Handball
«Jetzt wird es richtig hart»: Der HC Kriens-Luzern verpasst den kürzesten Weg in die Playoff-Halbfinals

Kriens-Luzern verliert gegen Wacker Thun mit 25:31 und verpasst vorerst den Einzug in den Playoff-Halbfinal.

Stephan Santschi
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Kein Durchkommen für den Krienser Tomas Piroch (Mitte): Hier wird er von den beiden Thunern Dario Lüthi (links) und Ron Delhees in die Zange genommen.

Kein Durchkommen für den Krienser Tomas Piroch (Mitte): Hier wird er von den beiden Thunern Dario Lüthi (links) und Ron Delhees in die Zange genommen.

Bild: Pius Amrein (Kriens, 16. Mai 2021)

Auch wenn nur 50 Zuschauer zugelassen waren, am Sonntag herrschte in der Krauerhalle echte Playoff-Stimmung. Der einheimische HC Kriens-Luzern und die Gäste aus Wacker Thun lieferten sich im dritten Spiel des Playoff-Viertelfinals (best of 5) einen Abnützungskampf, selbst die verletzten Spieler der Berner Oberländer auf der Tribüne tobten zuweilen wie wilde Tiere, lieferten sich sogar kurze Wortgefechte mit den Krienser Funktionären am Medientisch. Bereits im Vorfeld deckten sich die beiden Vereine auf ihren Websites gegenseitig mit Provokationen ein, viele Mittel werden genutzt, um das Gegenüber aus dem Tritt zu bringen.

Erfolgreich war diesmal Wacker Thun. Anstatt sich mit der dritten Niederlage klar geschlagen aus der Saison zu verabschieden, zeigte die Mannschaft von Trainer Martin Rubin, weshalb in dieser Phase der Meisterschaft niemand gerne gegen sie spielt. Die Thuner leben von den Emotionen, mehr als alle anderen Klubs der QHL, zuweilen übertreiben sie es, zelebrieren ihre Ausbrüche geradezu. «Wir geben nie auf und es ist cool, für einen Verein zu spielen, der niemals aufgibt», erklärte Nicolas Raemy, der Luzerner Linkshänder in Diensten von Wacker.

Raemy blutet und sorgt für Schreckmoment

Raemy sorgte dabei für einen Schreckmoment, in der 46. Minute verliess der Schweizer Nationalspieler den Platz mit blutendem Unterarm. Ein Arzt wurde an die Seitenlinie gerufen, wie schon in Spiel eins in Kriens, als sich Raemy am Fuss verletzte. «Mir ist das peinlich», gab er hinterher zu, «weil dann eben Sprüche kommen.» Es dauerte eine Weile, bis das Blut Raemys vom Boden aufgewischt war, «der Schleimbeutel war geplatzt, ich habe es zunächst gar nicht gemerkt». Nur zwei Minuten später kehrte er mit einem Verband am Unterarm auf den Platz zurück und führte sein Team zum verdienten 31:25-Sieg.

«Diesmal habe ich nur einen kleinen Teil beigetragen. Kompliment an die Jungs, sie sind mental standhaft geblieben. Wir hatten einen guten Start ins Spiel und kamen in einen Flow.»
Auch der Krienser Moritz Oertli bekommt die Härte der Thuner zu spüren.

Auch der Krienser Moritz Oertli bekommt die Härte der Thuner zu spüren.

Bild: Pius Amrein (Kriens, 16. Mai 2021)

Wer die Kampfkraft und die Leidenschaft der Thuner kennt, der weiss, dass sie nun Blut geleckt haben, so martialisch das klingen mag. Sie sind in diesem Duell angekommen und werden am nächsten Donnerstag zu Hause alles daransetzen, die Serie auf 2:2-Siege auszugleichen. «Jetzt wird es erst richtig hart», dem war sich HCKL-Trainer Goran Perkovac nach der Partie bewusst. Sein Team war völlig von der Rolle, agierte sorglos und unkonzentriert. Reihenweise luden die Zentralschweizer den Gegner mit Fehlpässen zu Gegenstössen ein, nach neun Minuten lagen sie bereits mit 1:6 zurück. «Alles, was in einem Spiel schlecht laufen kann, lief schlecht», ärgerte sich Perkovac. Zwischenzeitlich lagen sie mit sieben Treffern zurück, kamen nochmals auf vier Längen heran. Für eine erfolgreiche Aufholjagd blieb die Fülle der Unzulänglichkeiten aber zu gross.

Handball-Playoffs

QHL. Viertelfinals. 3. Runde (best-of-5): Pfadi Winterthur (1.) – RTV Basel (8.) 28:22 (11:10); Endstand 3:0. Kadetten Schaffhausen (2.) – BSV Bern 24:27 (11:10); Stand 2:1. Kriens-Luzern (3.) – Wacker Thun (6.) 25:31 (12:17); Stand 2:1. Suhr Aarau (4.) – St. Otmar St. Gallen (5.) 26:21 (13:8); Stand 2:1.

Kriens-Luzern – Wacker Thun 25:31 (12:17)
Krauerhalle. – 50 Zuschauer. – SR Capoccia/Jucker. – Strafen: je 6-mal 2 Minuten plus rote Karte für Lüthi (47./grobes Foul) gegen Thun.
Kriens-Luzern: Bar (4 Paraden)/Eicher (4); Idrizi (2 Tore), Piroch (1), Lapajne (3/2), Harbuz (4/3), Blättler (3), Gavranovic (1), Delchiappo (3); Oertli (6), Rellstab (1), Schlumpf (1), Wanner.
Wacker Thun: Winkler (3 Paraden)/Wick (9); Felder (3 Tore), Delhees (2), Lüthi (2), von Deschwanden (9), Linder (5/3), Sorgen (2), Huwyler (2); Guignet (2), Friedli (1), Raemy (3), Chernov, Bouilloux.
Bemerkungen: Kriens-Luzern ohne Papez (Rücktritt) und Lavric (verletzt), Wacker Thun ohne Dähler, Dannmeyer, Schwab und Wyttenbach (alle verletzt). Bar pariert Penalty von Deschwandens, der im Nachschuss trifft (2./0:1). Lapajne schiesst Penalty an die Latte (14./4:9).