Handball
«Diese Diagnose ist eine Katastrophe»: Der Krienser Handballer Jernej Papez muss mit 30 Jahren die Karriere beenden

Die Handballer von Kriens-Luzern müssen ihre Jagd nach Titeln ohne den kampfstarken Linkshänder Jernej Papez fortsetzen.

Stephan Santschi
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Wie es weitergeht, weiss er noch nicht: Jernej Papez.

Wie es weitergeht, weiss er noch nicht: Jernej Papez.

Bild: Martin Meienberger / Freshfocus

Seine erste Reaktion ist an Deutlichkeit kaum zu übertreffen: «Diese Diagnose und die brutalen Folgen sind eine Katastrophe. Für mich bricht eine Welt zusammen, denn Handball war mein Leben.» Jernej Papez, der slowenische Rückraumspieler des HC Kriens-Luzern, erhielt diese Woche die Hiobsbotschaft, dass er seine Profikarriere im Alter von 30 Jahren per sofort beenden muss. Der Grund ist eine fortgeschrittene Hüftarthrose, die nach mehreren sportmedizinischen Untersuchungen entdeckt worden ist. «Für mich kommt das sehr überraschend», erklärt Papez.

Ende 2020 habe er erstmals grössere Schmerzen im Hüftbereich verspürt, durch Massage, Physiotherapie und die Pause über Neujahr seien diese aber verschwunden. Nach dem Jahreswechsel kehrten die Probleme zurück, wurden schlimmer und nötigten ihn schliesslich zum Ziehen der Notbremse. Nicht weiterkämpfen zu können, ist für den 1,90 Meter grosse Linkshänder mit der bedingungslosen Einsatzbereitschaft besonders bitter. «Doch wenn mir der Arzt sagt, dass ich nicht mehr gesund genug für Profihandball bin, muss ich das akzeptieren.»

Kriens-Luzern präsentiert bald neuen Linkshänder

Die Zentralschweizer bedauern den Verlust ihres Musterprofis sehr, «mit seinen positiven Emotionen hat er uns menschlich und sportlich viel gebracht», sagt Trainer Goran Perkovac. Seit 2019 spielte Papez für Kriens-Luzern, mit dem 20-jährigen Tschechen Tomas Piroch bildete er im rechten Aufbau kein sehr wurfkräftiges, aber ein überaus kampfstarkes Duo. Erst im letzten Januar war der Vertrag mit Papez um zwei Jahre bis 2023 verlängert worden. «Dass es so plötzlich kommt, dass seine Verletzung so gravierend ist, haben wir nicht erwartet. Wir dachten, sie gehe nach ein paar Wochen Pause vorbei», erzählt Perkovac.

Sein Kader wird noch dünner: Goran Perkovac.

Sein Kader wird noch dünner: Goran Perkovac.

Martin Meienberger/Freshfocus

Der mit 15 Akteuren ohnehin dünn bestückte Kader wird damit noch kleiner. Die kurzfristige Verpflichtung eines Ersatzes ist nicht möglich, da die Transferfrist am 15. Februar endete. Kriens-Luzern steigt damit ohne einen wichtigen Routinier in die entscheidende Saisonphase, die am Samstag mit dem Heimspiel gegen St. Otmar St. Gallen (18 Uhr, live auf handballtv.ch) beginnt. Vier Spiele stehen in der Qualifikation noch auf dem Programm, die drittklassierten Luzerner kämpfen dabei um eine möglichst gute Ausgangslage für die Playoffs. «Für uns wird es nun schwieriger. Doch wir sind eine verschworene Gemeinschaft, ich traue dem Team weiterhin alles zu», betont Perkovac. Vor allem Moritz Oertli hat bewiesen, dass er als Rechtshänder auf der ungewohnten Position eine respektable Rolle spielen kann.

Der HC Kriens-Luzern muss damit für die kommende Saison gleich den gesamten rechten Aufbau neu besetzen. Vor dem Ausfall von Papez war bereits bekannt geworden, dass Piroch seinen Vertrag in Kriens nicht verlängern wird. «Wir sind nun mit Hochdruck daran, eine Nummer eins für den rechten Rückraum zu finden. Wir haben zwei, drei Spieler in der engeren Auswahl und sind zuversichtlich, den neuen Mann bald präsentieren zu können», sagt Geschäftsführer Nick Christen. Zudem soll ein junger Linkshänder mit Entwicklungspotenzial als Backup dazustossen.

Auch beim Spazieren hat Papez Schmerzen

Und Jernej Papez? Nach Stationen in Slowenien, Frankreich, Portugal und der Schweiz muss er seine Karriere abrupt beenden. Im Moment wisse er noch nicht, wie es weiter gehe. «Ich werde meine Optionen prüfen, es ist eine ganz komplizierte Situation», sagt er. Nach der Wirtschaftsmittelschule hatte er ein Studium in Sozialarbeit begonnen, zu dessen Abschluss fehlen ihm noch eineinhalb Jahre. In erster Linie gehe es nun aber darum, gesund zu werden, «momentan habe ich auch beim Spazieren mit meinem Kind Schmerzen», sagt der Vater eines halbjährigen Buben, der mit seiner Familie in Kriens lebt.