HANDBALL: Grimm ärgert sich masslos

Ein ganz schwaches Kriens bei der 25:30- Niederlage gegen Wacker. Die Playoff-Qualifikation scheint drei Runden vor Schluss definitiv kein Thema mehr.

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Alles Zurufen und Gestikulieren von HCK-Trainer Heiko Grimm bleibt von seinem Team ungehört. (Bild: Nadia Schärli)

Alles Zurufen und Gestikulieren von HCK-Trainer Heiko Grimm bleibt von seinem Team ungehört. (Bild: Nadia Schärli)

Roland Bucher

Es lag von der ersten Minute an dicke, schlechte Luft in der Maihofhalle. Der HC Kriens-Luzern fand im Wissen, seine womöglich letzte Trumpfkarte auszuspielen – nie ins Spiel, brüskierte seine Anhängerschaft mit einer provozierend fahrigen Defensiv-«Leistung» und lag nach sieben Minuten schon vier Tore zurück. Die Partie war entschieden, kaum dass sie richtig losgegangen war, und auf der Tribüne war alsbald nicht mehr die mögliche HCK-Playoff-Zukunft das Gesprächsthema, sondern: Warum spielen von Deschwanden (26), der Urner, und Raemy (22), der Buchrainer, die beiden Zentralschweizer Protagonisten, in Thun und nicht bei Kriens? Das Duo warf zusammen 15 Tore, zelebrierte jenen Handball, der den HCK-Chefs vorschwebt: wuchtig, präzis, tempostark, fast ohne Fehlerquote im Abschluss. Davon konnte man gestern im Krienser Lager nur sanft träumen.

Wirrnisse im HCK-Angriffsspiel

Ja, hier diese Thuner, denen Trainer Martin Rubin die Handschrift eines modernen Spielkonzepts indoktriniert hat, dort der Watschelenten-Handball eines Krienser Teams, das gestern nie zu einer Formation fand, sich im zaghaften Angriffsbemühen über die eigenen Laufwege wunderte und in der Konsequenz nur selten über die Zähflüssigkeit des Limitierten herauskam. Dass die Kraftquelle bei den HCK-Spielträgern in diesen Wochen am Versiegen ist, das wusste man: Auch gestern kam, mit Ausnahme von Fighter Baumgartner, keiner über bescheidenes Mittelmass hinaus.

Einen schlechten Tag einziehen, das darf man mal, auch wenn der gestrige Zeitpunkt so ziemlich der allerdümmste war; knapp neben das Tor werfen oder das Kreisläufer-Zuspiel vergeigen: Niemand hätte den Kriensern deswegen einen Strick gedreht.

Was ärgerte und für das Finalrunden-finale mit immerhin noch zwei Heimspielen (gegen Amicitia und Otmar) jeden Sympathiebonus killte, war die Einstellung, welche die Mannschaft in einer Partie, in welcher über Gedeih und Verderben gerichtet wurde, an den Tag legte. Der Auftritt war, so und nicht anders ist dies zu sagen, charakterlos, dem Team fehlte der Stolz, in einer heiklen Situation nochmals Muskeln zeigen zu wollen: «Ich bin hässig, nichts als hässig», polterte Trainer Heiko Grimm.

Klärende Gespräche stehen an

Des Trainers Brandrede beinhaltete einen durchaus beängstigenden Einblick in das Seelenleben seiner Truppe, die pomadig aufgetreten und sich ihrer Verantwortung in keiner Art und Weise bewusst gewesen sei: «Ich habe schon in den letzten Tagen und Trainings gespürt, dass die Spieler nicht in der Lage waren, Spannung für dieses enorm wichtige Spiel aufzubauen. Ich weiss wirklich nicht, was da los ist, und das beunruhigt mich.»

Keine Frage: In den nächsten Tagen werden heisse, klärende Gespräche anstehen. Zeit dazu hat Kriens nach der peinlichen, wohl als Playoff-Hoffnungen untergrabenden Niederlage nun wohl genug dafür.

NLA, Finalrunde

7. Runde: Kriens-Luzern - Wacker Thun 25:30. Heute, 18.00: GC Amicitia - Pfadi Winterthur. Sonntag, 17.00: St. Otmar St. Gallen - Kadetten Schaffhausen.

1. Winterthur*24/40

2. Thun*25/37

3. Kadetten24/30

4. St. Otmar24/25

5. Kriens-Luzern25/23

6. GC Amicitia24/20

* Für die Playoffs qualifiziert. Nach 10 Runden stehen die ersten 4 in den Playoffs.

Kriens-Luzern - Wacker Thun 25:30 (11:18)

Maihof, Luzern. 950 Zuschauer. – SR Bär/Süess.

Strafen: 4-mal 2 Minuten gegen Kriens-Luzern, 6-mal 2 Minuten gegen Wacker Thun.

Kriens-Luzern: Schelbert /Portmann (21.38.); Fellmann (5), Blättler (1), Spengler, Vögtli, Stojanovic (2), Baviera, Stankovic (5/3), Baumgartner (4), Tominec (2), Schramm (3), Hofstetter (3).

Wacker Thun: Merz; Linder (3), Raemy (7), Dähler (3), Isailovic (2), Franic, Lanz, Caspar (3), Friedli (3), von Deschwanden (8/1), Chalkidis (1), Rathgeb, Huwyler.

Bemerkungen: Wacker ohne Winkler und Hüsser (beide verletzt). Verhältnis verschossener Penaltys 1:0.