HANDBALL: HC Kriens-Luzern verliert in Aarau

Böse Sonntagsüberraschung für den HC Kriens-Luzern: Der Zentralschweizer Playoff-Anwärter verliert gegen den Liganeuling und Tabellenschlusslicht HSC Suhr Aarau «verdient» mit 28:33.

Drucken
Teilen
Mit 5 Treffern in Aarau bester Krienser Torschütze: Vukasin Stojanovic. (Bild: Roger Grütter / Neue LZ)

Mit 5 Treffern in Aarau bester Krienser Torschütze: Vukasin Stojanovic. (Bild: Roger Grütter / Neue LZ)

Es war das Spiel der kecken, unbekümmerten Jugend des HSC Suhr Aarau gegen die Routiniers des HC Kriens-Luzern. Ein Spiel an sich mit klaren Vorzeichen. Die sich zu Spielbeginn auch weitgehend zu bewahrheiten schienen. Denn trotz enorm hoher Fehlerquote beidseitig gelang es dem Favorit aus der Zentralschweiz, sich einen komfortablen Vorsprung zu erspielen. Die eigenen Fehler hinderten den HC Kriens-Luzern nicht daran, mit 8:14 in Front zu gehen. Vorallem deshalb, weil Suhr Aarau noch mehr Fehler produzierte.

Dann wechselte der Gastgeber seinen Torhüter aus. Statt des routinierten Pramuk kam der 20jährige Nachwuchs-Keeper Flavio Wick ins Spiel. Der rothaarige 2-Meter-Hüne wurde vom HCK anständig warmgeschossen und lief in der Folge zu einer Grossform auf, die wohl auch bei Suhr trotz viel Vorahnung über das Talent des NLA-Neulings einige überraschte. HCK-Routinier Boris Stankovic war der erste, der an ihm scheiterte. 19 weitere Würfe sollten es bis Spielende noch werden. 19 Saves in 45 Minuten – und eine Abwehrquote von 61 Prozent. Chapeau! Gleichzeitig war sich Liga-Topskorer Micha Kaufmann warm. 11 Tore waren es am Schluss. Die beiden zusammen machten an diesem Abend den Unterschied aus... 
Auch deshalb, weil der HCK dem drohenden Unheil einer sich anbahnenden Niederlage nichts entgegenzusetzen vermochte. 8:14 und 11:15 lag der HCK vorne – doch in der Pause führte der Gastgeber mit 16:15. Und es war ein Schulbeispiel, wie sich ein Team das Momentum einer Partie erkämpfen kann. Denn während die Krienser Mal um Mal am Suhrer Keeper scheiterten und in der Defensive die Linie verloren, gelang den Aargauern fast alles. Sie spielten sich in einen echten «Flow» und bejubelten am Schluss ihren ersten NLA-Sieg – ihren ersten Saisonsieg.

Auf Krienser Seite wird man das Spiel (selbst)kritisch hinterfragen. Wie kann es sein, dass sich ein Team mit der Routine der aktuellen Equipe diese Partie aus der Hand «kämpfen» lässt? Zumal von einem Team, das von der individuellen Klasse her zumindest nicht überlegen war... Wie kann es sein, dass sich die individuellen Spielerbilanzen teilweise sehr betrüblich lesen und sich die Mannschaft nicht aus dem Sumpf ziehen könnte? Im Rückraum etwa lag die Effizienz nur gerade bei knapp 30 Prozent – da erstaunt es kaum, dass es am Schluss lange Gesichter und hängende Köpfe gab.

Das Team wird deshalb gut daran tun, die Niederlage in Suhr (selbst)kritisch zu analysieren. Dabei aber auch nicht alles in Frage zu stellen, was die Meisterschaft bisher gebracht hat. Denn mit den richtigen Lehren aus der Partie wird der Weg zurück in die Erfolgsspur wieder zu finden sein. Der Kampf am Finalrundenstrich aber bleibt die Realität für den HC Kriens-Luzern. Nachdem der BSV Bern gegen GC Amicitia verloren hat, wird die Partie gegen die Zürcher in eineinhalb Wochen zur wegweisenden Partie. Dass dazwischen die Europacup-Reise nach Dänemark ansteht, kann da so etwas wie eine Kopf-Verlüftungs-Chance angesehen werden. Denn in Dänemark erwartet vom Team an sich niemand Wunderdinge. In der Partie gegen GC Amicitia hingegen nach der unerwarteten Niederlage in Aarau schon ...

HSC Suhr Aarau - HC Kriens-Luzern 33:28 (16:15)

Schachenhalle Aarau, 500 Zuschauer. SR Anthamatten/Wapp
Spielverlauf: 0:1, 1:1, 1:4, 2:5, 3:6, 4:8, 5:11, 6:12, 7:13, 8:14 (23.), 12:15, 16:15; 18:16, 19:17, 21:18, 21:20, 25:20, 26:21, 26:25 (51.), 27:26, 30:26, 31:27, 32:28, 33:28.

HSC Suhr Aarau:Pramuk (1.-14. und 2 Siebenmeter)/Wick (20 Paraden, Quote 61%!); Kasapidis (6), Zuber (2), Buholzer (1), Romann (3), Aufdenblatten (3), Strebel, Josic (5), Studer (1), Kaufmann (11/3), Strebel (1)

HC Kriens-Luzern: Schelbert/Portmann (ab 31.); Fellmann (4), Mühlebach, Blättler (2), Stojanovic (5/1), Baviera, Lima, Stankovic (4/3), Baumgartner (4), Tominec (5), Schramm (2), Hofstetter (2).

Bemerkungen: Strafen: Suhr Aarau 1, Kriens-Luzern 2 x 2 Minuten. 41. Stankovic scheitert mit Siebenmeter an Pramuk (24:20). 58. Stojanovic scheitert mit Siebenmeter an Pramuk (31:27).

Benedikt Anderes / HC Kriens-Luzern