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HANDBALL: «Keine Kompromisse mehr»

Der HC Kriens-Luzern beendet die Saison auf Rang 5 und verpasst erneut den Einzug in die Playoffs. CEO Nick Christen und Trainer Heiko Grimm suchen nach Gründen – und senden ein scharfes Warnsignal aus.
Interview Roland Bucher
Trainer Heiko Grimm (links) und CEO Nick Christen blicken trotz den verpassten Playoffs zuversichtlich der nächsten Saison entgegen. (Bild Manuela Jans-Koch)

Trainer Heiko Grimm (links) und CEO Nick Christen blicken trotz den verpassten Playoffs zuversichtlich der nächsten Saison entgegen. (Bild Manuela Jans-Koch)

Nick Christen, die offizielle Saisonvorgabe waren die Playoffs. Ziel also verfehlt.

Nick Christen: Wir waren vorletzte Saison Dritte, letztes Jahr Fünfte. Was anderes als die Playoff-Qualifikation hätte ich denn als Verantwortlicher dieses Vereins fordern sollen? Wenn wir nicht ultimativ unter die besten vier wollen und das auch so plakatieren, dann stecken wir dem Verein definitiv das Langweiler-Etikett an.

Heiko Grimm, Sie waren verhaltener in der Zielsetzung.

Heiko Grimm: Intern haben wir nicht um den heissen Brei herumgeredet: Natürlich wollten wir in die Playoffs. Gegen aussen habe ich das aber immer moderater kommuniziert. Für mich war klar, dass es kein Selbstläufer wird und fünf Teams – also Schaffhausen, Thun, Winterthur, St. Gallen und wir – um die vier Plätze kämpfen. Kriens hat nun den Schwarzen Peter gezogen, das hätte nicht sein müssen.

Nick Christen, sind Sie zufrieden mit der Arbeit Ihres Trainers?

Christen: Ja, absolut. Ich bin zwar nicht immer gleicher Meinung wie Heiko, das soll auch so sein. Es gibt zudem Dinge, die ich in seiner Funktion anders entschieden hätte. Was aber in der Umkehrformel nicht heisst, dass er in solchen Situationen falsch entschieden hat. Sehen Sie: Heiko ist ein junger, unerhört strebsamer und ehrgeiziger Trainer. Er ist mit seinem Feuer und seiner Leidenschaft exakt der Richtige für uns. Wir sind alle zusammen noch in einem Lern- und Reifeprozess. Aber ich weiss, dass unser Weg der richtige ist.

Wie ist es bei Ihnen, Heiko Grimm: Zufrieden mit der Arbeit Ihres Chefs?

Grimm: Können wir das unter vier Augen besprechen? (lacht) Spass beiseite, Nick hat aus den vorhandenen Möglichkeiten ein nahezu perfektes Kader gebildet. Im Nachhinein hätte ich ein stärkeres Veto einlegen müssen, als sich der Verein in der Weihnachtspause entschloss, Tobias Baumgartner den Wechsel zu Bern-Muri zu erlauben. Da hätten wir konsequenter sein müssen. Denn mit Tobias gingen Tore, Power und Leidenschaft verloren. Ich habe gespürt, dass Baumgartners Wegzug ein Schock für das Team war.

Christen: Ich bin da anderer Meinung, Baumgartner war in der Qualifikation keine Schlüsselfigur. Letztlich hat auch der wirtschaftliche Aspekt eine wichtige Rolle gespielt. Durch seinen spontanen Transfer zurück zu Bern-Muri haben wir einen nicht unwesentlich Betrag im mittleren fünfstelligen Bereich eingespart. Ich würde wieder genau gleich entscheiden.

Das liebe Geld: Kriens-Luzern hinkt diesbezüglich der Konkurrenz, die jetzt um den Titel spielt, nach wie vor hinterher.

Grimm: Ich bin lieber mit dieser jungen, entwicklungsfähigen, menschlich tollen Mannschaft Fünfter, als – wie zum Beispiel St. Otmar St. Gallen – sich Rang vier mit viel Routine zu erkaufen.

Christen: Das unterschreibe ich voll. Unser Budget beträgt auch nächste Saison rund 1,25 Millionen Franken. 500 000 Franken mehr, und ich garantiere nicht den Titel, aber den Einzug in den Playoff-Final.

Tönt alles gut und recht. Doch die Frage aller Fragen ist bisher unvollständig beantwortet: Wieso ist Kriens diese Saison wieder gescheitert?

Grimm: «Gescheitert» ist ein überhartes Wort. Wir haben nicht alles falsch, sondern auch sehr vieles richtig gemacht. In der Qualifikation haben wir mit zwölf Siegen in 18 Partien bewiesen, dass wir ein absolutes Spitzenteam sein könnten. Dazwischengekommen ist die erneute Verletzung von Goalie Roman Schelbert. Mit ihm hätten wir in der Finalrunde keine Probleme gehabt, die nötigen Punkte zu holen. Negativ ausgewirkt hat sich auch das Debakel der Nationalmannschaft in der EM-Vorqualifikation: Thomas Hof-stetter und Daniel Fellmann haben viel Freude, Lust und Selbstvertrauen verloren. Fabio Baviera auch, aber er war über die ganze Saison betrachtet die ganz grosse Entdeckung. Er ist ein Ankermann für die Zukunft.

Christen: Unsere Goalies waren zu wenig stark. Gut ist, dass einer wie Andy Portmann aber weiss, dass er in dieser Saison unter den Erwartungen geblieben ist. Er hinterfragt sich selber am meisten. Es war sicher auch nicht der richtige Entscheid, die Option für eine weitere Saison mit Vukasin Stojanovic einzulösen. Er vor allem, aber auch Boris Stankovic, haben uns als Profis zu wenig gebracht.

Die Lehren daraus?

Grimm: Wir werden nächste Saison noch härter arbeiten. Es ist vielleicht die Mentalität des Schweizer Handballers, sich schnell einmal zurückzulehnen. Das müssen wir abklemmen.

Christen: Wir werden mit einigen Spielern derart harte und energische Gespräche führen müssen, dass es ihnen wehtun wird. Wir haben bisher immer ein Auge zugedrückt, wenn einer eine Extrawurst beantragt hat. Das ist ab sofort vorbei. Es gibt keine Kompromisse mehr!

Die nächste Saison ...

Grimm: ... bringt eine neue Herausforderung. Das Gerüst unserer Mannschaft, das vorwiegend aus jungen Schweizer Spielern besteht, wird nicht mehr so schnell wanken, wie das in dieser Finalrunde der Fall war.

Christen: ... wird die gleiche Zielvorgabe enthalten: die Playoff-Halbfinals. Wir werden ein gutes Stück reifer und in der Kaderzusammensetzung flexibler sein. Wir haben uns mit Jost Brücker, David Nyffenegger, Severin Ramseier, Aleksandar Radovanovic und Goalie Paul Bar gut verstärkt. Ich bin sehr zuversichtlich.

Wann kehrt Andy Schmid, der Luzerner Weltklasse-Handballer, in die Innerschweiz zurück?

Christen: Das wird nicht heute und morgen der Fall sein, aber vielleicht übermorgen. Ich hoffe, dass es ihm gelingt, mit Rhein-Neckar den Titel zu erringen. Das hat er wirklich verdient. Andy Schmid bei Kriens ist eine Vision. Er wäre exakt der so schwierig zu findende Mann, der nicht nur für acht, neun Tore pro Spiel gut ist, sondern auch wesentlich bei der Entwicklung junger Teamkollegen mithelfen könnte. Mit einem solchen Könner wären wir ganz vorne dabei. Aber wirklich ganz vorne.

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