HANDBALL: Ein Talent lässt sich nicht unterkriegen

Viviane Fleischli (16) hat noch viele Ziele, die sie erreichen will. Unter anderem heisst einer ihrer Träume, mit dem SPL1-Team einmal auf Titeljagd gehen zu können.

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Viviane Fleischli (in der Zuger Sporthalle) ist nach einer langwierigen Verletzung zurück. (Bild Werner Schelbert)

Viviane Fleischli (in der Zuger Sporthalle) ist nach einer langwierigen Verletzung zurück. (Bild Werner Schelbert)

Michael Wyss

Unbestritten ist, dass sie eine Kämpfernatur ist. «Ehrgeizig, zielstrebig und willensstark.» Mit diesen Worten umschreibt ihr Trainer Silvan Häfliger die 16-jährige Viviane Fleischli. Die Flügelspielerin der U-17-Elite- und U-19-Elite- Equipen hat sich in den letzten Wochen und Monaten – nach einem im letzten Herbst erlittenen Innenbandriss am Ellbogen – zurückgekämpft. «Das war eine schwierige Zeit für mich. Ich habe mich im letzten September beim Spiel mit der U 17 gegen Rotweiss Thun verletzt. Das war bitter und frustrierend für mich, weil es das zweite Saisonspiel war. Das nagte an der Moral. Doch nun bin ich wieder zurück», freute sich die Baarerin. Und wie. Sie konnte sich am Wochenende bei ihrem Comeback in die Torschützenliste eintragen (U 19: 2 Treffer und U 17: 4 Treffer). «Es ist schön, wieder aktiv am Geschehen teilnehmen zu können. Nun gebe ich Vollgas», zeigt sich Fleischli kämpferisch. Sie bezeichnet sich als positiv denkend und «manchmal etwas stur».

Das Ziel in der laufenden Saison ist klar: Sie will mit beiden Mannschaften den Playoff-Final erreichen. «Dann kann alles passieren», glaubt Fleischli. Wie es sich anfühlt, ganz oben zu stehen, weiss die angehende Kauffrau bereits. Ihre grössten Erfolge sind ein Schweizer-Meister-Titel mit der Zuger U-17-Elite-Mannschaft im Jahr 2015 sowie ein Schweizer-Meister-Titel mit der Regionalauswahl Innerschweiz zwei Jahre zuvor. Und wie lauten die Fernziele? Wohin soll der sportliche Weg führen? «Mein Wunsch ist es, eines Tages im SPL1-Team des LK Zug zu spielen und der A-Nationalmannschaft anzugehören», sagt sie.

Nur Zuschauerin am Master Cup

Auf internationalem Parkett hat Fleischli bereits Erfahrung gesammelt. In der U-18-Nationalmannschaft kam sie im August 2014 zu drei Einsätzen. Momentan gehört sie zum erweiterten Kader und wird am Master Cup, der am Wochenende unter anderem auch in der Sporthalle Zug stattfindet (siehe Box unten), nicht mittun. Die lange Verletzungspause war sicher ein Mitgrund für ihre Nichtnomination. Fleischli: «Ich muss mich nun wieder neu beweisen und mit guten Leistungen auf meine Person aufmerksam machen. Es braucht nun viel Zeit und Geduld. Diesen Weg werde ich aber meistern.»

Die in Baar wohnhafte Fleischli lässt sich derzeit zur Kauffrau (Sport-KV) in einem Unternehmen in Zug ausbilden. «Die Firma ermöglicht mir, Beruf und Sport unter einen Hut zu bringen. Meine beruflichen Ziele habe ich noch nicht definiert. Ich möchte einfach einen guten Abschluss machen, dann schaue ich weiter», sagt Fleischli, die im April ihren 17. Geburtstag feiert. Die Freude zum Handballsport entdeckte sie im Alter von zehn Jahren bei der HSG Baar-Zug. «Ich wurde durch einen Flyer in der Schule in Baar auf den Handball aufmerksam. Nach einem Schnuppertraining hat es mich gepackt», erinnert sich Fleischli noch genau.

«Facettenreiche Sportart»

Bis sechs Trainingseinheiten absolviert sie während der Woche, dazu kommen noch zwei Meisterschaftsspiele mit den erwähnten Nachwuchsteams. Bleibt da noch Zeit für andere Sachen? «Nein, nicht wirklich viel. Mir ist es aber wichtig, dass ich meine Freunde regelmässig treffen kann.» In Fleischlis Leben dreht sich praktisch tagtäglich alles rund um den Sport. Mitschuld daran – im positiven Sinne – ist ihre Schwester Céline (19). Sie spielt beim FC Baar Fussball in der 1. Liga: «Für Gesprächsstoff ist bei uns zu Hause somit immer gesorgt», sagt Fleischli und lacht. «Ich finde Handball besser, meine Schwester natürlich Fussball. Wir sind uns nicht immer einig darüber, wer nun den attraktiveren Sport ausübt», führt sie aus. Was macht für sie die Faszination am Handball aus? «Er beinhaltet einfach alles: die Schnelligkeit, die Härte, die Dynamik. Zudem war es mir wichtig, einen Teamsport auszuüben. Gemeinsam zu gewinnen und zu verlieren gehört dazu. Die Motivation in der Gruppe ist grösser als Einzelkämpfer.»

Idol aus Deutschland

Gibt es in Fleischlis Leben auch Vorbilder? «Im Sport bewundere ich Uwe Gensheimer, der in Deutschlands Nationalmannschaft spielt. Er spielt wie ich auf dem linken Flügel und wurde mehrfacher Handballer des Jahres in Deutschland. Beeindruckt bin ich aber auch von denjenigen Menschen, die aus jeder Situation das Beste versuchen zu machen und mit dem zufrieden oder glücklich sind, was sie haben.»