Handball
HC Kriens Luzern-Trainer Goran Perkovac: «Extrem schade»

Kriens-Luzern hat eine Hand am ersten Pokal, dann aber versagen die Nerven. Schaffhausen gewinnt den Cupfinal in extremis mit 22:21.

Stephan Santschi
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Ein letzter Angriff, immerhin die Verlängerung erzwingen, das ist das Ziel des HC Kriens-Luzern. Wenige Sekunden sind im Cupfinal gegen die Kadetten Schaffhausen noch zu spielen. Und tatsächlich: Kreisläufer Filip Gavranovic wird frei gespielt, kommt zentral vor dem Tor zum Abschluss, doch sein Versuch wird von Goalie Kristian Pilipovic abgewehrt. Kurz darauf ist das Spiel zu Ende und damit auch die Hoffnung auf den Coup, auf den ersten Titel der Vereinsgeschichte. Die Schaffhauser gewinnen den Cupfinal mit 22:21, die Zentralschweizer sind konsterniert. «Extrem schade, ich bin frustriert», hadert HCKL-Trainer Goran Perkovac. «Schaffhausen war nicht besser, in den letzten zehn Minuten haben wir fünf 100-prozentige Chancen verworfen.»

Filip Gavranovic vom HC Kriens-Luzern zieht ab

Filip Gavranovic vom HC Kriens-Luzern zieht ab

Bild: Keystone

Tatsächlich fehlte wenig zum Sieg gegen den langjährigen Dominator der Schweizer Handballszene, der momentan keineswegs übermächtig ist. Die grösste Möglichkeit zumindest schon mal eine Hand an die Trophäe zu legen, hatten die Luzerner in der 54. Minute. Tomas Piroch kam auf halbrechter Position ungestört zum Abschluss, schoss allerdings Pilipovic an. Hätte er getroffen, wäre Kriens-Luzern mit 21:18 im Vorsprung gelegen und angesichts der starken Arbeit in der Deckung wäre ein erfolgreiches Ende wahrscheinlich gewesen. «In diesen Momenten müssten wir kühlen Kopf bewahren», wusste Perkovac, der diese Qualität als Spieler auf dem Weg zu seiner reichhaltigen Titelsammlung immer wieder unter Beweis gestellt hat.

Kriens-Luzern «kämpft wie die Löwen», aber…

Auch danach zeigte Kriens-Luzern Nerven. Zuerst in der Abwehr, als Gavranovic bei einer ungeschickten Aktion eine Zweiminutenstrafe kassierte (55.). Und auch wieder im Angriff, als Adrian Blättler in Überzahl an Pilipovic scheiterte (58.). 70 Sekunden vor Schluss gelang dem dynamischen und wurfgewaltigen Donat Bartok der 22:21-Siegestreffer. Im Gegensatz zu seinen Krienser Antipoden war in der Aktion des ungarischen Linkshänders kein Zweifeln zu erkennen, entschlossen und präzise sorgte er für die spielentscheidende Situation. «Wir haben gekämpft, wie die Löwen, aber wir haben nicht guten Handball gespielt. Wir waren nicht locker, wir waren verkrampft und das schon zu Beginn», resümierte Perkovac.

Schwerfällig waren sie nämlich schon in die Partie gekommen, das erste Tor erzielten die Luzerner erst in der siebten Minute. Nach 20 Minuten lagen sie sogar mit 7:11 zurück, «etwas lahmarschig» nannte Perkovac den Auftritt im Angriff während seines ersten Timeouts. Kam hinzu, dass Pilipovic das Goalieduell mit Paul Bar gewann, zu diesem Zeitpunkt hatte der Krienser Keeper eine Abwehrquote von nur 9 Prozent, während der Österreicher in Diensten Schaffhausens grossartige 47 Prozent vorwies. Kriens-Luzern aber biss sich in die Partie, hatte das Skore bis zur 27. Minute wieder egalisiert (11:11) und lieferte dem nun neunfachen Schweizer Cupsieger einen Fight auf Augenhöhe. Nach 45 Minuten führten die Luzerner 18:16, dann stellte Schaffhausen die Deckung auf eine 5:1-Formation um und die ohnehin verunsicherten Rückraumspieler des Gegners vor zusätzliche Probleme. «Wir haben das Spiel vorne verloren. Das passiert uns in einer entscheidenden Partie schon zum zweiten Mal, auch gegen Metalurg sind wir wegen vieler verschossener 100-prozentiger Chancen gescheitert», so Perkovac.

Aljaz Lavric erleidet einen Nasenbeinbruch

Angesprochen ist das Ausscheiden in der 2. Qualifikationsrunde der European League Ende September 2020, als gegen die Nordmazedonier aus Skopje ein Tor zum Weiterkommen fehlte. Solche Rückschläge gehören aber zum Prozess, den Perkovac vor knapp drei Jahren mit seiner Aufbauarbeit begonnen hat. «Zuerst müssen wir solche Situationen erfahren, bevor wir sie meistern können», sagte der Trainer nach seiner ersten Finalteilnahme mit Kriens-Luzern. Weiter geht es am Donnerstag mit dem zweiten Spiel des Playoff-Viertelfinals bei Wacker Thun. Ob Abwehrchef Aljaz Lavric dabei sein wird, ist fraglich. Der Slowene erlitt in der 51. Minute bei einem Zusammenstoss mit Jonas Schopper einen Nasenbeinbruch.

Video: Tele 1

Kriens-Luzern - Schaffhausen 21:22 (11:12)
Mobiliar-Arena, Gümligen. – 50 Zuschauer. – SR Jergen/Zaugg. – Strafen: 6-mal 2 Minuten gegen Kriens-Luzern, 5-mal 2 Minuten gegen Schaffhausen.
Kriens-Luzern: Bar (6 Paraden); Idrizi (4 Tore), Piroch (1), Lapajne (2), Harbuz (5/3), Blättler (2), Gavranovic (3), Lavric; Delchiappo, Oertli (3), Rellstab (1).
Schaffhausen: Pilipovic (12 Paraden); Tominec (1 Tor), Bartok (4), Schelker (4), Csaszar (8/2), Frimmel (3/2), Schmidt (1), Herburger (1); Montoro, Novak, Maros, Schopper.
Bemerkungen: Kriens-Luzern ohne Papez (Rücktritt), Schaffhausen ohne Sesum, Ben Romdhane und Markovic (alle verletzt), Küttel (krank). Bar pariert Penalties von Csaszar (12./4:5 und 27./10:11).

Die Spieler von Kadetten feiern ihren Sieg.

Die Spieler von Kadetten feiern ihren Sieg.

Bild: Keystone