HANDBALL: Eagles-Captain möchte mit Double abtreten

Die Spono Eagles greifen am Sonntag im Final gegen Dauerrivale Brühl St. Gallen nach dem vierten Cupsieg. Für Kreisläuferin Patrizia Ramseier (30) schliesst sich im Erfolgsfall ein Kreis.
Stephan Santschi
Ist mit den Spono Eagles auf Abschiedstour: Patrizia Ramseier, hier im Spiel gegen den LK Zug. (Bild: Dominik Wunderli (Nottwil, 4. April 2018))

Ist mit den Spono Eagles auf Abschiedstour: Patrizia Ramseier, hier im Spiel gegen den LK Zug. (Bild: Dominik Wunderli (Nottwil, 4. April 2018))

Stephan Santschi

stephan.santschi@luzernerzeiung.ch

Was ihr vom Cupfinal 2013 speziell in Erinnerung geblieben ist? Patrizia Ramseier lächelt ob der Frage und sagt: «Ich schoss das letzte Tor des Spiels und sorgte damit für die endgültige Entscheidung.» 23:21 gewannen die Nottwilerinnen damals gegen ­Basel Regio und feierten ihren dritten und seither letzten Cupsieg der Vereinsgeschichte. Am Sonntag stehen die Spono Eagles wieder im Endspiel eines Schweizer Cups, Gegner in der Zürcher Saalsporthalle ist der LC Brühl (16.30 Uhr). Neben Lisa Frey, Judith Matter und Nadja Spaar gehört Ramseier zu jenen Spielerinnen, die schon beim Triumph vor fünf Jahren im Kader waren.

Für Ramseier schliesst sich dabei sogar ein Kreis: 2012/13 ­bestritt die Aargauerin die erste Saison mit Nottwil, jetzt ist sie auf Abschiedstournee. Im Sommer wird sie nämlich vom Leistungssport zurücktreten. «Es wäre natürlich schön, wenn ich in Nottwil so aufhören könnte, wie es begonnen hat», sagt die 30-jährige Kreisläuferin aus Strengelbach bei Zofingen. Sprich: mit einem Cupsieg.

Hinten knallhart – und vorne wieder treffsicher

Ihre Bedeutung für das Team vom Sempachersee hat sich kontinuierlich gesteigert, seit zwei Jahren ist Patrizia Ramseier sogar Captain. «Rämsi kümmert sich ums Team und verkörpert eine gesunde Form von Kampfgeist ein», lobt Trainer Urs Mühle­thaler. Ein Blick auf die Statistik verrät zudem, dass sie derzeit so torgefährlich ist, wie nie mehr seit ihrer ersten Saison in Nottwil. Damals traf sie in 24 Meisterschaftsspielen 66-mal ins gegnerische Netz, momentan sind es 47 Tore in 21 Partien. Woran das liegt? Einerseits an der veränderten Konkurrenzsituation: Nach den Abgängen von Andrea Willimann, Soka Smitran und Noëlle Frey ist sie am Kreis die Nummer eins, die kräftige Ramseier erhält neben ihrer knallharten Rolle in der Abwehr auch wieder mehr Spielzeit in der Offensive. «In den letzten Jahren war ich vor allem eine Defensivspezialistin. Jetzt kann ich zeigen, dass ich auch vorne nicht so schlecht bin», sagt sie mit einem Schmunzeln.

Andererseits hat Trainer Urs Mühlethaler zuletzt das etwas brachliegende Angriffsspiel über den Kreis explizit gefördert. Mit Erfolg, wie sich auch am vergangenen Samstag gezeigt hat: Im drittletzten Spiel der SPL1-Finalrunde beteiligte sich Patrizia Ramseier mit vier Toren aus vier Versuchen auf effiziente Weise am 30:26-Auswärtssieg gegen den LC Brühl. Es war sozusagen die Hauptprobe unter Wettkampfbedingungen gegen den Cup­finalisten vom Sonntag. «Wir ­haben gezeigt, dass wir Brühl auch ausserhalb unserer Halle schlagen können. Das ist gut für unser Selbstbewusstsein», betont Ramseier. Davor hatte Spono alle drei Heimspiele gegen Brühl gewonnen, in St. Gallen jedoch zweimal verloren.

Lachendes und weinendes Auge beim Trainer

Die Spono Eagles, welche die Finalrunde der SPL1 auf Rang eins vor Brühl beenden werden, gehen also als Favorit in den Cup­final. «Unser Kader ist breiter, dichter und wir können im Gegensatz zu den St. Gallerinnen zwei Verteidigungssysteme spielen», erläutert Trainer Mühlethaler ihre Vorteile und hält mit Zuversicht fest: «Brühl ist ein Gegner, den wir sehr ernst nehmen. Aber wird haben keine Verletzten, sind fit, in Form und gut vorbereitet.» Für ihn wäre es übrigens der erste Cupsieg seiner langen Trainerkarriere.

Die positive Entwicklung von Patrizia Ramseier verfolgt er dabei mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Das ­lachende freut sich über die Fortschritte der Teamleaderin, das weinende bedauert ihren baldigen Rücktritt: «Es ist wie bei ­Rahel Furrer vor zwei Jahren, Rämsi ist richtig gut geworden, und jetzt hört sie auf.» Die Büroangestellte der Aargauer Kantonsverwaltung lacht über die Bemerkung des Trainers und sagt: «In meiner letzten Saison investiere ich nochmals alles. Vielleicht gibt mir das einen Schub.»

Andere Sportarten ­ausprobieren

Als Grund für ihren bevorstehenden Abschied nennt sie die Lust, sich Zeit für etwas anderes zu nehmen. «Seit ich sieben, acht Jahre alt bin, spiele ich Handball. Künftig möchte ich mehr Ferien machen oder andere Sportarten ausprobieren. Ich möchte biken gehen, richtig crawlen lernen, auch Boxtraining reizt mich.»

Zunächst soll nun ihre Trophäensammlung nach dem Cupsieg 2013 und dem Meistertitel 2016 noch erweitert werden. Am Sonntag, im Cupfinal gegen den LC Brühl, bietet sich die erste ­Gelegenheit. Und dann wieder ab Mitte Mai im Playoff-Final der Meisterschaft, wenn erneut der Dauerrivale aus der Ostschweiz auf der anderen Seite stehen wird. «Mit dem Double auf dem Höhepunkt abtreten, wäre perfekt», sagt Patrizia Ramseier. Dem bleibt nichts hinzuzufügen.

Hinweis

Cupfinal in Zürich. Spono Eagles – Brühl St. Gallen (Sonntag, 16.30, Saalsporthalle). Das Spiel kann live im Internet auf srf.ch/sport und handballtv.ch verfolgt werden.

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