Handball
Ein Kriens-Luzern-Sieg, der wenig Freude macht

Die NLA-Handballer von Kriens-Luzern schlagen GC Amicitia Zürich trotz schlechter Einstellung mit 29:24.

Stephan Santschi
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Ammar Idrizi (Mitte) avancierte zum besten Torschützen der Krienser, hier in Aktion zu sehen in einem Spiel gegen den HSC Suhr im Herbst 2019.

Ammar Idrizi (Mitte) avancierte zum besten Torschützen der Krienser, hier in Aktion zu sehen in einem Spiel gegen den HSC Suhr im Herbst 2019.

Bild: Boris Bürgisser (Kriens, 20. Oktober 2019)

Es war ein ungleiches Duell, zumindest mit Blick auf die Erfahrung. Nikola Marinovic, der Goalie von GC Amicitia Zürich, steht im Spätherbst einer grossartigen Karriere, der frühere österreichische Nationalspieler ist mittlerweile 44 Jahre alt. Sein hartnäckiger Antipode am rechten Flügel von Kriens-Luzern, der Surseer Ammar Idrizi, hat die ganze sportliche Laufbahn noch vor sich, zählt erst 19 Lenze. Am Samstag allerdings triumphierte die Jugend über die Routine, Idrizi avancierte zum besten Spieler seines Teams und steuerte fünf Treffer zum 29:24-Sieg bei. «Ich habe vor dem Spiel Videostudium betrieben und nahm mir vor, jeweils lange mit dem Wurf zu warten. Wenn sich Marinovic für eine Seite entscheidet, kommt er nicht mehr zurück», erläuterte Idrizi sein Erfolgsrezept.

Der junge Linkshänder, der wegen der Verletzung von Levin Wanner im neuen Jahr bisher die alleinige Verantwortung am rechten Flügel trägt, war ein Lichtblick in einem Krienser Team, das für einmal einen schwachen Tag einzog. «Das war schwer, erstmals seit längerem hat mir die Einstellung nicht gefallen», monierte HCKL-Trainer Goran Perkovac.

«Wir dachten wohl, es klappt dann irgendwie schon. Doch von alleine kommt nichts, man muss für alles kämpfen.»

Viele Fehler auf beiden Seiten

Nicht zum ersten Mal taten sich die Zentralschweizer schwer gegen den Underdog aus Zürich. Im ersten Heimspiel im letzten September gaben sie beim 29:29-Remis einen Punkt ab, in den vergangenen beiden Saisons resultierte jeweils sogar eine Niederlage. Anscheinend lief es ihnen in der jüngeren Vergangenheit zu einfach, fünf Siege reihte Kriens-Luzern zuletzt aneinander und da sollte der Vorletzte der NLA-Tabelle doch kein Problem darstellen. Von Beginn weg entwickelte sich am Samstag aber eine zähe Partie, mit vielen technischen Fehlern auf beiden Seiten.

Der Gastgeber legte zwar früh vor, in erster Linie weil Keeper Paul Bar als einziger sofort auf Betriebstemperatur war. 5:3 stand es nach zehn Minuten, 11:9 nach 20, richtig auf Touren kamen die Luzerner aber nicht.   GC Amicitia, das auf die schlechte erste Saisonhälfte reagiert und in der Winterpause einen neuen Sportlichen Leiter (Gabor Vass), einen neuen Trainer (Petr Hrachovec) und drei neue Spieler engagiert hat (Jonas Dell, Tomer Bodenheimer, Anton Prakapenia), blieb allerdings dran, zur Pause war die Differenz minimal (14:13).

Disziplinlosigkeiten ärgern Zürichs Präsidenten

Nach dem Seitenwechsel wurde die Qualität des Gebotenen nicht besser, im Gegenteil. Viele Zweiminutenstrafen verhinderten, dass Spielfluss aufkam, die Partie war geprägt von Hektik und Nervosität. Bis zur 45. Minute und dem Skore von 19:19 hielten sich die Unzulänglichkeiten der beiden Teams die Waage, dann sackte das Niveau der Gäste nochmals etwas ab. Gleich zweimal sahen sich die Zürcher wegen Undiszipliniertheiten in dreifacher Unterzahl, was Präsident Philip Hohl die Zornesröte ins Gesicht trieb:

«Man kann sich auch selbst aus dem Spiel nehmen, das wurmt mich extrem. Für uns wären zwei Punkte dringelegen.»

Die Krienser nutzten diese Phase, um auf 26:21 davonzuziehen, am Ende war ihnen der sechste Vollerfolg in Serie nicht mehr zu nehmen. «Wir bewegten uns nur auf 80 Prozent unseres Leistungsvermögens», hielt Perkovac fest. «Wir sollten aber gegen jede Mannschaft an unser Limit gehen, nur dann ist unser Spiel schön und gut. Das war nicht der richtige Handballclub Kriens-Luzern.» Immerhin reichte es am Ende für zwei Punkte und zur Erkenntnis, das die Formkurve von Ammar Idrizi am rechten Flügel stimmt.

Telegramm

Kriens-Luzern - GC Amicitia Zürich 29:24 (14:13)

Krauerhalle. – SR Hennig/Meier. – Strafen: je 6-mal 2 Minuten.

Kriens-Luzern: Bar (13 Paraden); Idrizi (5 Tore), Papez (4), Lapajne (4), Harbuz (7/6), Blättler (1), Gavranovic (2), Lavric; Delchiappo, Oertli, Schlumpf (3), Rellstab (3), Piroch.

GC Amicitia Zürich: Marinovic (8 Paraden)/Bachmann; Popovski (4 Tore), Paban (2), Schild (3), Kaletsch (3/2), Brücker, Quni (3); Alili (2), Reznicek (3), Bodenheimer, Dell (1), Leitner (2), Bader, Klampt (1).

Bemerkungen: Kriens-Luzern ohne Wanner, GC Amicitia ohne Zhyla (beide verletzt).