wer ist er eigentlich, dieser Vicente Cotrina Cabal, den alle nur Ike nennen? Geboren im nordspanischen Gijón als viertes von sechs Kindern, schaffte er es als Goalie bis in die zweite Liga des Landes, dann riss ihm aufgrund seiner Ersatzrolle der Geduldsfaden. Nach einer Pause kam er zufällig zu einem Job als Jugendtrainer. «Und seither ging es immer weiter», bis in die höchsten Ligen Spaniens, wo er sowohl bei den Männern (Guadalajara) als auch bei den Frauen (Bera Bera) Assistenztrainer war. Letzteren verhalf er in drei Saisons zu fünf Titeln (2-mal Meisterschaft, 2-mal Super Cup, 1-mal Cup). 2016 zog er in die Schweiz und übernahm den Erstligisten Lyss, im letzten Winter war er zudem mit Chile als Assistenztrainer an der Männer-WM. Die Stanserinnen übernahm er auf diese Saison hin im Doppelmandat zu seinem Job in Lyss. Weshalb? «Weil ich Handball mag», antwortet der Profitrainer lächelnd. Und weil er neben seiner Anstellung in Lyss und den Trainings, die er im Regionalen Leistungszentrum in Bern führt, noch Kapazität für weitere Einsätze hatte. Für sein Ex-Team Bera Bera stellt er überdies weiterhin Videos der nächsten Gegner zusammen, um sie auf die anstehenden Aufgaben vorzubereiten.

Spielen die Teams am selben Tag, hat Lyss Priorität

Um seine Vereinsengagements unter einen Hut zu bringen, braucht er Unterstützung und gute Planung. Dienstags und Freitags arbeitet er in Stans, an den restlichen Tagen in Lyss und Bern. Die Spiele an den Wochenenden sind so angesetzt, dass es mit den Doppeleinsätzen klappt. Falls nicht, hat Lyss Priorität. In Stans unterstützt ihn Markus Estermann als Goalietrainer und Coach, auch die ehemalige Spielerin und jetzige Nachwuchstrainerin Barbara Schiffmann und das aktuelle Kadermitglied Gréta Grandjean stehen ihm bei Bedarf zur Seite. «Im Moment funktioniert es gut. Ich hoffe, wir werden in Zukunft nicht zu viele Kompromisse machen müssen», sagt er mit Bezug auf die Trainingspräsenz. Mit Erstaunen hat er festgestellt, dass Handballer in der Schweiz ihrem Sport nicht erste Priorität beimessen. «In Spanien ist das anders – egal, ob man mit Handball Geld verdient oder nicht.»

So flexibel er seinen Alltag gestaltet, so abwechslungsreich will Cotrina auch seine Mannschaften spielen sehen. «Nach jedem Pass braucht es eine neue Entscheidung. Ich mag es, im Angriff verschiedene Spielsysteme, verschiedene Lösungen zu haben.» In der Abwehr setze er derweil auf eine aggressive 6:0-Taktik, die sich nicht nur von links nach rechts bewege, sondern viele Fouls begehe.

«Männer sind im Bus sehr fokussiert»

Die Arbeit mit Frauen unterscheide sich von jener mit Männern nicht allzu stark. Die Atmosphäre vor und nach den Spielen sei aber eine andere. «Männer sind im Bus sehr fokussiert, wenn jemand spricht, wird das als störend empfunden. Frauen können auch über andere Dinge reden, «the bus is happy», sagt er mit Bezug auf die gute Stimmung im Mannschaftscar. Wohin ihn seine Karriere als Trainer führen soll, lässt er offen, die Deutsche Bundesliga reize ihn aber schon sehr. «Deshalb lerne ich ja auch Deutsch», sagt Cotrina schmunzelnd. Derzeit verständigt er sich noch auf Englisch.

Bleibt die Frage, was es mit seinem Rufnamen Ike auf sich hat. «Mein Vater las ein Buch von Dwight Eisenhower, dem ehemaligen amerikanischen Präsidenten. Als ich nach Hause kam, sagte er mir, ich sähe aus wie er – wenig Haare und grosse Augen. Seither bin ich der Ike.» Auch Eisenhower war so genannt worden. Eine besondere Anekdote. Und irgendwie passend zum speziellen Kapitel, dass der BSV Stans mit seinem neuen Frauentrainer schreibt.

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