HANDBALL: Emmer Handballer steigen in die NLB auf

Die Emmer schaffen den Coup und steigen in die NLB auf. Der Erfolg kam früher als geplant, doch das ändert nichts an der Strategie des Vereins, wie Präsident Thomas Dürger betont.
Stephan Santschi
Die Emmer Handballer beim «Aufstiegstanz» nach dem Schlusspfiff. (Bild: «Landbote»/Marc Dahinden (Winterthur, 12. Mai 2018))

Die Emmer Handballer beim «Aufstiegstanz» nach dem Schlusspfiff. (Bild: «Landbote»/Marc Dahinden (Winterthur, 12. Mai 2018))

Stephan Santschi

stephan.santschi@regionalsport.ch

Es war ein Steigerungslauf, den kaum einer für möglich gehalten hätte. Handball Emmen, das letzte Saison fast in die 2. Liga zurückgekehrt war, wollte sich zwar von Beginn weg nach vorne orientieren. Dass am Ende allerdings der Aufstieg in die NLB stehen würde, bezeichnet Präsident Thomas Dürger in seinem Resümee als «schöne Geschichte, fast wie in einem Märchen».

Ende 2017 schaffte die Mannschaft die erwartete Qualifikation für die Finalrunde, Ende April 2018 zog sie überraschend in die Aufstiegsrunde ein, und nun, an diesem Wochenende, hat sie erstaunlicherweise auch das Duell mit den Seen Tigers in Hin- und Rückspiel (33:25/30:30) für sich entschieden. Erstmals seit 1996 hat die Region damit wieder ein Team in der zweithöchsten Liga des Landes. Es ist der sportliche Höhepunkt des Vereins, der 2009 als Fusionsprodukt aus der Zusammenlegung des HC Emmenstrand und des ATV Emmenbrücke hervorgegangen war.

Rückblick: Im letzten Sommer übernahm Heinz Fuhrimann den Trainerjob in Emmen, nachdem er zehn Jahre in der Nachwuchsorganisation der SG Pilatus engagiert gewesen war. Doch kaum hatte der Udligenswiler mit der Arbeit begonnen, wollte er den Bettel bereits wieder hinschmeissen. «Ich hatte nur sechs Knochen im Training. Ich muss nicht alles akzeptieren», erklärt er. Die Mannschaft habe sich aber zusammengerauft und nach den Sommerferien die erhöhte Belastung im Training angenommen. «Es ist nicht immer einfach mit mir», sagt der fordernde Fuhrimann, «in den letzten Monaten haben wir hier aber einen guten Teamgeist entwickelt. Mit dem schönen Gefühl des Siegens kam dann kontinuierlich die Lust auf mehr.» Für die Aufstiegsspiele hätten einige Akteure sogar ihre gebuchten Ferien gestrichen. «Selbstvertrauen, Leidenschaft, Stabilität» – diese Attribute hebt Fuhrimann heraus, wenn er seine Mannschaft charakterisiert.

Klar ist auch, dass das Kader im Vergleich zur Vorsaison verstärkt war – mit David Zürcher, Fabian Häberli und Tomislav Orsolic waren tragende Säulen dazugestossen. Auch die Liga habe etwas geschwächelt und ihnen diesen Exploit erleichtert, fügt Fuhrimann an. Die Leistung der Emmer schmälert das indes nicht. «Ich bin erschöpft, geniesse das aber auch. Es zeigt, dass ich vernünftige Arbeit abgeliefert habe.» Neben dem Schweizer-MeisterTitel mit den U17-Junioren der SG Pilatus sei dieser NLB-Aufstieg der grösste Erfolg seiner 40-jährigen Karriere als Übungsleiter. «Die Partie am Samstag in Winterthur war unser 30. Meisterschaftsspiel der Saison. Das ist für Amateure sehr viel.» Zum Vergleich: Die Kadetten Schaffhausen vom finanzstärksten Klub der Schweiz hatten nur zwei Partien mehr.

Budget für NLB-Team soll verdoppelt werden

Heinz Fuhrimann betont, dass der Erfolg im Zentralschweizer Ballsport vom Engagement weniger Personen abhänge. «Hören diese auf, bricht alles zusammen. Das ist in Luzern beim Volleyball und Basketball ebenso. Und es gilt auch für uns.» Präsident Thomas Dürger und Sportchef Basil Koch sind in Emmen die Köpfe, die hinter den Kulissen mit viel Herzblut die Rahmenbedingungen für eine positive Entwicklung schaffen.

Die Bildung einer Sportkommission mit einem Scoutingbereich, die Teilprofessionalisierung der Nachwuchstrainer, die Verstärkung des Marketingbereichs, die Ernennung eines Medienverantwortlichen und die Verdoppelung des Budgets für das NLB-Team der Männer auf 60000 Franken sind Themen, mit denen sich Präsident Dürger beschäftigt. «Der Aufstieg kommt etwas früh, in einem Jahr wären wir mit der Planung weitergewesen. Doch wir haben uns in den letzten Wochen intensiv mit dem Aufstiegsszenario auseinandergesetzt. Ich mag es der Mannschaft und dem Verein extrem gönnen», sagt der 46-jährige Emmenbrücker. Ein Verzicht auf den sportlichen Erfolg sei für ihn nie ein Thema gewesen, betont Dürger.

Handball Emmen hat ein «massives Hallenproblem»

In den nächsten Jahren wollen sich die Emmer als zweite Zentralschweizer Kraft hinter dem HC Kriens-Luzern etablieren und als dessen Farmteam fungieren. Eine Zusammenarbeit auf Nachwuchsstufe mit der SG Pilatus könne wohl bald in trockene Tücher gewickelt werden, lässt Dürger durchblicken. Seine grösste Sorge sei jene um die Infrastruktur, «wir haben ein massives ­Hallenproblem». Eine Rückkehr in die Militärhalle oder der Bau einer Sporthalle im Raum Mooshüsli seien Optionen, die sie ­derzeit prüfen würden.

Das Kader für die kommende Saison stehe derweil zu grossen Teilen, möglich seien noch zwei, drei Ergänzungen – vor allem dann, wenn sich die Knieverletzung von Luka Ravlija wie befürchtet als Kreuzbandriss herausstellen sollte.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.