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HANDBALL: Hoffnung auf Amreins Reichweite

Altdorf fiebert dem Cup-Viertelfinal am Mittwoch gegen Pfadi Winterthur entgegen. Viel Arbeit wartet auf Christian Amrein, den Goalie der Urner. Doch der hat in diesem Wettbewerb schon Grösseres erlebt.
Christian Amrein hofft, dass seine Arme für die NLA-Angreifer von Pfadi Winterthur lang genug sind. (Bild: Nadia Schärli (Ebikon, 15. Oktober 2017))

Christian Amrein hofft, dass seine Arme für die NLA-Angreifer von Pfadi Winterthur lang genug sind. (Bild: Nadia Schärli (Ebikon, 15. Oktober 2017))

Stephan Santschi

stephan.santschi@luzernerzeitung.ch

Sie ist speziell, die Affiche von morgen Mittwoch in der Altdorfer Feldlihalle. Ab 19.45 Uhr gastiert der Spitzenklub Pfadi Winterthur beim lokalen B-Ligisten zum Cup-Viertelfinal. 500 bis 600 Zuschauer werden erwartet und damit doppelt so viele wie an Meisterschaftsspielen. «Wir richten extra eine Kaffee-Bar ein, der Grill läuft, die Festwirtschaft ist bereit. Wir freuen uns riesig», sagt Vereinspräsident Beat Arnold. Christian Amrein spricht derweil von einem «Zückerchen», das auf sein Team warte. «Realistisch gesehen, haben wir keine Chance. Aber der Sport ist nicht immer realistisch.»

Er, der 23-jährige Altdorfer Goalie, weiss wovon er spricht, schliesslich hat er letzte Saison einschlägige Erfahrungen mit einem erfolgreichen Underdog gemacht. Mit seinem damaligen Team, dem B-Ligisten Endingen, zog er dank eines 28:26-Sieges gegen das oberklassige GC Amicitia Zürich in den Cupfinal ein, wo man Wacker Thun mit 26:35 unterlag. Amrein kam zu einem achtminütigen Kurzeinsatz, den er trotz der klaren Niederlage vor rund 1900 Zuschauern in der Oltener Kleinholz-Halle genossen hat: «So etwas hätte ich mir früher nie träumen lassen.»

NLA-Angreifer machen Goalie Amrein neugierig

Nun also kommt Pfadi Winterthur, der vierfache Cupsieger, der die Trophäe letztmals im Jahr 2015 in die Höhe stemmte und hinter den Kadetten Schaffhausen als zweite Kraft im Schweizer Handball gilt. «Es wird eine Her­ausforderung, eine Standortbestimmung. Wir werden sehen, was uns im Vergleich zu einer solchen Mannschaft noch fehlt», erklärt Amrein. Angst habe er vor dem Gegner nicht, vielmehr nehme es ihn wunder, wie viele Bälle der Topcracks er halten könne.

Amrein geht also mit einer gesunden Portion Selbstvertrauen ins Spiel, und das hat gute Gründe: Seit seinem Wechsel von Endingen im letzten Sommer hat er sich in Altdorf gut eingelebt hat. «Nach meinen zwei Jahren im Aargau wohne ich nun in Flüelen am Vierwaldstättersee. Da fühle ich mich schon mehr zu Hause», erzählt er lächelnd. Die neue Mannschaft sei ihm schon zu Beginn nicht fremd gewesen: «Einige Spieler kannte ich aus der gemeinsamen Zeit in der Regionalauswahl, gegen andere habe ich bereits gespielt. Man kennt sich halt in der Innerschweizer Szene.» Amrein selber stammt aus Sursee, im U15-Alter wechselte er in die Nachwuchsabteilung der SG Pilatus, wo er sieben Jahre verbrachte. «Ich bin einer aus der Armada mit jungen Spielern, die von Othmar Buholzer ausgebildet worden sind. Er war mein wichtigster Förderer.»

Student in Zürich, Hallenwart in Altdorf

Amrein spielte mit der SG Pilatus in der 1. Liga, stieg in die NLB auf, trainierte mit dem NLA-Team von Kriens-Luzern, verspürte dann aber Lust auf eine Veränderung. «Ich begann in Zürich Politikwissenschaft zu studieren, zog nach Turgi bei Baden und wechselte zum TV Endingen.» Zwei Jahre lang habe er von ausgezeichneten Trainingsbedingungen profitiert, als Nummer zwei sei er aber nur mässig zum Einsatz gekommen.

Als Endingen in diesem Frühjahr in die NLA aufstieg und anschliessend Gabor Busa aus Gossau verpflichtete, bemerkte Amrein, dass die Zeit des Bankdrückens abgelaufen war und ihm der Sinn nach mehr Spielpraxis stand. Den Wechsel zu Altdorf, wo er Noah Ineichen ersetzte, umschreibt er als «Lösung, die mich begeistert». Neben dem Handballsport und seinem Studium arbeitet Amrein in einem kleinen Pensum als Hallenwart in der Baldinihalle, wo die Altdorfer jeweils trainieren. Der Traum vom Spitzenhandball, von der grossen Sportkarriere, sei zwar nicht gänzlich passé, habe derzeit aber nicht oberste Priorität. «Ich habe in Altdorf für zwei Jahre unterschrieben, ich fühle mich sehr wohl hier und beschäftige mich nicht schon wieder mit einem Wechsel.»

Start in der Meisterschaft verläuft nicht nach Wunsch

Mit seinen Leistungen hat Christian Amrein bisher überzeugt, immer wieder fiel er mit hohen Abwehrquoten auf. Aber auch er konnte nicht verhindern, dass der Saisonstart missriet – aus den ersten sechs Partien resultierte lediglich ein Punkt, die Mannschaft steht auf dem vorletzten Tabellenplatz. «In unserem Kader ist einiges neu, es braucht viel Arbeit und Zeit. Zudem hatten wir vornehmlich starke Gegner, wir bezahlten etwas Lehrgeld. Insgesamt haben wir uns bisher anständig verkauft», sagt der Keeper, der dank eindrücklicher Postur (1,97 Meter, 96 Kilo) die Reichweite zu seinen Stärken zählt. Verbesserungsfähig sei sein Reaktionsverhalten, «ich bin ein junger Goalie und daher oft etwas überhastet. Ich sollte länger warten, bis ich mich bewege.»

Auf seiner Position orientiert er sich dabei an Niklas Landin vom THW Kiel, der einst mit dem Luzerner Andy Schmid bei den Rhein-Neckar Löwen spielte. Der dänische Spitzengoalie verkörpere den typisch skandinavischen Stil, was so viel bedeute wie: «Er geht gerne zu Boden, pariert die Bälle im Hürdensitz.» Ob Christian Amrein mit dieser Technik Spieler vom Format eines Pascal Vernier, Kevin Jud, Marcel Hess oder Marvin Lier zur Verzweiflung bringen kann, wird sich morgen zeigen, wenn der KTV Altdorf die Gäste aus Winterthur zum Cupfight bittet.

Am Ritual vor dem Spiel jedenfalls wird der junge Mann, der sich als leidenschaftlicher Esser bezeichnet, nichts ändern: «Wie immer werde ich für mich Pasta Bolognese kochen.»

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