HANDBALL: «Ich spürte, dass etwas kaputtging»

Lisa Frey (21) ist nach dem Kreuzbandriss erfolgreich am Knie operiert worden. Die Rehabilitation bestreitet die Spielerin der Spono Eagles mit viel Tatendrang und einem Leidensgenossen unter ihrem Dach.

Stephan Santschi
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Zuversichtlich nach der Operation: Lisa Frey. (Bild: Manuela Jans-Koch (Rupperswil, 20. Dezember 2016))

Zuversichtlich nach der Operation: Lisa Frey. (Bild: Manuela Jans-Koch (Rupperswil, 20. Dezember 2016))

Stephan Santschi

 

stephan.santschi@luzernerzeitung.ch

«Er hat die Krücken an mich weitergegeben.» Lisa Frey nimmt das Unglück mit Humor, erwähnt ihren Freund, den NLB-Handballer Tobias Madliger vom STV Baden, der nach einem Knorpelschaden erst seit kurzem nicht mehr auf die Gehilfe angewiesen ist. Drei Wochen lang, noch bis gegen Mitte Januar, wird sie nun selber an Krücken gehen, am 20. Dezember ist Frey in Rheinfelden operiert worden. Das gerissene vordere Kreuzband wurde durch eine Sehne ersetzt, zudem musste ein kleines Stück vom Meniskus entfernt werden. «Tipptopp, alles hat geklappt», vermeldet die 21-jährige Rückraumspielerin der Spono Eagles. Neun bis elf Monate dauert die Rekonvaleszenz, «wahrscheinlich bin ich schon nach sechs Monaten wieder fit. Doch die Sehne muss sich nun daran gewöhnen, dass sie das neue Kreuzband ist. Das braucht auch seine Zeit.»

Die aktuelle Spielzeit ist für sie damit beendet, die Spono Eagles werden in Meisterschaft und Cup fortan ohne die Topskorerin der letzten Saison auf Titeljagd gehen. Dass sie das fuchst, ist selbstredend, «bisher war ich noch nie so lange verletzt». Ereignet hat sich das Ungemach Ende November im Training mit der Nationalmannschaft in Schaffhausen. «Ich lief einen Gegenstoss, machte einen Sprungwurf und rutschte nach der Landung aus», erinnert sie sich. Sie habe sofort gespürt, dass etwas kaputtgegangen sei, doch der erstuntersuchende Arzt habe selbst nach der Erstellung eines MRI lediglich von einer Prellung gesprochen. «Deshalb flog ich trotzdem mit nach Weissrussland. Während der langen Reise fragte ich mich aber bereits: Was mache ich hier eigentlich?»

Die «Action» in Weissrussland

In Weissrussland, genauer in Minsk, bestritt das Schweizer Nationalteam Anfang Dezember die erste Phase der WM-Qualifi­kation. Mit Lisa Frey? Nein, das dann doch nicht. Der Teamarzt stellte noch am Abend des Anreisetags den Kreuzbandriss fest. «Das hat mich natürlich sehr genervt. Mir zeigte es: Das eigene Gefühl täuscht den Sportler nicht.» Am nächsten Morgen sollte sie nach Hause zurückkehren, doch bis die Voraussetzungen dazu geschaffen waren, bedurfte es noch etwas «Action», wie sie sagt. Die Schweizerinnen waren nämlich mit einem Gruppenvisum nach Weissrussland gekommen, und jetzt sollte sie allein wieder abreisen? «Ich musste früh raus, wir fuhren durch ganz Minsk, schauten wegen den Formalitäten bei Banken und bei der Schweizer Botschaft vorbei. Zum Glück hatte der Flug Verspätung, sonst hätte ich ihn verpasst», berichtet sie.

Mittlerweile ist ihr Spital­aufenthalt abgeschlossen, am 24. Dezember kehrte die Aargauerin zurück in ihre Wohnung nach Rupperswil. Weihnachten verbrachte sie traditionell in Frick bei ihrer Grossmutter. Die vielen Genesungswünsche hätten sie gerührt, «das Feedback war gewaltig, nicht nur von mir nahestehenden Personen, sondern auch von der Konkurrenz». Unglücklicherweise habe sie vereinsintern aber eine kleine Verletzungslawine losgetreten – nach ihr zogen sich nämlich auch Chantal Wick (Bänderriss im Fuss), Ivana Ljubas (Rückenschmerzen) und Tamara Aegerter (Platzwunde an der Hand) Blessuren zu. «Keine sollte allerdings länger ausfallen.»

Ihre Tore und Abwehrstärke werden fehlen

Sie selber wird, wie erwähnt, etwas mehr Geduld brauchen, um wieder in ihre Rolle als Leistungsträgerin des Schweizer Meisters zu schlüpfen. Obwohl sie letzte Saison so viele Tore wie keine andere Spielerin in der SPL 1 warf, vermutet man in Nottwil, dass sie vor allem in der Abwehr eine Lücke hinterlassen wird. «Die Leute fragten mich schon, ob ich nicht in Form sei, weil ich nicht mehr so viele Tore geschossen habe. Tatsächlich hat sich aber nur meine Rolle verändert», erklärt Frey.

Konkret: Nach dem Abgang von Rahel Furrer übernahm Lisa Frey in der Offensive deren spielerische Art, entschied sich häufiger für einen Pass zur Teamkollegin, anstatt selber in den Abschluss zu gehen. Spielerinnen wie das Toptalent Xenia Hodel profitierten davon. Hinten dürfte das Fehlen der kräftigen Verteidigerin deshalb schwieriger zu kompensieren sein als auf der Torschützenliste.

Die sportliche Auszeit will Lisa Frey nun nutzen, um physisch noch stärker zurückzukehren. Zudem wird sie mit ihrem Freund und Leidensgenossen Tobias Madliger ausnahmsweise mal während der Saison einen Städtetrip ins Ausland machen können. «Bei ihm dauert es noch etwas länger, bis er wieder Handball spielen kann», bedauert Lisa Frey. Immerhin: Die Krücken werden bald wieder aus dem gemeinsamen Haushalt verschwunden sein.