HANDBALL: Fit werden für «nächsten Lorbeer»

Wenn Thun sich am Samstag (17 Uhr) mit Kriens misst, sitzt Nicolas Raemy auf der Bank. Der Luzerner in Wacker-Diensten leidet an einem Schleudertrauma. Beim Cupsieg hat er dennoch mitgefeiert.

Roland Bucher
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Nicolas Raemy (Nummer 5) feiert mit Wacker Thun den Cupsieg. Trotz Verletzung stand er auf dem Matchblatt und erhielt deswegen ebenfalls eine Medaille. (Bild: Urs Flüeler/Keystone (Olten, 5. Februar 2017.)

Nicolas Raemy (Nummer 5) feiert mit Wacker Thun den Cupsieg. Trotz Verletzung stand er auf dem Matchblatt und erhielt deswegen ebenfalls eine Medaille. (Bild: Urs Flüeler/Keystone (Olten, 5. Februar 2017.)

Roland Bucher

sport@luzernerzeitung.ch

Exakt heute in zwei Wochen feiert Nicolas Raemy seinen 25. Geburtstag, so richtig Vorfreude will bei ihm, dem bei Wacker Thun zu den Leistungsträgern zählenden Buchrainer, aber nicht aufkommen. Der Stachel einer Verletzung, die er sich vor rund vier Monaten bei einem Zusammenstoss mit dem Torwart des RTV Basel zuzog, steckt tief: Schleudertrauma. Geduld und Physiotherapie, statt das zu tun, was er am liebsten tut: kreativen Handball spielen, pfeilschnelle Gegenstösse inszenieren.

«Wenn du dir einen Knöchel brichst», hadert Raemy, «dann weisst du quasi auf den Tag genau: In sechs Wochen bin ich wieder fit. Bei einem Schleudertrauma ist das ganz anders, gibt es im Heilungsprozess hoffnungsvolle Szenarien, aber auch beklemmende Rückschläge. Diese Ungewissheit, ob ich in einer Woche, in einem Monat oder noch später wieder auf der Platte stehe, ist nervig, das ist das Schlimmste.»

Ein Eckpfeiler im Nationalteam

Beim Final Four am letzten Wochenende hatten ihn seine Teamkollegen gebeten, sich trotz der Rekonvaleszenz auf dem Matchblatt zu notieren. «Sie wollten, dass ich ebenfalls die Gold­medaille umgehängt bekomme», erzählt der Rechtsaufbauer über den Thuner Cupsieg vor einer Woche. Raemy sagt aber auch: «Ende dieser Saison will ich aktiv auf dem Platz stehen, wenn der nächste Lorbeer verteilt wird.» Also, wenn der Schweizer Meister gefeiert wird. Wer, bitte schön, ist der Favorit? Schaffhausen, Winterthur, Thun, Kriens? «Jeder hat das Zeug, den Pokal zu holen», betont Raemy, der indes aus seinem Herz keine Mördergrube macht: «Klar würde ich es uns am meisten gönnen. Aber dann kommt in meiner Hitparade schon Kriens.»

Wenn nicht Thun, dann also der HCK, der heutige Gegner beim Finalrunden-Start. Beim HC Kriens-Luzern hatte er als Handballer seine Grundausbildung genossen, sich für höhere Aufgaben empfohlen. Mittlerweilen gilt Raemy als eines der Aushängeschilder im Schweizer Handball, zählt auch im Nationalteam zu den Eckpfeilern. Er hat bei Thun seinen Vertrag um zwei Jahre bis im Sommer 2019 verlängert, und im Gleichschritt mit seiner handballerischen Weiterentwicklung treibt er sein Studium in Sportwissenschaft und Biologie voran. Was mit der Beanspruchung im auf Vollprofitum tendierenden Nationalteam nicht leicht unter einen Hut zu bringen ist: «Es gibt keine Kompromisse mehr. Das ist aber auch richtig, nur so kommen wir weiter.»

Wo Nicolas Raemy indes seine hoffnungsvolle Vereinskarriere in zwei Jahren weiter forcieren wird, darüber macht sich der Innerschweizer noch keine Gedanken. Ein Ausland-Engagement, in Skandinavien zum Beispiel, ist eine Option – eine Rückkehr zu Kriens ebenfalls: «Ich habe immer betont: Es war eine wunderschöne Zeit beim HCK, er bleibt immer in meinem Herzen.»